Fr.. Juni 19th, 2026

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    Melanie – Ruby Tuesday 1975

    Sagen Sie mal, haben Sie noch Shit? Meiner ist alle. – Das kommt mir nicht in die Tüte. (Nachbarn-Türgespräch)

    Oder Olivenöl: So kann es laufen. Auch brauner bzw. weißer Zucker oder frische Eier. Aus Bodenhaltung, bitte, nur aus Bodenhaltung. Sonst nicht.

    Oder wie in Kreuzberg vor kurzem. Als die Nachbarin anfing, der Studentin Suzi Q. das Leben zur Hölle zu machen. Suzi, die mit ihren Kommilitonen immer so laut rummacht. Bis nachts um drei. Das Lauschprotokoll an den Vermieter ist eindeutig. Uhrzeit, Gegenstand der Beschwerde: Aber fällt das ab 25. Mai 2018 endlich weg? Weil doch die Europäer jetzt eine Datenschutz-Grundverordnung haben und man Daten von Dritten nicht ohne deren Einwilligung übermitteln darf? Wir berichteten.

    Der Fall von Ruby Tuesday, die immer am Mittwoch mit Sven Biene (* beide Namen geändert) rumsummte. Wie sich deren Leben in Berlin-Wilmersdorf las? Lest.

    Ausriss aus der Nachbarschaftsbeschwerde gegen Ruby Tuesday in Berlin-Wilmersdorf
    Ausriss aus der Nachbarschaftsbeschwerde gegen Ruby Tuesday in Berlin-Wilmersdorf


    Herwig Mitteregger – Rudi (1983)

    Hör mal Rudi, hör mal
    Lass es sein!
    Du redest wieder wirres Zeug
    Haust hier Dinger raus
    Die holst du doch im Leben selber nicht mehr ein
    Hör mal Rudi, hör mal
    Lass es sein!

    Hör mal Rudi, hör mal
    Wo willst du hin?
    Ich komm da grade her
    Wasserloses Land
    Schau lieber auf das Meer
    Weisst du, wenn du so wie ich
    Von ganz weit oben kommst
    Dann weisst du Alles
    Aber glauben kannst du gar nichts mehr
    Hör mal Rudi, nimms nicht schwer!

    Hör auf mit dem Theater
    Hör auf mit dem Protest
    Du hast ne Krise
    Du weisst nicht was du besser lässt
    Hör mal Rudi, hör mal
    Lass es sein!

    Besser du fährst Auto
    Und ein Anderer lenkt
    (Hy sweetheart)

    Da kam mal einer an und sagte:
    Alter bist du nicht
    Ich sagte: Nein

    Hör mal Rudi, hör mal
    Lass es sein!

    Hast du deinen Schrott schon Schreibern vorgespielt?
    Wahrscheinlich finden sie es funky
    Obwohl das gar nicht funky ist
    Riesig, Alter riesig
    Deine Zeilen sind ein Hieb
    Wo kaufst du dein Papier?
    (Appreciate your smile)

    Guck dir Fritz an
    Einer aus den Fifties
    War früher selber Nierentisch
    Fährt den ganzen Tag lang Fahrrad
    Weil das so schön langsam ist
    Mokant die Äusserung, mokant
    (Appreciate your smile)

    Oder Suse
    Die ist wie alle schwanger
    Wie Karnickel geht das los
    Sitzt monatelang zu Hause
    Und hofft es wird ein Sohn

    Hör mal Rudi, hör mal
    Lass es sein!

    Du haust hier Dinger raus
    Die holst du doch im Leben
    Selber
    Nicht mehr ein
    (Appreciate your smile)

    Da kam mal einer an und sagte:
    Alter bist du nicht
    Ich sagte: Nein

    Besser du fährst Auto
    Und ein andrer lenkt

    Und noch was Rudi, hör mal
    Lass es sein mit der Gitarre
    Lass es sein!

    (Rudi, Text: Herwig Rudi Mitteregger, 1983)

    So ein Verlaufsprotokoll wie das von Ruby Tuesday und Sven Biene vom vergangenen Mittwoch, beim Vermieter zugegangen am Freitag: Wie Karnickel geht das los.

    Ruby liest es und fragt sich: Stimmts? War das so? Oder waren wir gar nicht zuhause? Habe ich gedankenlos in die Geschehnisse gelebt? Wie war das in diesem Film: „Das Leben der Anderen“. Saß Frau Schniederpelz, die Nachbarin, in Wirklichkeit eins drüber auf dem Wäscheboden? Mit Richtfunktechnik?

    Warum summt Sven immer so laut rum? Das war die Taktik damals, dieses Drüberweg-Summen über die wesentlichen Gesprächsfetzen, die nämlich niemand was angingen. Und was sie sonst noch so gemacht hatten, im Sommer, da im Berliner Altbautrakt in Wilma’s Dorf. „Willllmmmaaaa“ rief er immer, Barney Gerölleimer.

    Gut, das war 2014.

    In unserer beruflichen Welt kommt so etwas tatsächlich häufig vor. Dass sich dann so Fronten verhärten. Es gibt Verhaltenskodexe und Empfehlungen, wie man sich in solchen Fällen verhalten soll. Eins davon ist, den Beschwerdeführer zur Protokollführung zu veranlassen. Aber Hand aufs Herz: Was lesen wir da?

