60-09 – Ein Messie im Haus verändert seine Umwelt zum Teil dramatisch

Trauerkerze

Zitat Verurteile niemanden, bevor du in seiner Lage warst.“ (aus dem Talmud)

Heute ein Anruf aus Berlin-Wilmersdorf

Der Messie aus Xyz-Str. Hausnummer 11, Herr Wichtel (* Name geändert) sammelt (schon) wieder Papier, z.B. Wahlplakate, die er anderswo entwendet hat, diesmal im Keller, in den Gängen. Er hat Dokumentationseifer. Manchen Tags sieht er sich auch als Opfer einer politischen Verschwörung. Vor ein paar Jahren fing er auch an, Fahrräder zu sammeln und überall auf dem Hof und in den zu kleinen Fahrrad-Abstellkellern abzustellen. Wenige davon waren betriebsbereit.

In seiner Wohnung sammelt er vornehmlich Zeitungen, Dokumente der Zeitgeschichte. Wie ein berühmter Song der Band Extrabreit den Polizisten zuschreibt: „Polizisten speichern, was sie wissen, heimlich ein. Alles kann ja irgendwann und irgendwo mal wichtig sein.“ Nein, es sind nicht die Polizisten, es sind die Messies. Sie haben eine große Sammelwut und horten, was sie für wichtig halten, in ihrer Wohnung. Oder im Treppenhaus, vor der Wohnungstür.  Herr Wichtel beispielsweise hängt auch schon mal Artikel aus der Bildzeitung an seine Wohnungstür und behauptete, Kanzler Schröder sei in einer Intrige gefangen worden. Die anderen im Haus haben es nicht verstanden. Messies sind zumeist äußerst intelligente Menschen (hoher IQ), nur verlieren sie in ihren hochgeistigen Ausflügen in ihre Umwelt dann den Überblick. Den Blick für das Wesentliche. Für das, was andere Menschen gewöhnlich für wesentlich halten. Messies haben große ‚Denkgebiete‘, und ihre Umwelt kann ganz schnell zu ‚Feuchtgebieten‘ verkommen, verlotterte Wohnung, Schimmel an den Wänden, keine Lüftung mehr.

Manchmal kommen Verwalter in solche Wohnungen rein, und vorher hat niemand mal Bescheid gesagt.

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59-09 – Nicht jeder Diktator will auch die Welt beherrschen. Alltag: Instandhaltungspraxis

Türschließer (Quelle: wikipedia)
Türschließer (Quelle: wikipedia)

Sie meldet folgendes heute Morgen aus dem „roten Wedding“ (Jargon):

Zitat Betreff der Hauseingangstür. Unsere Hauseingangstür schließt nicht mehr richtig ………TÜRFEDER zu locker. Somit haben seit 3 Tagen zwielichtige Gestalten wieder Zugang zu unseren Fahrrädern! Pro Nacht verschwindet momentan 1 Fahrrad. Meins und Frau Schmidts (*) mussten schon daran glauben. Bitte einen Fachmann beordern. Es ist vielleicht auch nur eine Frage der Zeit, bis dann auch noch der erste Wohnungseinbruch getätigt werden kann. Mit freundlichen leicht geschädigten Grüßen liebe Grüße Petra Süss (* Name geändert)

Die Antwort der Verwaltung ist informell angelegt und übertrifft den angefragten Bearbeitungsumfang ein bisserl:

Zitat I do my very best immediately, reicht Ihrer Meinung aus, die Hauswartungsfirma mit der Neueinstellung zu beauftragen? Oder soll ein professioneller Schlosserdienst (teurer) kommen? By the way: Wussten Sie, wie man eine solche „Feder“ nennt? Sie heißt -ohne Scherz-: Diktator. Was sagen Sie?“ 

Das ist manchmal so, muss aber nicht so sein. Jedenfalls war es heut so. Aus einer gutgelaunten Grundstimmung heraus. Muss ja irgendwie auch Spaß machen.

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58-09 – Mord als Anfechtungsgrund: Wenn ein Wohngrundstück einfach unerträglich wird

Historie

Sie hatten das Grundstück in Berlin-Dahlem (Ortsteil von Zehlendorf) erst vor kurzem erworben. Darüber wird heutzutage eine Geschichte erzählt. Und die geht so:

Sie hatten das Grundstück gerade erworben, das mit einem Einfamilien-Reihenhaus bebaut war. Und sie fühlten sich nicht wohl dort. So richtig erklären konnten sie sich das nicht. Als die Handwerker das Objekt in einen bezugsfertigen Zustand bringen sollten, fragte einer der Handwerker -irgendwie dummdreist- nach: „Sach ma, wat willst du denn hier in die Mörderbude?“ Und sie fragt nach, fragt, wieso Mörderbude? Na, sagt er, hier sei doch vor längerer Zeit die Frau Soundso umjebracht worden. Ach so, sagt die Erwerberin, das hätte sie aber nicht gewusst. Ist ja auch egal. Der Mord ist geschehen, Vergangenheit.

