1920-16 – Tückisch für Anfänger: Einzugsermächtigung, Ministererlaubnis, Rigaer Str. 94 und Patientenverfügungen

Einzugsermächtigung - Sepa-Mandat

Das Sepa-Mandat hat den Zahlungsverkehr einigermaßen verlangsamt. Dabei wird doch umgekehrt proportional zum Anhäufeln immer neuerer Vorschriften und Regularien die Verfügbarkeit süßen Lebens verunmöglicht. Man hat dafür schlicht keine Zeit mehr: Erst noch die Liste der (neuen) Vorschriften abarbeiten. Nur jetzt ja keine Formfehler begehen. Uff,

Inzwischen muss man, um recht zu handeln, Fristen und (immer weiter ausufernde) Regularien einhalten. Dafür besucht man auch Fortbildungsseminare. Nicht alle übrigens: Wer sich korrekt verhalten will, darf als Bundesminister Ausnahmegenehmigungen nicht in vertraulicher Atmosphäre aushandeln und EDEKA und Tengelmann zusammenbringen. Erzengel Gabriel tat es und wurde richterlich zurückgepfiffen. Die Räumung der Rigaer Str. 94 (Friedrichshain) erfolgte rechtswidrig, urteilt heute das Landgericht. Eine Hausbesetzung ist kein austauschbares Casting für beliebige Filmrollen. Es geht um ganze Lebensentwürfe. Nicht weniger.

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1919-16 – Positionen: Zu Schnapszahlen, Rächtschreibung, Glasfaselkabeln und Bandbreite

Schreibwaise

Post: Die Gesellschaft wird immer hemdsärmeliger.
Kommentar: Wol war.
(Post und Kommentar auf facebook)

Natürlich werde ich von allen allein gelassen, wenn ich mich zurückziehe, um neue Texte zu generieren. Sie kommen wie die Tage fallen. Oder die Tage fallen um, weil ich es vorziehe zu texten. Ein jeder Tag hat andere Priorisierungen. Der Schreibwaise ist also eine Art Kammerzofe der textstofflichen Weltbetrachtung. Ein Glücklicher, wer auf diese Art und Weise zum Erkenntnisgewinn des verfügbaren Weltwissens beitragen kann. Ein solcher ist ein nützlicher.

Die Schreibwaise wiederum, hach ist es kompliziert, ist die Abwesenheit orthographischer Eltern und Regeln. Sie erlaubt dem unorthographischen Denkenden, komplexe Sachverhalte in Texte umzumünzen, die sich nicht an Regeln halten müssen. Unverblümte Textilien sind Wortdurchfall, aber edle Formulierungen können Textlilien sein. Manche kennen nur alte Schreibregeln.

Das ist meines Wissens vielen so ergangen, als die große deutsche Rechtschreibreform durchgeführt wurde. Noch heute habe ich regelmäßig mit Menschen zu tun, gerade im Internetzusammenhang sozialer Netzwerke, die stoisch und teils sogar verbiestert an alten, einmal erlernten Regeln festhalten wollenmüssen.

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1917-16 – Positionen: Was bei Kabelfernsehen, Internet + Telefonie alles schieflaufen kann #Vodafone

Schatten seiner selbst (DSC06030)

biggest bohei

Banner Fernsehtipp

Die bei Vodafone gemeldeten Internetprobleme sind wohl beseitigt. Nicht beseitigt sind folgende zwei Störungen in Berlin-Wilmersdorf – ein Erfahrungsbericht aus Gründen

Bei Vodafone Kabeldeutschland (künftig: Vodafone) liegt eine Mängelmeldung vor: Im Haus Nr. 49 im Erdgeschoss hat jemand Fernsehempfangsprobleme. Bestimmte Programme funktionieren nicht. Das ist auch kein so großes Problem, denn die Fußball EM wird fehlerfrei übertragen. Das war jetzt vor ca. 14 Tagen.

Letzten Freitag hat sich ein Subunternehmer bei Herrn Petersen (* Name geändert) gemeldet und ganzen Arbeitseinsatz geleistet. Inzwischen gibt es auch ein Schreiben von Vodafone: „Der Auftrag ist erledigt.“ Abgearbeitet.

Heute Morgen fragt ein Wohnungseigentümer aus dem Haus Nr. 48 (Nachbarhaus) per Email nach: Eine Mieterin aus dem EG des Hauses hat ihm geschrieben und davon berichtet, dass seit ca. 14 Tagen ständig Streit mit unserer Hausverwaltung und Vodafone besteht. Die Nutzer der Wohnungen Müller, Meier und Schulze (*) müssten sich an die Hausverwaltung wenden oder an den Subunternehmer von Vodafone (Telefonnummer) und zur Beseitigung einer Internet/Telefoniestörung beitragen durch Terminvereinbarung.

