DER SPIEGEL befasst sich intensiv mit der Frage, ob Wohnungsbestände in Berlin vergesellschaftet, also enteignet werden sollen. Im Leitartikel (Kommentar) hinter der Paywall (als Abonnent ja, für Leser hier nicht), deswegen sehe ich von Zitationen ab. Die ins Feld geführten Gesichtspunkte erfolgreicher Wohnungspolitik folgen zurzeit noch keinem Roten Faden, sie erscheinen uns teils als verrückt. Was mal war, wurde längst abgeschafft. Was kommt, trägt keine Spuren von Senfsaat, Kümmel oder ätherischen Ölen. Die Debatte wird nicht ganzheitlich geführt und trägt Vergesslichkeit in sich. Die Frage aller Fragen lautet: Auf welche Weise gelänge es deutschen Ballungszentren, adäquaten, bezahlbaren Wohnungsbestand aufzustellen und zu bewirtschaften, ohne die wirtschaftliche Lebensleistung vieler Immobilieneigner schlicht zu klauen. Wie bekommen wir genügend Wohnungen, um die Wohnungsnot – das Fehlen von ausreichend vielen, guten Wohnungen zu bezahlbaren Mieten – wirksam einzudämmen. Dabei wird nicht verkannt, frühere öffentlich geförderte Wohnungsbestände wurden vielfach von Privatkapital gebaut. Im SPIEGEL hat der Bloggwart (ich) diese Duftnote hinterlassen:
„Hierzu hat ein SPIEGEL-Leitartikel (Kommentar) Stellung bezogen. Allerdings mit fehlendem wohnungswirtschaftlichem Wissen. Im Kern die Frage der Enteignung. Steht das Eigentum an Immobilien allen zu, werden sie verlottern wie bspw. bei der Kommunalen Wohnungsverwaltung der DDR. Zweitens bleibt der Bestand gleich, kein Wohnungsneubau. Objekt- und Subjektförderung waren früher Handlungsmaximen einer gesteuerten, staatlichen Wohnungspolitik. Im ersten Wohnungsbauprogramm (Wbp) des Westens (Fünfziger, Sechsziger Jahre – der Staat gibt Darlehen zinsgünstig aus, das mindert die Miete, weil der Kapitalmarkt außen vor bleibt) mit öffentlichen Darlehen (Gedanke fehlt), im zweiten Wbg Aufwandssubvention (Kostenmiete, heruntergefördert bis bezahlbare Miete, weil im ersten Wbp Finanzmittel ausgingen) fehlt dieser Gedanke JETZT und kommt „vermutlich nie“. In Berlin bspw. hat Klaus Wowereit mit Tilo Sarrazin gewirkt, dass die zweiten Wbp HAURUCK (oder HAUSRUCK?) aus der Anschlussförderung entlassen. Die Folge eine absehbare Insolvenzwelle großer Wohnungsbestände der Siebziger. Großer Schaden. – Dann wurde der kommunale Wohnungsbestand privatisiert über Heuschrecken und Hedge Fonds. Soweit ich weiß, beteiligte sich Black Rock. Saß Fritzchen (#FtznFrtz) schon im Aufsichtsrat? – Ich fasse mich lieber kurz und knapp. Es gibt keine groß gedachte Lösung des deutschen Wohnungsmarkts in Ballungsgebieten. Es ist wie eine Flasche leer. Ich habe fertig. (Arbeite berufl. in der Wohnungswirtschaft.)“
Gedacht als #Medienspiegel – denn wer verlässt sich gern auf fremdes Terrain und Admins, deren Gesichtspunkte nicht die hiesigen sind. Ein paar weiterführende Links verweisen teils auf Paywall-Angebote: Sorry dafür. Diesen Gesichtspunkt kann ich von hieraus nämlich gar nicht administrieren.
28.09.26 Karl Marx (* 5. Mai 1818 Trier; † 14. März 1883 London) – Foto: John Jabez Edwin Mayall 1875 #gemeinfrei #nachbearbeitet für #gesichtspunkteDE (2026) – #KarlMarx #LondonYears #Revolution #Manifestation #gesichtspunkteDE
Immer wenn ich traurig bin, trink ich noch nen Korn. Wenn ich dann noch traurig bin, trink ich noch nen Korn. Wenn ich dann noch traurig bin, trink ich noch nen Korn. Wenn ich dann noch traurig bin, fang ich an von vorn. (Heinz Erhardt, früher) – In sprachlicher Hinsicht muss hier und heute nachgeschärft werden.