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57-09 – Der BGH entscheidet: Miete ist auch dann zu zahlen, wenn öffentlich-rechtliche Bauvorschriften die Wohnnutzung nicht zulassen

Bundesadler
Bundesadler

Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 16.09.2009, Az VIII ZR 275/08:

ZitatMieter müssen für Teile der Wohnung, die laut Vertrag vermietet sind, auch dann Miete zahlen, wenn diese nach öffentlich- rechtlichen Bauvorschriften gar nicht für die Wohnnutzung zugelassen sind.“

Zwei vorherige Rechtszüge:
AG München – Urteil vom 12. März 2008 – 414 C 28869/07
LG München I – Urteil vom 8. Oktober 2008 – 14 S 5934/08

Im Mietvertrag war eine Wohnfläche von 129,40 m²  angegeben. Zu der angemieteten Wohnung gehörten unter anderem Räume im Dachgeschoss. Die Mieter waren der Meinung, dass diese Räume wegen Verstoßes gegen öffentlich- rechtliche Bauvorschriften nicht zum Wohnen geeignet und daher nach der anzuwenden Wohnflächenverordnung bei der Berechnung der Wohnfläche nicht zu berücksichtigen seien. Die Wohnfläche betrage danach tatsächlich nur 108,60 qm. Daher verlangten die Mieter für die Jahre 2004 bis 2007 die Rückzahlung der wegen der geringeren Wohnfläche zu viel bezahlten Miete in Höhe von 3.537,96 €.

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56-09 – Bundesgerichtshof V ZR 158/07 vom 11. April 2008 bejaht Anspruch auf Anbringung Wärmedämmung

Rechtliches

Es gibt ein Thema, das offenbar mehr Menschen auf den Nägeln brennt, als nur dem bloggenden Verwalter namens Bloggwart. Die Frage der Zulässigkeit einer Überbauung eines zum Nachbarn hin zeigenden Giebels, weil Vollwärmeschutz geplant und sinnvoll ist. gesichtspunkte.de hatte hierüber verschiedentlich berichtet. Während zwar die Besucherzahlen dieser Website erfreulich ansteigen, halten sich die Leser als öffentlich erkennbare Kommentatoren eher zurück. Eher als in Form von Kommentaren, die öffentlich nachlesbar sind, wenden sie sich separat und individuell an den Berichterstatter. Ablehnende Feedbacks gibt es nicht. Jeder der sich bemüßigt fühlt, etwas zu sagen, tut es in zustimmender, anerkennender Weise. Die Leute fragen sich, wie gerecht Deutschland eigentlich sein muss, in dieser doch eindeutig lückenhaft geregelten Frage wechselseitiger Zustimmungserfordernisse bei beabsichtigten Wärmedämmmaßnahmen. Der hier und heute dargestellte Fall weicht allerdings etwas ab: es geht nicht um eine im Alleineigentum stehende Grenzwand (Giebelwand), sondern um eine gemeinsame mit einem Nachbarn, wovon der eine von zwei Nachbarn Wärmedämmung beabsichtigt.

Das Thema ist schon sehr erschöpfend behandelt worden (siehe ‚Weiterführende Links‘ unten). Zwei Petitionen waren unterwegs und sind im Ergebnis abschlägig beschieden worden. Der Bloggwart nannte insbesondere die zweite Petitionsantwort des Berliner Abgeordnetenhauses eine solche, die höchst abwägend, maßgeblich vollkommen gerecht und von allen Seiten beleuchtend ausfiel. Man könnte eine derartige Stellungnahme auch die eines ‚Reichsbedenkenträgers‘ nennen: ein solcher wägt die zur Verfügung stehenden rechtlichen Argumente in einer solchen Ausführlichkeit ab, dass am Ende das eigentliche Ziel nicht mehr erkennbar ist. Es sind aber andere Zeiten jetzt: Der Benutzer Reichsbedenkenträger ist bei Wikipedia jedenfalls inaktiv. Begreifen wir also als ein untrügliches Zeichen der Zeiten, dass das bedenkenlose Vorbringen von unberechtigten Bedenken auf Dauer keinen Sinn hat.

