Erfahrungen der Amis: die kommunikationsfreie Zeit….

Schöpferische Momente

Har har har, die Rechtsanwältin und Notarin Katja MK (* Name tut nichts zur Sache) sitzt in Berlin-Dahlem und hat einen Briefbogen, dessen Aufdruck silbern mit Prägedruck daherkommt. Verwalter haben mit Notaren viel zu tun, vor allem, wenn Wohnungsverkäufe anstehen und die Verwalterzustimmung zu erteilen ist. Frau MK (*) rufe ich soeben an, um ihr noch zu sagen, dass die Zustimmung bei uns liegt. Wir hätten noch gern eine vollstreckbare Ausfertigung des Kaufvertrages, denn dass dieser irische Käufer diese Wohnung gekauft hat, rechtfertigt auch dessen durchsetzbare Wohngeldzahlungsverpflichtung. Dann gebe es die Zustimmung auflagenfrei, fertig notariell beglaubigt und alles ist hübsch. Über diesen Anruf meinerseits möchte ich dem interessierten Leser doch berichten…..wer hätte das gedacht?

Doch der Anrufbeantworter geht ran: es ist 09:54 Uhr, also vormittags am Dienstag. Und nun begründet uns die Notarin dies im Anrufbeantworter-Singsang wie folgt: ‚Guten Tag, nach amerikanischen Vorbild führen wir nun dienstags in der Zeit zwischen 09 und 11 Uhr eine kommunikationsfreie Zeit ein. In dieser Zeit kommunizieren wir auch bürointern nicht, um unsere Akten in Ruhe bearbeiten zu können.‘

Ich schließe die Augen und stelle mir das bildlich vor: es herrscht das ‚Schweigen der (Büro-)Lämmer‘. Alle sind verschwiegen, blicken nur selten von den Akten auf, ein verstohlener Blick, aber nur ja kein Geräusch machen. Die anderen nicht stören. Ommmmhhhhh…. – Schon lustig. Aber im Ernst: Nun wissen wir, dass auch wir dem amerikanischen Geschäftsmodell folgen, wonach es gute Zeiten der Palaverns, des miteinander Redens, des in Kontakt geratens gibt, und eben auch solche, in denen ich nicht erreichbar sein darf. Ich muss schweigen, zur Ruhe kommen, meditieren, brüten und Visionen haben. ‚Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen!‘, sagte einst Helmut Schmidt, aber der wird jetzt 90. Zwischenzeitlich haben sich die Zeiten geändert. Visionen haben ist erlaubt, sogar erwünscht, die Werbebranche tut Kunde davon tun…. Wir haben welche, und gehen doch nicht zum Arzt. Es ist gut und es ist sachgerecht, nicht immer nur erreichbar zu sein. Dass das ein amerikanisches Geschäftsmodell ist, höre ich heute auf dem AB der Dame zum ersten Mal. Eine echte Bildungslücke, und lauter Vorurteile gegen Amerika, denn Amerika erschien uns immer als das dienstleistungsfreundlichste Land der Welt, mit Geschäftszeiten, rund um die Uhr, Service-Hotlines and what so ever. Wir werden dieser Aussage bei Gelegenheit mal nachsteigen, ob sie stimmt.

Eins ist aber klar: Die Frau hat unbedingt Recht. Sie weiß Bescheid.

feuchte, kalte Wände

Feuchte, kalte Wände und Decken