Das bürokratische Manifest – Marx und Murks
Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Bürokratismus. Alle Mächte des alten Europa haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen den Bürger verbündet, der Papst und der Zar, Metternich und Guizot, französische Radikale und deutsche Polizisten, das Lumpenproletariat der öffentlich Bediensteten, das Berufsbeamtentum und die leitenden Angestellten aller Behörden und Schreibstuben. Für Rückfragen sind sie telefonisch auch nicht mehr erreichbar, weil sie neue Technik einsetzen. Anrufbeantworter unter veröffentlichten Durchwahlnummern, die immer weniger werden. Die Telefonzentralen sind abgeschafft, jetzt geht unter einem Zentralruf nur noch „Berlin“ selbst ans Telefon, das sind zentrale Abwimmelsekretariate mit gut ausgebildeten Nein-Sagern. Können Sie mich mal durchstellen? Nein. – Wissen Sie, wer da zuständig ist? Nein. – Warum ist denn da keiner da? Sie rufen zur falschen Zeit an. Es ist neun Uhr. Es ist immer die falsche Zeit. Schreiben Sie doch was. Was denn? Jetzt werden gerade alle Emailadressen wieder abgeschafft. Sie haben festgestellt, dass man als Inhaber einer Emailadresse antworten muss. Und wie lästig das ist.
Der Kollege feiert heute Geburtstag. Ganz nach Richtlinie für Geburtstagsfeiern.
Wo ist die Opposition, die nicht von ihren regierenden Gegnern als bürokratisch verschrien worden wäre, wo die Oppositionspartei, die den fortgeschritteneren Oppositionsleuten sowohl wie ihren reaktionären Gegnern den brandmarkenden Vorwurf der Bürokratie nicht zurückgeschleudert hätte?
Zweierlei geht aus dieser Tatsache hervor.
Die Bürokratie wird bereits von allen europäischen Mächten als eine Macht anerkannt.
Es ist hohe Zeit, dass die Bürokraten ihre Anschauungsweise, ihre Zwecke, ihre Tendenzen vor der ganzen Welt offen darlegen und dem Märchen vom Gespenst der Bürgernähe ein Manifest des Customer care selbst entgegenstellen.
28.09.26 Be Berlin: Customer Care Praxis-Ratgeber Die 10 wichtigsten Regeln zur Kommunikation mit der Verwaltung in Berlin #RulesOfCommunication #VerwaltungBerlin #Bürokratiewegweiser #gesichtspunkteDE
Zu diesem Zweck haben sich Bürokraten der verschiedensten Nationalitäten in Brüssel versammelt und ein Manifest entworfen, in englischer, französischer, deutscher, italienischer, flämischer und dänischer Sprache. Die Landesausgabe Berlin liegt bereits vor. (Abbildung)
Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Zuständigkeitsfragen und Bürgerkämpfen im Ringen um Antworten.
#Verdingslichung_IconBuchbesprechnung – gesichtspunkteDE – #Buchbesprechung #Lesezeichenohnegleichen #MedienspiegelBuchtitel: Der Ritt auf dem Oktopus (Autor: Prinz Rupi) Mikrodramen aus dem echten Leben (VÖ September 2026)
Man weiß nicht genau, bis wohin das Umland Berlins als Speckgürtel reicht. Wien? Leipzig, Dresden, New York City, Casablanca oder Magdeburg? In Deutschland quälen Menschen besondere Sorgen. In seiner Buch-Neuerscheinung Der Ritt auf dem Oktopus nimmt Buchautor Prinz Rupi Mikrodramen unter die Lupe. Hohe Relevanz und deutsche Wirklichkeit 2026 am Beispiel der Bestellung einer Biotonne zeigen, welche Vorgänge sich mühelos aneinanderreihen. Bis die Biotonne dann doch nicht kommt. Ein Survey: Wie zufrieden waren Sie? Aber ganz genau so. Es ist ein vergnügliches Lotterleben im bewohnten Mehrfamilienhaus.
