1860-15 – Nachruf: Henning Mankell (* 3.2.1948; † 5.10.2015)

Trauerkerze

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„Ich respektiere Menschen, die an ein Leben nach dem Tod glauben. Aber ich verstehe sie nicht. Mir kommt die Religion wie eine Entschuldigung dafür vor, dass man die Grundbedingungen des Lebens nicht akzeptiert. Hier und Jetzt, mehr ist es nicht. Darin liegt auch das Einzigartige unseres Lebens, das Wunderbare.“ – Henning Mankell – aus seinem Buch „Treibsand“ (* 3.2.1948; † 5.10.2015)

Der Tag nach diesem Nachruf, ich verfasse nachträglich noch folgende Erklärung. Denn das sei kein Nachruf, sagt sie zu mir, als sie das Zitat liest. Ein Zitat ist es. Ich sage: „Ja,  stimmt.“ Für einen Nachruf meinerseits hat es nicht gereicht. Es ist eher Ehrbezeugung und Respekt. Den Wallander habe ich gern gesehen, im Fernich, ja, und irgendwie auch Kult. Dahinter steckte Henning Mankell. Das wußte ich. Sie aber hat seine Bücher verschlungen im Dutzend. Ich nicht.

Ich habe nie ein Buch von ihm gelesen. Ich bin bis auf Ausnahmen und Ausnahmezeiten (Urlaub beispielsweise) keiner, der sonderlich viel liest. Ich schreibe lieber. Durchaus ansehnlich viel. Das hätte ich mit ihm gemein. Meine Blogstatistik weist erfrischend viel weniger Leser auf, als er Bücher verkauft hat. Er ist ein literarischer Gigant. Ich bin sein literarisches Pendant. Nein, ich weiß, er war ein Guter seines Fachs. Das ist, was ich mit diesem Nachruf ihm zu Ehren zu rubrizieren weiß. Ich weiß, in einem Blog hat jedes Kind seinen Namen. In diesem Blog heißen Trauerkerzen wie diese und nur dann zünde ich sie an: Wenn jemand verstorben ist, nenne ich es Nachruf. Gleich wie viel ich über ihn noch hinterher ratsche. So ist es was es ist: Ein ehrendes Gedenken meinerseits.

1859-15 – Nachruf: Hellmuth Karasek (* 4. Januar 1934; † 29. September 2015 in Hamburg)

Trauerkerze

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An Karasek kam der Literaturbetrieb schon lange nicht mehr vorbei. Legendär seine Wortwechsel mit dem legendären Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki (†93) im „Literarischen Quartett“. Reich-Ranicki ging dabei mit der Streitaxt vor, Karasek mit feinsinnigem Humor. Stets umsäuselte ein Lächeln seine Mundwinkel, der Schalk blickte ihm bis zuletzt aus den Augen. (Bild-Zeitung, hier)

Marcel Reich-Ranicki war der Literaturpapst.

Hellmuth Karasek war nach dem Tod des Literaturkritikers Nummer Eins der Literaturkritikerersatzpapst. MRR schätze ihn sehr: Hellmuth Karasek gehöre zur Spezies der wenigen, wichtigen Literaturkritiker, der für Leser schriebe, nicht für Journalistenkollegen. Und so waren seine Texte: Zu Herzen gehend, klug, leise, intelligent, nachdenklich, nie verschroben, abwegig oder von einem Elfenbeinturm angehäuften Exklusivwissens aus. Er war ein Stoßzahn im Auftrag der lesenden Büchergilde, deutschlandweit.

Karasek war so gesehen eben gerade nicht Papst. Nicht wirklich. Wenn Deutschland auch versuchte, Lücken zu füllen.

In Wahrheit war Hellmuth Karasek kein Ersatz für Marcel Reich-Ranicki. Beide waren auf ihre Art und Weise unvergleichlich. MRR war laut, aufbrausend, eloquent und ein ganz großer Entertainer (lt. Harald Schmidt). MRR wollte auch Schulmeister sein. HK war leiser, eine Spur intellektueller. Seiner Kritik hörte man lieber zu. Denn an MRR rieben sich die Geister. Karasek war gediegener, am Ende hanseatischer. Mit Bravour verriss er so weltweite Erfolgsbücher wie den Ikea-Katalog. Ein Machwerk des trivialen, bösen Kommerz. In der Liste der gestorbenen, hoch anständigen, vorbildlichen  Deutschen, in der Hellmuth Karasek gelistet ist, ist 2015 einiges schon passiert. HK: Danke für alles! Du wirst fehlen. Definitiv.

