Es ist Alltag. Irgendwo in Deutschland ist das erste Mal seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland ein Bundespräsident zurückgetreten. In einer abstrusen Parallelwelt namens facebook gründete sich gerade eine Gruppe mit dem Titel: „Seit Jörg Kachelmann im Knast sitzt, ist das Wetter schlecht“ – Teilnehmer dieser Gruppe sind überwiegend Frauen. Wer hätte das gedacht?
Ja, man kann die moderne Office-Software der Welt gar nicht genug loben. Sie besitzt einen ausreichenden Wortschatz und, was noch wichtiger ist, immer eine gute Alternative zum Vorhandenen.
Dies laut Gedachte hier geht nur telefonisch, verbietet sich aber per Email:
„Was haben wir nur für eine verrückte Zeit, in der die bekanntesten Wetterfrösche Deutschlands wegen des Verdachts einer Vergewaltigung vorübergehend als Söhne Mannheims inhaftiert werden, aber ein nachts angebrachtes Graffito bis kurz vor zwölf niemand der Hausverwaltung meldet? Ist die deutsche Nation schockgefroren oder paralysiert? (Telefonat Verwaltungsbeirat Nachbaraufgang, Verwalter – es ist „kurz vor zwölf! – im besten Sinne des Wortes!)
Die Erkenntnis des Tages ist schnell zusammengefasst. Deutschland wird heute in die Zeit „vor“ und „nach Kachelmann“ eingeteilt. Und die Frage, wer es mit wem tut, in diesem Fall per Email, in die Zeit der „älteren“ und der „jüngeren“ Generationen, sowie einen gesicherten Mix aus all diesen Ingredienzien.
Die Emailkorrespondenz belegt: die klare Linie, der rote Faden, scheint abhanden gekommen zu sein. Zwischen den Korrespondenzpartnern werden nun Emails mit dem Ziel der Neuorientierung auf alte Werte ausgetauscht. Wertkonservativ sieht das aus.
Sie schämen mich langsam an. Sie schicken mir eine Mahnung für Juli und August. Das habe ich alles bezahlt, kann es auch belegen. Keine Ahnung, in welcher Bananenrepublik sie Buchhaltung studiert haben. Schauen Sie gefälligst nach, wo die Zahlen stehen.
Mieter Ungenannt
(Quelle: anonym)
Der Brief wurde übrigens nicht an uns geschrieben!
„Wer lechz und lings velwechselt, ist selbel Schuld!
Im Land des Lächelns hat eine freundliche Gesichtsmimik (auch ein Gesichtspunkt) eine besondere Bedeutung. In einem wichtigen Beitrag, der auf einer Partner-Website dieses Blogs erschienen ist („Sind Japaner verrückt? – Antwort hier), versuchte Dennis Gastmann vom NDR der Frage nachzugehen, wie man in Asien sein Gesicht wahrt, bzw. es nicht verliert. Dass Dennis Gastmann die Frage aufgeklärt habe, ob alle Australier Verbrecher sind, haben wir selbst nicht gesehen. Keine Zeit. Die Einstellung, das Gesicht stets zu wahren, trifft tief in die Kultur von Asien und hat Bedeutung für Menschen, die in Berlin und Umgebung -aber auch in Zehlendolf– arbeiten.
Schlau allerdings: Das China-Restaurant Tai-Pann. Es lässt Zettel austragen. Drei von vier Briefkästen am Haus sind derzeit mit „schickem, geschmackvollen“, braunen Paketband zugeklebt. Die (ehemaligen) Bewohner möchten keine Post mehr. Man sieht das in „ätzend braun“ jeden Tag. Was sie sich dabei nur gedacht haben? Ein anderes Thema. Lücksichtslosigkeit.