    Das ist doch Wahnsinn. Oder wie Wolle Petry sang: Hölle, Hölle, Hölle.

    Da kannst du doch eigentlich nur ausziehen. Und sei es wegen der ignoranten Hausverwaltung oder zu furchtbaren Nachbarn.

    So wie die Familie Flodder. Oder noch schlimmer.

    Die Hausverwaltung hat das alles gründlich durchdacht. Die Sache hat doch jetzt eine bestechend einfache Wendung genommen. Dieses ganze, irgendwie auch nicht ganz so schöne über Nachbarn beschweren. Das ist doch eine Sache, in erster Linie zwischen zwei Parteien. Nachbar 1 und Nachbar 2, nicht wahr? Und dass da jetzt aber, gleichsam Pädagogen oder Psychologen ähnlich, Vermieter, Hausverwalter oder „Onkelogen“ (Onkels, denen man eine Geschichte von sozialbitterer Connotation erzählen darf)  hinzuziehen sollen dürfte, damit ist ab dem 25.05.2018 endgültig Schluss. Die Europäische Datenschutz-Grundverordnung tritt in Kraft. Wir formen schon den Musterbrief für derartige Fälle.

    Sehr geehrte Beschwerdeführerin, Ihre dezidierten Datenübermittlungen zum Verhalten Ihrer Nachbarn mit Schreiben vom 00.00.00 haben wir erhalten. Nach Maßgabe der seit 25.05. anzuwendenden europäischen Gesetze liegt hier ein Fall von Datenübermittlung vor, der vor Datenübermittlung einer ausdrücklichen Genehmigung durch Ihren Nachbarn bedarf. Bitte reichen Sie uns binnen sieben Tagen die schriftliche Einwilligungserklärung Ihres Nachbarn ein, damit wir uns um die Sache kümmern können. Bis dahin bitten wir, dem direkten gutbarschaftlichen Gespräch mit Ihren Nachbarn über Aspekte deren Verhaltens, die sich mit Ihrer Datenlage schlecht in Übereinstimmung bringen lassen, den Vorzug zu geben. Bis bald. Mit freundlichen Grüßen, Ihre Hausverwaltung.

    Gedicht zeigen, Gesicht zeigen, Ly-La-Lyrik: Lasst uns ein Wunder sein. Judith Holofernes finde ich, wird immer wichtiger, aber das ist nur meine persönliche Meinung und dafür kann ich nichts. Zitat, was folgt:

    Die Wespe

    Ich mag ja wirklich jedes Tier,
    außer vielleicht dieses hier.
    Dieses Brummen, das Gesirre
    macht mich irre, macht mir kirre.

    Flirrig fliegt der Wesp umher,
    man weiß gar nicht, was will denn der.
    So schnell kann doch keiner gucken,
    wie die hin und weg sich ducken.

    Dieses Zucken, dieses Rucken
    macht dass mir die Finger jucken.
    Mir macht nur die Wespe Spaß,
    die man fängt in einem Glas.

    Ob es an den Farben liegt?
    Ich mag das Tier nicht, das da fliegt.
    Nein, ich mag die Wespe nicht.
    Die Wespe sticht, die Wespe sticht!

    Ach die Wespen, Ach, die Wespen,
    uns pesten, wollen uns testen.
    Hetzen uns durchs Eiscafé,
    Ach ihr Stich tut wirklich weh.

    Was macht die Wespe im Gefüge,
    macht‘ es was wenn man sie schlüge?
    Ach, ich mag die Wespe nicht,
    ich glaub das Tier ist nicht ganz dicht.

    Bleiben sie im Honig kleben,
    ham‘ sie nicht mehr lang‘ zu leben;
    Klebt sie in der Marmelade
    schlägt der Flügel lahmer, schade!

    Schneidet Löcher in den Schinken
    will dann unsere Cola trinken.
    Pinkelt in den Obstsalat,
    geht dann wenn der Ober naht.

    Will nur essen und nicht zahlen,
    wäscht den Teller nicht, den kahlen
    Und wenn sie nach Hause fliegt,
    nimmt sie mehr mit, als sie wiegt.

    Wenn sie sich am Brot verheben,
    musst du ihnen nichts vergeben.
    Sitz‘ daneben, freu‘ dich stille,
    es ist der Wespe eigener Wille.

    Fliegen sie dir in die Tasse?
    Könntest retten – nö, Ach, lasse!
    Komm schon, sag’s ihr ins Gesicht:
    „Nein, ich mag dich Wespe nicht!“

    Ob das an den Farben liegt?
    Ich mag das Tier nicht, das da fliegt.
    Nein, ich mag die Wespe nicht.
    Die Wespe sticht die Wespe.

    Danke, Judith Holofernes, fürs Veröffentlichen. Wir haben den Text hier gerendert. Danke für die Folge 3 von Sing meinen Song, das war groß.

    Danke, Ruby und Sven, fürs Veröffentlichen der obigen Schwülstigkeiten, wir haben den Nachbarn hier gegendert.

    Mal sehen, was sich ändert?

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    Von Bloggwart

    Ich schreibe. Ich arbeite. Ich lebe.

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