1430/11: Linktipp: Von der Idee, seinen Hund zu verspeisen – puh, please „No rats, no cats, no dogs“ (Aufstand der Tiere)

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Ich finde die Worte nicht, Zitat: „Ich bin wahrhaftig kein Messias, spreche mich auch nicht grundsätzlich gegen das Töten von Tieren aus, aber in Bezug auf meine Entscheidung zum Verzicht auf Fleisch und Fisch bin ich überzeugt, das Richtige zu tun – weil ich die grausamen Produktionsmethoden, mit denen Fleisch unter anderem in Deutschland und Europa erzeugt wird, nicht mehr unterstützen möchte. Rund 98 Prozent der in der Bundesrepublik zum Verzehr gehaltenen Tiere stammen aus Massentierhaltungsbetrieben. Rund 98 Prozent der in der Bundesrepublik zum Verzehr gehaltenen Tiere stammen aus Massentierhaltungsbetrieben.“ (schreibt Anne Remy in der WELT online, Link unten)

Natürlich ist es albern, jetzt noch die Welt retten zu wollen. Nur weil es gerade alle tun. By the way: Dazu ist es entweder zu spät, oder auch irgendwie aussichtslos. Allerdings hat das Tim Bendzko wirklich erfolgreich begonnen. Dies ist sein Aphorismus für eine bessere Welt. Erst noch schnell die Mails checken. Wie oft sich die Welt retten lässt, das ist ein noch nicht näher untersuchtes Feld. Fangen wir beispielsweise mal mit dem alltäglichen Fleischkonsum in der Wohlstandswelt an. In klaren, lesbaren Sätzen hat die Autorin Anne Remy ihre Argumente gegen den routinierten Fleischkonsum mit einer Hilfe einer industriellen, erschreckend effizienten KonsumgüterTötungsindustrie zusammengestellt, deutlich wird: Es gibt eine Art fleischloses Gewissen. Ausgangspunkt ihres Artikels ist ein Quälgeist, journalistisch „der Teaser“: „Dieses Jahr serviert meine Mutter ein besonders knuspriges Weihnachtsmahl: Unser Hund kommt in die Pfanne.“ Sozusagen: „Ich muss nur noch schnell den Hund essen!“

 

Hund Oskar

Essen in Vietnam ist abenteuerlich, nicht nur wegen der Erkenntnis, dass frisches Fleisch und wahre Frische etwas mit Töten zu tun haben. Tatsächlich schmeckt die vietnamesische Küche in Restaurants in Vietnam oft noch viel besser und meist ganz anders als in Deutschland. (Autorin Brenda Strohmeier, über Vietnam, Link unten)

Was für immer mehr Menschen als „fleischloses Gewissen“ daherkommt, ist für wieder andere eine Art emotionsloses Sitzkissen. Offenbar fördert Fleisch die Behäbigkeit, Gleichgültigkeit und Gewissenlosigkeit Tieren gegenüber. „Da hab ich mir noch keine Gedanken drüber gemacht“, sagen sie. Richtig ist: Es gab diesen massiven Fleischkonsum – sie schreibt, in einem Leben isst der Durchschnittsdeutsche rund 1.094 Landtiere- früher nicht und Fleisch galt früher als erlesene Köstlichkeit, als Ausnahme von der Regel.

Auf einen halbwegs konzentrierten Punkt gebracht, steht daher der Fleischkonsum für vieles in der bundesdeutschen Überflussgesellschaft. In der werden uns die Verlockungen eines vollkommen konventionslosen Lebens versprochen und Genuss, solange wir uns diesen leisten können. Dabei ist die einzige Schnittkante allerdings da, wo es an die Grenzen der Kaufkraft geht. Wer sich Fleisch (noch immer) nicht täglich leisten kann, gilt als Armutsvegetarier aus wirtschaftlicher Not. Falsch: Weniger Fleisch essen ist gesund! Fleisch besitzt fälschlicherweise eine hohe gesellschaftliche Reputation, Fleischkonsum ist gesellschaftlich in hohem Maße anerkannt. Das ist aber oberflächlich, halbseiden und verlogen, kommt die Autorin -offenbar 22 Jahre alt- zum Schluss und sie sagt:

Ich hätte gerne, habe aber kein Argument gefunden, mit dem ich den Verzehr von Tieren aus Massentierhaltung rechtfertigen kann. Sogar Mediziner und Ernährungswissenschaftler haben mir nicht von einer vegetarischen Ernährung abgeraten. Meiner Meinung nach ist auch das köstlichste Stück Fleisch kein Argument für effiziente Tierfabriken, die verheerende Folgen verursachen. (Anne Remy, WELT online, Link unten)

Und sie spricht aus, was mehr und mehr Menschen denken: vermutlich wird das ein „neues Weltgewissen“. So wie bisher kann es doch nicht endlos weitergehen. Die alles durchdringende, industrielle Struktur der deutschen Wirtschaft, Effizienzstreben und Produktionszuwächse, die jedes Jahr immer noch weiter ansteigen, schaffen letztendlich sich selbst irgendwann einmal ab. Die Weltbevölkerung ist jetzt über sieben Milliarden groß, von mindestens zwei weiteren Spezies haben wir uns weltweit „Parallel-Weltbevölkerungen“ im industriellen Komplex erarbeitet: Von Tieren zu Land, die wir aufessen in rauen Mengen. Und von Fischen, wobei wir dort inzwischen die Weltmeere nahezu leergefischt haben und deshalb Parallelsklaven in Aquakulturen haben. Nur: Von Fachleuten wird heute schon nachgerechnet, dass sogar ein mehr als 10-jähriger Fangstopp auf den Weltmeeren den bedrohten Fischbestand nicht ernstlich wieder gesunden lassen würde. Dazu sind die Lebenszyklen von vielen bedrohten Fischarten, wie etwa dem Thunfisch, um nur ein Beispiel zu nennen, viel zu „vieljährig“.