Der Amtsschimmel
Mit »Der Ritt auf dem Oktopus« erscheint rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse das neue Buch von Prinz Rupi. Auf 192 Seiten versammelt der Band groteske Geschichten über jene Momente, in denen der ganz normale Alltag plötzlich die Beherrschung verliert. In »Der Amtsschimmel« genügt der Wunsch nach einer kleineren Biotonne, um einen Strudel aus Passwörtern, Formularen, Eigentümerzustimmungen und Vorgangsnummern auszulösen. Am Ende steht wieder eine große Tonne vor der Tür – und die Erkenntnis, dass der eigentliche Gegner nicht die Behörde ist, sondern der Vorgang.
Ich wollte eine kleinere Biotonne bestellen. Unsere bisherige fasste hundertzwanzig Liter. Das war für eine große Familie angemessen gewesen, doch inzwischen produzierten wir deutlich weniger Biomüll und stellten Woche für Woche einen nahezu leeren Behälter an die Straße. Ich wollte ihn gegen einen kleineren austauschen. Kleinigkeit, dachte ich. Doch das erwies sich als ein naiver Gedanke.
Auf der Internetseite unseres Entsorgungsbetriebs fand ich unter »Bürgerservice«, »Abfallwirtschaft« und »Behältermanagement« einen Link mit der vielversprechenden Überschrift: »Tonnengröße ändern – einfach online.« Wie praktisch, dachte ich. Wozu gibt es das Internet, wenn nicht, um lästige Behördengänge mit wenigen Klicks zu erledigen? »Willkommen im digitalen Bürgerportal«, stand dort. »Wir machen Verwaltung einfach.«
Zunächst musste ich eine Reihe von Cookies akzeptieren und siebenunddreißig Seiten Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis nehmen. Ich bestätigte, alles gelesen und verstanden zu haben. Das war gelogen, aber anders kam ich nicht ins System.
Nun sollte ich mich identifizieren. Dazu benötigte ich meinen Personalausweis mit freigeschalteter Onlinefunktion, ein NFC-fähiges Mobiltelefon, die Ausweis-App und meine sechsstellige PIN. Die wusste ich nicht mehr. Unter »PIN vergessen?« erfuhr ich, dass ich eine neue beantragen könne, wozu ich mich identifizieren müsse. Mit einer Super-PIN. Nach längerem Suchen entdeckte ich die Alternative, sie persönlich im Bürgeramt zurücksetzen zu lassen. Allerdings waren für dieses Anliegen keine Termine verfügbar. Man empfahl mir den komfortablen Onlinedienst. Ich begann, die Biotonne mit anderen Augen zu betrachten. War sie doch nicht zu groß? Aber mein Ehrgeiz war geweckt.
Über ein Servicekonto gelangte ich ins Bürgerportal. Das Passwort musste mindestens zwölf Zeichen, Groß- und Kleinbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen enthalten. Ich erfand eines, denn mit Worten kann ich umgehen. Das System nannte es unsicher und lehnte ab. Ergeben ergänzte ich zwei Ausrufezeichen, eine Jahreszahl und ein Wort auf Sanskrit. Nun war es sicher. Ich sollte es zur Sicherheit erneut eingeben. Doch mittlerweile hatte ich es längst wieder vergessen. Nach endlosen Versuchen besaß ich ein Bürgerkonto und gelangte zum eigentlichen Antrag. Dort wurde gefragt, ob ich Eigentümer, Mieter, Pächter, Erbbauberechtigter, Hausverwalter, Verfügungsberechtigter oder »sonstiger Nutzungsberechtigter im Sinne der Abfallsatzung« sei. Ich war Eigentümer. Das erschien mir unkompliziert. Das System verlangte die Grundstücksnummer, die Adresse genügte nicht. Ergo suchte ich im Grundbuch nach Gemarkung, Flur und Flurstück und hantierte mit Zahlen, die offenbar seit Friedrich dem Großen darauf gewartet hatten, bei der Verkleinerung einer Biotonne wieder Bedeutung zu erlangen.