1858-15 – Positionen: Der Schrei aus der Stille der Nacht

Das schreit nach einer Lösung!

Alltag

Das schreit nach einer Lösung!
Das schreit nach einer Lösung!

Guten Tag, Herr Maier-Vorfelder, (* Name geändert)
es gibt Trouble mit dem Mieter Ihrer Wohnung (Name unbekannt). Dieser macht regelmäßig seit Wochen Krach. Er schreit regelmäßig gegen 2 – 4 Uhr nachts über längeren Zeitraum. Was andere Leute im Haus über diesen Mieter sagen, geht mich nichts an. Aber eine Art „Verbot zu schreien“ dürfte mietvertragl. erfolgreich abgemahnt werden können. Bitte informieren Sie mich kurz, eventuell überlegen Sie doch mal einen angekündigten Besuch bei dem Mieter? Sich mal ein Bild machen, ob der Mann ein ernsthaftes Problem, von dem wir nichts ahnen. Informieren Sie mich? #Tagespost

1856-15 – Positionen: Warum Helge Schneider der „Held des Tages“ ist #fff

#fff - 100% fremdenfeindfrei (by gesichtspunkte.de)

Gif

Erst hat die Deutsche Presse Agentur dpa gemeldet, Helge Schneider sei dazwischen gegangen, als ein Penner von welchen belästigt wurde. Inzwischen entschuldigen sich die Zeitungen und verweisen auf Fehler: Das sei kein Penner gewesen, das sei ein Perser gewesen. Wir wissen vom Hörensagen, dass manche Menschen hier keinen Unterschied machen. Für sie ist alles minderwertig, was nicht von deutschem Boden kam.

Jedenfalls ist Helge Schneider mein unumwundener Held des Tages und diejenigen, die ihn verprügelt haben, werde ich noch mit Fäustlingen zu Boden strecken. Obiges entstand während meines Vorbereitungstrainings vor Publikum. Danke, Helge. Du Held.

Weblotse

1855-15 – Lied des Tages: Arschloch – Und warum Haltung nicht verhandelbar ist

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Die Goldies – Schrei nach Liebe (Die Ärzte, Cover)

Veröffentlicht am 09.09.2015
Die Goldies
aufgenommen live und ohne Overdubs am 09.09.2015
im Plug&Play-Studio, Geldern.
Rebecca Könen – Chorleitung
Jan Gerighausen – Bass/Recording/Mix
Marcel Grothues – Gitarre
www.die-goldies.de

Die grantigen Grachteln sind auf dem Vormarsch. Viele von uns erinnern sich noch gern an den Song „My Generation“ (The Who) und dass ein paar durchgeknallte englische Rentner eine Version davon videotisch aufnahmen. Hier sind nun die Goldies, und es darf vielleicht als Remake dieser Ursprungsidee angesehen werden. Was einem zu Herzen geht, ist der generationenübergreifende Vertrag und der zum Ausdruck kommende Schrei nach Gerechtigkeit. Arschloch. Daumen hoch.

Und bitte mehr Seniorenhäuser wie diese: Deutschland braucht Haltung.

1853-15 – Foto des Tages: Gif-Dateien waren einige Zeit aus der Mode gekommen, gibt es einen Trend zurück zum gif?

Icon fotowelt

Fotowelt!

Kaffee.am.Morgen

Themen-Zusammenfassung: Es geht um bewegte Bilder in Zeiten des Internets, die Kulturwerkstatt in der Danckelmannstr. 9b, Charlottenburg, den Berliner Autoren Marcus Kluge, Lummerland und den Musiker als Kassenzahnarzt, der im Hinterhof Chartstürmer schreibt…

Mit gif-Dateien lassen sich banale, leichte Dinge sagen.

Nicht überall funktionieren sie noch: Auf facebook bspw. sind sie nur auf Umwegen gut. Man bindet sie über fremde Websites ein.

So lässt sich „Guten Morgen“ sagen oder -wie einige gern als Plattitüde von sich geben: „Erstmal nen Käffchen“. Und dann wird der Tag schon irgendwie anfangen.

Diese gif-Datei hier oben sagt es auf eine schöne Art und Weise.