Die junge Vietnamesin, die uns Touristen über einen Markt führt, behauptet ebenfalls, sie sei Vegetarierin. Wobei sie auf Nachfrage erklärt, was sie damit meint: „No rats, no cats, no dogs.“ (Autorin Brenda Strohmeier, über Vietnam, Link unten)

Nein, das ganze System ist so pervers wie verfehlt und weltweit haben die Menschen eigentlich kaum noch Handlungsalternativen, als ihre Ernährung wieder auf ein gesundes Maß von Fleisch- und Fischkonsum zurückzuführen, uns selbst zuliebe. Als Kompromiss zwischen dem (verständlichen) Ansinnen, gerne noch Fisch und ab und zu ein „edles Stück“ Fleisch zu verspeisen würde eine weltweite Ernährungsumstellung zum „Flexitarier“ bzw. Wochentagsvegetarier -zumindest in den Wohlstandsländern- schon helfen. Die Sache ist so einfach wie bestechend: Wenn rechnerisch nur noch zwei von sieben Siebentel Fleisch- bzw. Fischverzehr erfolgt, ist die Folge davon eine konsequente Zurückfuhr von Überkapazitäten im industriellen Komplex und die Rückbesinnung auf rücksichtsvollen, global verkraftbaren Fleisch- bzw. Fischkonsum. Eine wirkliche Weltentspannung wäre die Folge.

„Die Ratten sind voll Biokost aus dem Reisfeld. Und schwer zu fangen“, sagt ein Führer aus Saigon, der so ein Tier schon mal gegessen hat – knusprig gebraten mit Zitronengras, Chili und Sesam: „Ganz lecker.“ Hasen isst er dagegen nicht -„weil die so lieb aussehen“. (Autorin Brenda Strohmeier, über Vietnam, Link unten)

Aber wieso ist das so? Eine Kuh, die du gestreichelt hast, ist für die Landwirtschaft verdorben, heißt es. Richtig: Bloß keine emotionalen Bindungen aufbauen. Es ist zum Heulen. Dass wir in Teile der Tiere dieser Erde liebenswürdige Dinge hineininterpretieren. „101 Dalmatiner“ ansehen oder „Ein Schwein namens Babe“ und gleichzeitig auffressen, was aufzufressen uns von Fleischereifachgeschäften angeboten wird. Nicht ohne Grund stirbt der klassische Fleischereibetrieb seit langem einen ganz gemächlichen, schlicht nicht mehr zu übersehenden Heldentod. Supermärkte machen Fleischereien überflüssig und alles, was uns „aus deutschen Land“ einst frisch auf den Tisch kam, kommt heute cellophanverschweißt, aber nicht selten als „enthülltes Gammelfleisch“ in den Kochtopf.

In George Orwells Parabel „Farm der Tiere“ ergreifen die Tiere auf dem Bauernhof die Macht und verjagen ihren Peiniger, den Bauern, vom Hofe. Fortan führt ein strenges Regiment von Schweinen die Macht und nicht umsonst heißt der Anführer Napoleon. Er mutiert vom Gemeinschwein zur Sau, versinnbildlicht die Übernahme der Herrschaft durch eine ganz neue Herrenklasse: das Regiment der Schweine. Hätte George Orwell, visionär wie er war, die Entwicklungen der Massentierhaltung auch nur annähernd vorausgesehen, man möchte vermuten, er hätte die Parabel erzähltief weiter gesponnen. Nicht die Schweine hätten sich die Übrigen auf dem Bauernhof Untertan gemacht. Nein, sie hätten sie gemeuchelt, geschlachtet, in mundgroße Stücke filetiert und verspeist. So weit voraus konnte George Orwell nicht sehen. Unter den Umständen seiner Zeit (um 1945, Ende des Krieges) war es ethisch noch vertretbar, zum Zwecke der Nahrungsergänzung Tiere zu halten, sie zu schlachten und zu feierlichen Anlässen zu essen. Erst später mutierte die Weltbevölkerung und schuf sich Schattenarmeen bedauernswerter Lebewesen, die ihnen fortan als Parallelfuttermittel zur industriellen Aufbereitung dienen sollten. Ein absurder Gedanke, aus damaliger Sicht.


Animal Farm – Der Aufstand der Tiere, Die Farm der Tiere – auf deutsch, kompletter Film (via Youtube)

Die beiden Artikel auf WELT online habe ich aus eigener Überzeugung gern verlinkt. Feedback gern in den Kommentaren, aber -bitte, Leute- werft nicht mit Speck bzw. Hühnerknochen, die Sache ist ernst. Das Thema kommt einem nur auf den ersten Blick „kopflastig“ und „intellektgesteuert“ vor, seine Auflösung ist denkbar einfach: Esst einfach nur am Wochenende Fleisch und Fisch aus „fairem“ Einkauf, das ist gesund und hilft, die Welt zu retten.

(Mit herzlichem Dank an Anne Remy, WELT Online, Ausgabe vom 28.11.11)

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(EP)

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