Ergänzend wollte das Portal wissen, warum ich die Tonne verkleinern wolle. Ich wählte aus den vorgegebenen Optionen »Verringerung des Abfallaufkommens«. Darauf erschien die Aufforderung, diese Verringerung zu begründen. Ich schrieb: »Wir haben weniger Biomüll.« Das war dem System zu wenig. Ergeben formulierte ich: »Aufgrund veränderter Lebens- und Ernährungsgewohnheiten ist das in unserem Haushalt regelmäßig anfallende Volumen kompostierbarer organischer Abfälle deutlich zurückgegangen.« Damit war das System zufrieden. Anschließend wollte es wissen, wodurch sich unsere Lebengewohnheiten verändert hätten. Ich schrieb: »Wir essen weniger.« Sofort leuchtete ein Warnhinweis: »Bitte keine gesundheitsbezogenen Angaben!«
Customer care – leicht gemacht. #RulesOfCommunication #VerwaltungBerlin #TTT #Tulipstagram
Das obige Bild wurde uns von der Stadtguerilla (tpa – tulip press agency) zugespielt
Noch kurz vor Redaktionsschluss druckfrisch eingetroffen: Die 10 wichtigsten Regeln zur Kommunikation mit der Verwaltung in Berlin (Handbuch 456. Ausgabe).
Wer den stolzen Kaufpreis in Höhe von 461,- € für den seit 1989 veröffentlichten Band in 456igster Änderungsausgabe (Stichtag 30.11.23) nicht berappen möchte, kann auf der Website berlin.de die Hilfeseiten besuchen und in ähnlicher Breite, aber mit schlechterer Suchfunktion die neuesten Stände der Hilfedateien (Stichtag 31.07.2004) ansehen, allerdings nicht ohne auf die Gefahr von Aktualisierungsmankos zu stoßen.
2024 bei uns wird besser als der Ruf von Berlin jetzt schon ist. Wir haben vorgesorgt.
Der international renommierte Dokumentarfilmregisseur Raoul Peck beleuchtet den engen Zusammenhang zwischen Rassenhierarchisierung und Völkermorden in der europäischen Geschichte: Ausgehend vom kolonialen Ursprung der Vereinigten Staaten von Amerika zeigt er, wie der Rassenbegriff mitsamt seinen dramatischen Folgen einen institutionellen Status erlangte. – schreibt ARTE TV (Link unten)
Um Einordnung bemüht: Dieser Vierteiler handelt vom Vierteilen von Menschen in vielen Jahrhunderten der Menschheitsgeschichte (#offtopic #fernsehgernsehtipp) – Unbedingt ansehen, es lässt einen nochmal über Tellerränder schauen und die Spezies Mensch „besser“ einordnen, sehr beeindruckend, filmisch gut, Wording spitze. #gesterngesehen
Der Schrecken hat längst einen großen Namen, das weiß man ja. Es ist zweifelsohne Deutschlands dunkelste Dauernacht, die in jenen Jahren 1933 bis zum Mai 1945 wütete. Dann kam der Bolschewik und machte eine vermutlich gerechtere Nachkriegsordnung bereit, im Potsdamer Zusammmenwirken mit England, Frankreich und den Vereinigten Emiraten von Amerika. Diese enthielt rückblickend betrachtet Besserungs- und Demutzeiten für den Großkotz Deutschland und ging dann in ein wiedervereinigtes, besseres Deutschland über.
Nur dass jetzt schimmlige Sporen drüber wachsen, mittlerweile, das macht einem Sorge. Wenn Menschen heute blaue Fahnen wählen, eine fragwürdige „Alternative“, die ewiggestriges, beängstigendes Gedankengut abbildet, als wären wir nicht längst schlauer, gebildeter, gewiefter. Jede neue Generation sagt ja immer, früher war eben nichts besser, erst jetzt ist alles gut wie es ist. Und das ist neu: der beißende Konservatismus, die Rückwärtsgewandtheit, der Hass gegenüber Anderen, ein Glauben an Sonderrechte bestimmter (eigener) Ethnien, gedacht von „Stupid White Men“ – Man denkt, wenn man nachdenklich ist, in Deutschland 2022: So issus, Missus. So wenig aus der Vergangenheit gelernt haben wir doch noch nie. Man denkt so: Zuweilen.