Und diese hier? Erinnert uns an große Musiker.

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1852-15 – Positionen: Die Eichamtsprozessionsspinner, das neue Meldewesen für eichartige Geräte und die Zukunft Europas

Positionen

Warnhinweis Eichenprozessionsspinner
Warnhinweis Eichenprozessionsspinner

Geräteart Wasserzähler
Hersteller Wehrle / Messwerk
Typbezeichnung APK + UPK
Jahr der Kennzeichnung 2015
Messgeräteliste vorhanden ja
Anzeigepflicht nach § 32 Mess- und Eichgesetz (MessEG) – Bestätigung

(Email an Hausverwaltung)

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir bestätigen Ihnen, dass Sie, wie vom Gesetzgeber gefordert, die Verwendung eines neuen bzw. erneuerten Messgerätes / Messgeräteart nach § 32 Abs. 1 Abs. 2 MessEG*) angezeigt haben.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
die Eichbehörden der Länder

Fundstellen der Rechtsvorschriften:
*) Gesetz über das Inverkehrbringen und die Bereitstellung von Messgeräten auf dem Markt, ihre Verwendung und Eichung sowie über Fertigpackungen (Mess- und Eichgesetz – MessEG) vom 25.07.2013 (BGBl. I S. 2722)

Schöne, neue Welt! – Wir merken schon: Der Eichamtsprozessionsspinner dräut wieder. Wobei es dieses Wort erst seit gerade eben gibt. Google wird es verbreiten. Gegenmaßnahmen? Weit gefehlt, hier gibt es nichts entgegen zu setzen. Die Sache ist beschlossen und wird daher für richtig gehalten, europaweit.

Noch ist der Batterientausch am Zeiteichgerät (Uhr) nicht anzeigepflichtig.

1851-15 – Nachruf: Egon Karl-Heinz Bahr (* 18. März 1922 in Treffurt; † 20. August 2015), Urgestein der SPD

Nachrufe

Trauerkerze

170px-Bundesarchiv_B_145_Bild-F055062-0011A,_Köln,_SPD-Parteitag,_Bahr

Viele hielten Egon Bahr für einen Politiker. Mehr als das war er,  vielleicht Architekt, so sagt man. Er gilt unter der  Dienstherrschaft seines Dienstherrn Willy Brand als „Architekt eines ganz neuen deutsch-deutschen Umgangs“. Mit dem Wandel durch Annäherung hat summa summarum Egon Bahr (wie Willy Brandt, dessen Kniefall in Warschau symbolhaft war) mehr für die deutsche Einheit getan, als jeder rechte Falke. Eine Einordnung in die deutsche Geschichte ist beschlossene Sache.

Er konnte Geheimnisse hüten, wenn es erforderlich war. Zutiefst aufrichtig, aber auch verschlagen vertraulich und der Sache gegenüber stets dienstbeflissen. Heute verfassen wir einem der letzten echten Sozialdemokraten einen Nachruf. Allerdings weniger einen beruflichen aus journalistischem Auftrag. Sondern aus freiem Herzen. Es gibt ja nur noch wenige von den alten Sozialdemokraten. Welche, die in der Tradition der Partei stehen, so wie Willy Brandt einer war. Helmut Schmidt wird uns bald fehlen, wie kaum ein anderer.

Sozialdemokraten, an die wir uns gern zurückerinnern und an ihr Werk. Egon Bahr war so einer. Einer, der über Parteigrenzen hinaus hoch geschätzt war bei Freund wie Feind. Das liegt daran, dass er die Welt bewegt hat, im großen wie im kleinen, er war ein Strippenzieher, hat nie Aufhebens gemacht um sich selbst und um seine Selbstdarstellung, immer ganz nahe dran an der Sache selbst.

Egon Bahr war vielleicht der Emissär seines Herrn, seines jeweiligen Dienstherrn. Und wurde steinalt. In einem gesegneten Alter von 93 Jahren zu sterben, das kann auch heißen: Aufgaben erfüllt, wegtreten. Danke, Egon Bahr, Du helles Licht der Demokratie. Mir wirst Du fehlen, ich denke immer gern an Dich.

Dafür diese kurze Kerze. Mein virtuelles Bekenntnis zu Egon Bahr.

Berufene Nachrufe hier wie da wie dort, waren auch zu lesen.