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1916-16 – Stilblüten: Die Firma ‚pro forma‘

Stilblüte Mehrdeutigkeit
Stilblüte Mehrdeutigkeit

In Berlin-Wedding war der Arbeitseinsatz der Firma, zu dem die Hausverwaltung nun dem Handwerker folgendes wörtlich schreibt:

Dass Sie Rohrreinigungsfirmen, die wir nicht kennen, hinzuziehen, finde ich auch nicht okay, wir arbeiten ja fest mit welchen zusammen. Aber okay, geschenkt. Wir haben die Firma pro forma bei uns hinterlegt. Würden Sie die empfehlen?

Die Antwort allerdings überrascht. Eine Mitarbeiterin der Firma schreibt:

Die Firma pro forma ist uns nicht bekannt.

Wer hat da jetzt nichts verstanden?

1915-16 – Positionen: ‚Nundorfen‘ – Taxifahrers Mundart-Blues, powered by #BerlinerSchnauze (Gastautor: H.p. Daniels)

H.p. Daniels (Foto: Peter M. Scheibner, mit Dank)
Kneipe - Stampe - Bierlokal
Kneipe – Stampe – Bierlokal

Hier mal ein kleiner Gast-Beitrag zur Berliner Kneipenkultur vergangener Zeiten. Als der Autor H.p. Daniels noch das zweifelhafte Vergnügen hatte, zur literarischen Befruchtung im Beruf des Berliner Taxifahrers zu recherchieren. H.p. Daniels ist ein Berliner Journalist, veröffentlichte viel im Berliner Tagesspiegel, Musiker (teilte mal seinen Proberaum mit Nena in Schöneberg) und begnadeter Nachrufeschreiber, was bleibt? Der gutgefasste Nachruf.

Es gibt Lokalitäten, um die macht man lieber einen Bogen. Und wenn eine Kneipe schon so einen Namen hat: „Bierquelle“, „Schluckspecht“, „Magendoktor“, „Tankstelle“, „Schnapsdrossel“, „Kaffeeklappe“, „Abfüllstation“, „Narkosestübchen“, „Geisterbahn“… sowas in der Art … Läden, wo in den Fenstern giftgrüne, giftrote, giftgelbe, wolkenförmig ausgeschnittenen Pappschilder an Nylonfäden baumeln: Futschi einsfuffzich, Dienstags: Pils nullkommafünf: zwei Mark, Donnerstag vierzehn bis achtzehn Uhr: Happy Hour – alles halbe Preise!

Am Moritz-Platz hing mal an einer Kneipe mit dem schönen Namen: „Schultheiss-Mütze“ eine Tafel, auf der geschrieben stand: „Himmelfahrt ist euer Willen, daher werden wir für euch Grillen“ … Grillen mit großem G … große Helden der Lyrik. Aber Dichtkunst hin, Kühnheiten der Grammatik her, wenn der Taxifahrer um seinen inneren Frieden besorgt ist, wird er derartige Etablissements tunlichst meiden.

Einmal, kurz vor Weihnachten, bin ich dann doch reingefallen: als die Funkzentrale mir in Spandau einen Auftrag vermittelte, Klosterstraße 6. Als ich den Auftrag angenommen und bestätigt hatte, kam der Nachklapper: Kloster 6, der Bierbrunnen. Bierbrunnen? Oh jeh. Und das war dann auch so ein Schuppen.

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1914-16 – Lied des Tages: Das ‚Schindler´s List Theme‘ – by Tina Guo

Blumenstrauß (DSC06101)

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Vanitasbild im Geigenbaumuseum Mittenwald
Vanitasbild im Geigenbaumuseum Mittenwald

Den Film kann man nicht vergessen.

Das Titellied auch nicht.

Tina Guo aus Los Angeles hat es noch einmal bereitgestellt. Und zu Herzen gehend ist es.

Weiterführend
Einfach mal reinhören: Der Tina Guo-Account auf Soundcloud

1913-16 – Linktipp: Das russisch-deutsche Projekt zur Aktendigitalisierung russischer Aktenbestände #GermanDocsInRussia

Historie

Historie: Hurra! Wir leben noch.