In diese Zeit JETZT fallen ambitionierte Geschichtenerzähler, die nicht aufhören Geschichten von früher zu erzählen. Es ist gut so. Noch lang nicht gut genug, es reicht nicht, es müsste mehr erzählt werden. Wir haben die DDR-Geschichte verdrängt, Jüngere wissen nichts davon. Den Nationalsozialismus verdrängt. Heute darf jeder relativieren, weiß es eben nicht besser. JETZT Protestmärsche und es Spaziergänge bezeichnen. Heften sich welche gelbe Sterne an die Kleidung, schreiben „Ungeimpft“ drauf. Jana aus Kassel wird berühmt, weil sie sich fühlt wie Sophie Scholl, früher. Dumme, dumme Jana. Was für ein Sprachdurchfall doch herrscht. Anfang 1942 war Deutschland in Berlin am Großen Wannsee staubtrocken und zielorientiert. Adolf Eichmann erhielt Rückendeckung und Aktualisierung seiner Marschbefehle. Bereits erfolgreich umgesetzte Befehle und Aktionen dienten bereits als Unterfütterung künftiger Großvorhaben, die den Judenmord effektiver vorantreiben. Zuverlässig, gesamtdenkend, auf Erledigung bedacht: 11 Millionen Menschen eine Zielmarke. Dazu gibt es Cognac für die Sitzungsteilnehmer und ein Büfett.
ObACHT: In einem fulminanten Achtteiler ist in der ARTE.TV-Mediatek der Krieg der Träume 1918-1939 abzurufen. Es lohnt. – Krieg der Träume (Clash of Futures) ist die dokumentarische Dramaserie von Jan Peter und Gunnar Dedio (LOOKSfilm) und knüpft an 14 – Tagebücher des Ersten Weltkriegs (2014) an und schildert 13 persönliche Schicksale im Europa der Zwischenkriegszeit. Es handelt sich um eine europäische Ko-Produktion mit internationalen Partnern im Gedenkjahr zum 100. Jahrestag des Endes des Ersten Weltkriegs am 11. November 1918. (aus Wikipedia)
Der I. Weltkrieg ist vorbei, eine Union von sozialistischen Sowjetrepubliken in Entstehung, in Compiègne (Frankreich) werden Verhandlungen im Wald geführt, die nicht Verhandlungen sind. Die halbe Welt ist daran beteiligt, am Ende muss die deutsche Delegation unterschreiben. Sie tun, egal was drin steht. Beteiligte an der als Schmach empfundenen Verhandlung über Reparationen, Einschränkung und Abrüstung Deutschlands werden später als vermeintliche Vaterlandsverräter ermordet. Eine deutschnationale Widerstandsbewegung gegen das Versailler Diktat wird bald mehrheitlich in Deutschland Platz greifen. Einzelne Unterhändler der Sieger plagen ernsthafte Zweifel, ob ein solch vernichtender Vertrag Frieden auf Dauer schaffen kann? Da darf man ja mal Zweifel haben, sagen tut man es nicht.
Podcast-Folge: Wolfgang Joop – Wie füllt man die Leerstellen der Seele? (via Hotel Matze #openspotify) (Ausgabe April 2020)
Wolfgang Joop wohnt im Berliner Speckgürtel, in Potsdam. Mit erstaunlich klaren Worten redet Joop im geneigten Podcast über sein Leben, sein berufliches Schaffen und was noch bemerkenswerter ist: Über die im Grunde nicht zu verhindernde Zukunft der Welt. Diese schafft sich gerade ab. Zwar bleibt Joop klare Schilderungen schuldig, aber da er sie als Bewohner nicht schuldet, mag jeder sich seins denken. Wie die Berliner Band Knorkator früher dichtete, musizierte mit großem Vergnügen. „Wir werden alle sterben, haltet Euch bereit. Die Zeichen sind untrüglich, bald ist es so weit.“
Dem ist nichts hinzuzufügen. Aber nun steht es im Internet.
Der Podcast Hotel Matze enthält immer wieder schöne Gastladungen, Gesprächspartner*innen von größerem Format. Auch wenn der Host Matze Hielscher, wie es in Wikipedia heißt, manchmal die bohrenden Nachfragen vermissen lässt und bei prekären Aussagen seiner Interviewpartner nicht enervierend-nachbohrend auftritt: Man kann den heiligen Standpunkt vertreten, das muss so. Schließlich will der Podcast nicht die Welt verändern, sondern Gästen auf die Schliche kommen. Wie sie ticken, wie sie denken, warum sie so sind, wie wir sie jetzt gerade wahrnehmen. Das gelingt dem Host auf eine angenehm einfühlige, nicht abzustrafende Art und Weise.
Dass der Paketzusteller vor der Tür herumlungert hat man selten.
Wir hören doch häufiger das Gegenteil. Keine Zeit. Zeitdruck, Stress.
