Von Verträgen und dem Wandel der Zeiten

Ob Müll oder Gas, Heizöl oder Versicherung: Auf allen Märkten versuchen irgendwelche Konzerne Preise zu bilden, diese zu berechnen, sie regelmäßig zu erhöhen und inflationär hochzutreiben. Aus ist es mit der Ruhe im Verwalterbüro. Es herrschen wilde Zeiten. Zwei Beispiele – Recycling Papier und Gas– haben wir nachfolgend mal angesprochen.

Kürzlich schreibt uns ein Kunde und teilt uns die Daten einer Firma mit, die im Bereich des Papier Recycling sensationell gute Konditionen anbiete. Recycling war in Berlin lange Zeit eine Domäne der öffentlich rechtlichen Eigenbetriebe. Die Entwicklung auf dem Papiermarkt veranlasste die Berliner Stadtreinigungsbetriebe, kurz  BSR, in 2000 zur Ausgründung einer besonderen Tochterfirma, der Berliner Recycling GmbH, kurz BRS.

Lautete doch der Slogan der orangefarbenen Müllmänner nicht unlustig ‚We kehr for You. Endlich mal eine Imagekampagne mit Pfiff und Kultcharakter. Die Papierentsorgung ist inzwischen offenbar ein heiß umkämpfter Markt geworden. Zu den Unternehmensgeheimnissen der BRS gehört es, wie sie sich refinanziert. Vermutlich in einer gewissen Übereinstimmung mit ähnlich arbeitenden Unternehmen aber auch aus dem Verkauf, also der Verwertung von Altpapier.

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We kehr for You

We kehr for you - (Quelle: BSR online)

Private Müllfirmen geben inzwischen offen zu, dass der Abverkauf von gebrauchtem Papier ein lukratives Geschäft ist. Das veranlasse diese Firmen, die Refinanzierung nur mit sehr viel geringeren Entsorgungsgebühren für den Kunden zu ermöglichen. Das hört sich fair an und ausgewogen. Man teilt sich mit dem Kunden das Geschäft. Und dies obwohl wir das modische Kunstwort ‚FAIRTRADE‘ nur aus dem Bio-Supermarkt um die Ecke kennen, oder von LIDL, denn  FAIRTRADE steht für Tomaten- und Orangensaft und Kaffeebohnen von weniger ausgebeuteten Bauern und glücklichen, frei umherlaufenden Hochlandindianern (keine Käfighaltung?) in Costa Rica. So jedenfalls die Vorstellung.

Apropos Recycling, orangefarbene Müllmänner: In diesen Zeiten wird nichts so hart berichtet in den Medien, wie die Entwicklung der Verbraucherpreise für Energiekosten (Gas, Heizöl, Kohle u.v.a.). Die GASAG schlug im Juli mit der Ankündigung zu, für den Tarif AKTIV wolle sie nun 16% Erhöhung beanspruchen.

Beides, die Entwicklung der Papierkosten (Recycling) -drastisch nach unten- wie auch die Entwicklung der Gaspreise -drastisch nach oben- haben uns in diesem Jahr ständig veranlasst, auf die Preise zu schielen. Denn obwohl Verwaltung sich oft als Re-Aktion, als Reagieren auf nicht zu verhindernde Vorkommnisse beschreibt, ändert sich doch der Anspruch an diesen Beruf des Häuser Verwaltens. Gefragt ist zunehmend Aktion, also das Agieren, nach vorneweg, nicht mehr hinterher. Man stelle sich den neumodischen Hausverwalter immer mehr als einen unerbittlichen Betriebskosten-Controller vor, der sich auch dafür neue, moderne Softwehren (Schreibfehler beabsichtigt) anschafft. Ähnlich wie der Börsenguru oder der Kurse-Junkie (Stichwort: Blackberry, das Glück, jederzeit online sein zu dürfen) mutieren nun auch grau gekleidete Hausverwalter zu Chart-Lesern. Auf dem Arbeitsplatz steht nicht mehr die Kaffeetasse und die Kugelkopfmaschine (IBM, Modell 80iger Jahre), sondern ein Großbild-TFT-Bildschirm, auf dem auf schwarzem Hintergrund die Charts frohlocken. Wie hat sich das Gas entwickelt, über die letzten vierzehn Monate? Geht der Trend zur Zweit-Hausmülltonne? Hat die Verwendung von Biogas in der Zentralheizung eine Chance oder müssen die Heizölpreise durch gezielte Vorauskäufe käuferseitig günstig beeinflusst werden?  Wie viel Prozentpunkte hat das Versicherungsgewerbe nachgelassen? Werden Elementarschäden wie Tsunamis und Hochwasser oder Hurrikanes sich auch im märkischen Urstromtal um Berlin herum ungünstig auswirken und gesonderte Prämien rechtfertigen?

All dies inzwischen elementare Fragen, die das Gegenteil von Kurzweiligkeit im Arbeitsalltag verheißen. Auf diese Fragen kommt es zunehmend an. Und wer seine Tätigkeit gegenüber seinen Kunden als gut und wirkungsvoll verkaufen will, muss auf diese Fragen auch nachvollziehbare Antworten geben können. Wir arbeiten dran! Doch ‚filosofisch‘ betrachtet, kann man auch warnen vor dieser Entwicklung. Schlichtweg romantisch nimmt sich die Vorstellung aus, ein jeder habe seine Vertragspartner, und dies seit vielen Jahren. Und gewachsene Freundschaften….aber das scheint ein ganz, ganz anderes Thema zu sein. Die heutige Zeit ist gänzlich anders.

Jede schlecht überlegte Wechselaktion birgt auch Risiken. Unterm Strich verschiebt sich der nächste Preiskampf eventuell auf Monate, aber in 12 Monaten schon, spätestens dann, gelten meine heutigen Lebenserfahrungen nicht mehr. Dann hat auch mein inzwischen ein Jahr alter (neuer) Vertragspartner bereits den Versuch unternommen, an einer unverabredeten Preisschraube zu drehen. In 12 Monaten muss ich wieder ganz doll aufpassen, sonst bin ich gerade zufällig im Urlaub und schon ist wieder ein Schreiben gekommen, auf das ich nicht fristgerecht widersprochen habe. Wir werden es sehen.

Bei der GASAG, um dies nur noch einmal ausdrücklich hervorzuheben, ist der Gedanke, Kunden zu binden, inzwischen wie folgt aufgegriffen worden, und das ist uns tatsächlich passiert:

– Im Juli will sie +16%. Das finden wir schlecht. Wir widersprechen schriftlich.

– Im August schreibt sie uns dann, nö, also wenn wir das nicht wollten, würden sie das aber nicht akzeptieren. Im Ergebnis müssten sie uns daher von dem Tarif AKTIV in den Tarif KOMFORT umgruppieren. Übrigens: Wer denkt sich eigentlich immer diese blödsinnigen Tarifnahmen aus? Wir rechnen nach, das macht dann 20% plus. Wir haben doch aber schon gegen 16% widersprochen.

Ein dreistes Verhalten. Wir reagieren: nun ist die GASAG aus dem betreffenden Haus mit Wirkung zum 30.09. weg. Wir haben gekündigt. Zackbumm. Und die Welt, die dreht sich weiter…