Originaltitel der Beuteakte: Studie von Generalmajor Erich Marcks für eine Offensivoperation gegen die Sowjetunion und Planungen für den Angriff auf die UdSSR (1940 – 1941), Vortragsnotizen des Chefs der OKH-Abteilung Fremde Heere Ost zur Stärke und Aufstellung der Roten Armee, Weisungen für die Vorbereitung der Truppen für Operationen im Osten.

Dass wir noch leben, hurra, war mehr oder minder Glück.

Dies Glück ausgehend von den Siegermächten über Dunkeldeutschland 1945. Vieles, was die Russen anschließend mitnahmen, wurde in geheimen Archiven abgelagert. Eine gesetzliche Belegaufbewahrungs- bzw. Vernichtungsfrist für diese Unterlagen wurde nicht ausbedungen. Deswegen kann man die Akten jetzt auch digitalisieren, befand man. Und tat es auch. Sehr interessante Einblicke. Ein kleines Lesezeichen, bzw. ein #Linktipp.

Viel Spaß beim Lesen. Spaß? Naja.

Weiterführend

Zugriff auf die Archive

1912-16 – Positionen: Was alles schiefläuft

Positionen

Iro.Alleinstellungsmerkmal

Kann man Vermieter nicht irgendwie „zwingen“ an normale Mieter zu vermieten? In den USA muss die Verwaltung zustimmen und der Mieter muss diverse Checks über sich ergehen lassen.- Nachfrage einer Wohnungseigentümerin aus Berlin-Spandau

Das schon. In Amerika. In Deutschland nicht. Eine Anhörung und mehrere Checks, um die Qualität eines Mieters zu testen? Undenkbar.

Und Frau Meier (* Name geändert) schildert noch folgendes: Sie habe unten beim sprengstofflosen Garten(wasser)sprengen einen Mieter aus dem Seitenflügel getroffen. Der berichtet, dass er einen anderen Mieter dabei erwischt hat, 2 Pedale und einen Schlauch von seinem Fahrrad geklaut zu haben. Ein tätowierter Irokese, der ihn dann anschließend bedroht hat, als er ihn zur Rede stellte.

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1911-16 – Schadenbearbeitung: Wenn Bautrockner aufgestellt werden, muss sauber unterschieden und abgerechnet werden

Versicherungsprämie

Seilspringende Strommasten (gif)

Als in Berlin-Wilmersdorf im Keller des Hauses die guten alten Bekannten zurückstauten, die sich sonst im Abwasserkanal vom Haus weg ihren Weg bahnen, stank es. Es war auch feucht, Feuchtgebiete der üblich üblen Art. Handwerker Paluske (* Name geändert) wurde beauftragt, ein Bautrocknungsgerät aufzustellen und tagelang die Trocknung voranzutreiben. Die Maßnahme ist abgeschlossen. Es ist wieder trocken.

In trocknen Tüchern ist auch die Rechnung des Handwerkers. Allerdings fehlt eine richtige, sachgerechte Abrechnung: Bautrockner ziehen animalisch (tierisch) viel Strom, sie werden in der Regel über das Hausstromnetz angeschlossen, sofern der Ort dies erfordert. Dort saugen sie Strom, dass die Schwarte kracht. Die ordnungsgemäße Abrechnung: Zu protokollieren ist Datum und Uhrzeit der Inbetriebnahme und selbiges bei Wiederausbau und Beendigung. Die Zeitdifferenz bezeichnet die Betriebsstunden. Dem Herstellerbeschrieb ist die elektrische Wattleistung des Bautrockners zu entnehmen. Zur ordnungsgemäßen Abrechnung gehört zwingend die Angabe einer überprüfbaren Zahl an Kilowattstunden Stromverbrauch. Dieser Verbrauchsstrom ist im Übrigen erstattungsfähig über die Gebäudeversicherung, weil die Beseitigung von Rohrbruch- und Rohrverstopfungsfolgeschäden erstattungsfähig ist.

Ließe man diese Frage links liegen, müsste die Hausgemeinschaft im Rahmen von Betriebskostenabrechnungen einen unrichtigen, u.U. erheblichen Strommehrverbrauch tragen. Ganz abgesehen von Ungerechtigkeit würden auch die Stromvorauszahlungen künftig höher angesetzt, bis Kommissar Zufall die Schadenfreiheit auf Dauer bemüht. Tritt später kein neuer Schaden ein, so senkt sich der Verbrauch wieder auf die richtige, regelmäßig zu erwartende Stromverbrauchsanzahl an Kilowattstunden.

Das wird man ja wohl noch mal sagen …..