Nur beim Deutschen Paketdienst, hören wir heute von einem Zusteller, laufen die Trackingverfahren anders. Hier wird erst zugestellt, wenn Zustellung erfolgen muss. Nun steht er bestimmt schon 10 Minuten vor der Tür und …..wartet. Aber auf was?
Ich öffne die Tür und frage ihn. Geklingelt hat er nicht. „Es ist noch zu früh,“ sagt er. Kein Problem, gib her. „Ja, das geht schon. Aber ich kann den Code noch nicht scannen.“ „Wieso?“ „Das ist so bei uns: Wir haben einen Trackinglauf, bestehend aus allen Einzelzustellungen der Tour. Die Tour wird berechnet und es wird ausgerechnet, wann welches Paket dran ist. Wenn das Paket noch nicht dran sein kann, ist es noch nicht abzugeben. „Dann muss ich warten,“ sagt er, „das ist nur beim Deutschen Paketdienst so.“
Ich murmle was von „Dann seid Ihr also digitale Sklaven, ja?“ und er hat es gehört.
Er nickt mit dem Kopf. Und piep…jetzt ist es so weit: Das Paket kann jetzt gescannt werden, läuft.
Übergabe, schönes Wochenende gewünscht.
Bedauern ausgedrückt. Dafür hat allerdings Amazon mitgeteilt, dass die neue Handyhülle zugestellt ist. Das stimmt aber nicht. Da ist es umgekehrt. Erst ist die Mitteilung über die erfolgte Zustellung da. Die Ware wird morgen eintreffen, heute sind die Paketdienste schon durch. Der vom Deutschen Paketdienst hat etwas anderes geliefert. Wir bestellen zu viel online und kaufen unterwegs zu wenig ein.
#Glück #Lachs #Fisch #Bär (Sinnbild)#Korrekturhilfe zu #schriftlich
Im Armageddon des Berufs steht die Wohngebäudeversicherung in schriftlicher Form in einem Protokoll. Ich lasse die Korrekturhilfe des Programms über den Wortlaut streifen, um Fehler auszusondern, zu überprüfen, ob, was ich schreibe sinnvoll ist. Allerdings lasse ich mich ablenken. Alle Broiler gehen mit mir durch. Während ich prüfe, inwieweit Neuverhandlung mit der Wohngebäudeversicherung sinnvoll ist, lese ich von Schiiten, die schiffbrüchig sind. Schiitische Schiffbrüchige (im Mittelmeer), Frau Rackete unterwegs, auf hoher See Menschen aufnehmen, die zu ertrinken drohen. In welchem Heimathafen Frau Rackete die Lande-, Lade-, Löscherlaubnis für ihre Fracht erhält, ist in Teamabsprachen nicht gedeckt, bedauert auch Heiko Maas. Das machen wir nächstes Jahr. Gluck gluck. Lügenpresse, Lügenpresse.
Apropos Gluckgluck: Altbundespräsident Gauck (79) hat dieser Tage vor der Ostseeküste (Berliner Speckgürtel) im kalten Boddengewässer das Kentern seiner Bemühungen festgestellt. Die Seenotrettung hat ihn wieder hochgezogen. Hier liegt die Verwegenheit im rauen Wetter der Gedanken, selbst wer Gauck mag. Niemand kann ihm jetzt noch das Wasser reichen, soviel ist klar. Verkneifen kann sich niemand Gedankengänge, die nicht in Indien am Ende des Gedanken-Ganges geboren. Es ist dieser eine Satz, der die absurde Gesamtsituation vollkommen begreiflich macht:
„Im Moment verhandelt eine Konferenz der baltischen Staaten darüber, wer das Schiff der Seenotrettung mit dem gekenterten Altbundespräsidenten aufzunehmen gedenkt.“ Gescheiter Gedanke, der alte Bunderpräsident wohlauf, nicht gescheitert in schäumender Gischt im windumspülten Bodden. Denn dass die Aida im Hafen von Rostock-Warnemünde mit großem Trara auslief, lautstark, halbstark und zu groß für ein Micro-Meer wie die Ostsee, war nicht vom Bodden betroffen. Geschützte Offenseekante.
Ich muss noch das Protokoll zu Ende geschrieben haben werden. Mein Cocktail: Plusquam perfekt mit einem Schuss Futur II. Nicht Futur III.