Das Ziel ist so einfach wie bestechend: Die Bevölkerung soll wertvolle Ressourcen einsparen (Wärme, Abwärme, CO2-Ausstoss) und die Umwelt auf eine Weise schonen, die dem ‚Stand der heutigen Technik‘ darstellt.

Dass das hiergegen gerichtete Abwehren von Begehrlichkeiten aus Teilen der (denkenden) Bevölkerung in Form einer Stellungnahme des Petitionsausschusses rabulistisch ausfällt, darf indessen nicht behauptet werden. Denn Rabulistik ist nach erst kürzlich gewachsener Kenntnis (des Bloggwarts) in der Juristik eine eher unlauter geführte Auseinandersetzungsart. Andere werden dies sicher längst wissen, indem sie diese Art der Auseinandersetzung gezielt ins Feld führen.

Jedenfalls meldet sich heute wieder ein weiterer Betroffener, wohl Grundstückseigentümer in Berlin und auch Nachbar eines anderen. Es gibt sogar Nachbarn, die sind Grundstückseigentümer! Er zeigt sich sehr gut informiert. Man vermutet, er ist Rechtsanwalt, er sagt, das ist er nicht. Er sei auch nicht Politiker.

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55-09 – Aus dem Begehungsprotokoll: Shit happens – und ein Quantum Glück (a quantum of luck)

Begehungsprotokoll
Begehungsprotokoll

HundekackeAus dem Begehungsprotokoll vom 15.09.09, Berlin-Wilmersdorf, nichtöffentlicher Teil des Protokolls, Auszug: Shit happens. Immer wieder Hundehaufen von marodierenden Vierbeinern mit gewissenlosen Zweibeinern entdeckt. Während der Begehung sind die Wohnungseigentümer ins Gespräch vertieft. Einer läuft rückwärts, droht hineinzutreten. Da versperren zwei andere den „Zutritt“ zum Hundehaufen. Zivilcourage muss man haben.

Hundehaufen - Shit happens (iPhone Fotos)
Hundehaufen – Shit happens (iPhone Fotos)

Weiterführende Links

54-09 – Linktipp: SPIEGEL Journalist Leinemann schreibt über seine Krebskrankheit

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Der Spiegel-Journalist Jürgen Leinemann schreibt in seinem Buch „Das Leben ist der Ernstfall“ (Hoffmann & Campe, Erscheinung: 17.09.2009, 240 Seiten)

Zitat Die Würde des Menschen ist unantastbar? Wie sollte ich das denn einklagen, wenn ich unfähig war, einen klaren Satz zu artikulieren?“

Der gesamte Vorabauszug aus dem Buch erschien im SPIEGEL 36.2009 und kann hier als pdf-Druck zum Lesen downgeloadet werden.

Der jetzige „Wahl-Berliner“ Leinemann ist ein kluger Kopf und ein alter SPIEGEL-Recke. Seine scharfsichtigen Reportagen, Essays und Artikel haben des Öfteren einen Ruck durch Deutschland gehen lassen.

Bleibt, ihm noch ein langes Leben zu wünschen, ohne größere Maledeien.

53-09 – Surveys: Die Meinung gezielt abfragen…und nerven – gesichtspunkte.de verleiht Award from the wood

Award from the wood - Award aus dem Wald
Award from the wood - Award aus dem Wald
Wasser (Quelle: BWB)
Wasser (Quelle: BWB)

Wenn Du ein Problem hast, kannst du dich an jemanden wenden, der das Problem eventuell lösen kann. Beispielsweise kannst du die Berliner Wasserbetriebe anschreiben und behaupten, die verwendeten Wasserzähler sind zu groß dimensioniert. Die müssen das dann prüfen. Ob was dran ist, an deiner Aussage? gesichtspunkte.de hatte darüber hier berichtet.

Oder dein Internetprovider hat eine Platin-Hotline für Geschäftskunden. Da ruft man an und klärt ein Problem. Und dann ist das Problem eventuell gelöst.

Oder bei t-mobile, o2 oder vodafone. Überall gibt es jetzt Callcenter, die Probleme telefonisch auflösen (sollen). Und hinterher gibt es „die Rache“. Diese „Rache“ nennt man survey, lt. Wikipedia u.a. mit folgender Definition: „Eine umfassende Formulierung des Begriffs könnte lauten: a Survey is a more or less systematic search for relevant data of a specific field.“

Heute ruft einer an vom Marktforschungsinstitut „Immok“ (* Name geändert) aus Hannover (* Stadt nicht verändert).  Es ist 11:51 Uhr.

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