Abwegig: Vermietung aus Rache ist ein niedriger Beweggrund

 Nachbarn, Nachbarn - Geschichten aus dem Alltag

Über einen Rachefeldzug eines Apothekers in Berlin schreibt Jochen Hoff aus Berlin-Wilmersdorf

Zitat Der miese Apotheker hat dann am schwarzen Brett seines Hauses einen Zettel angebracht, auf dem er nicht nur behauptete der Mieter habe seine Wohnung so schwer verwohnt, das größere Reparaturen notwendig sei, sondern er machte seine Rache auch noch vollkommen, in dem er den Namen des Mieters mit allen Vor- und Nachnamen noch einmal laut verkünden musste. Ein Arschloch-Apotheker halt.“ (Jochen Hoff, die ganze Geschichte hier)

Und was die Geschichte doch deutlich macht: Es geht um den Gesichtspunkt Rache im Verhältnis eines Vermieters zu seinem auf Abwegen wandelnden Mieter. Rache, weil einer die Miete nicht gezahlt hat, und Rache, weil das alles jetzt so lange gedauert hat, bis der Mieter „ordnungsgemäß verknackt“ war, bis der Gerichtsvollzieher die Räumung durchführen konnte. Aber die Umgebung des Apothekers ist irgendwie zivil ungehorsam. Denn was er sich geleistet hat, wertet seine Umwelt als „kackebraun“ und will ihn dementsprechend lackieren. Das sieht nach zivilem Ungehorsam aus. Dass man Menschen nicht an den Pranger stellen kann, in dem man sie in einem Hausaushang solcher Dinge bezichtigt, und das mit voller Namensnennung.  Jochen Hoff hat ein paar Vorschläge parat, über die man nachdenken kann, und deswegen empfiehlt es sich auch, den Artikel von Jochen Hoff zu lesen. Auch wenn wir hier und da anderer Meinung sind. Auslöser aber ist der Gesichtspunkt „Rache“ im Umgang von Menschen miteinander, die sich im Umfeld von Haus- und Grundstücksverwaltung zoffen.

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Website-Statistik Juli 2009 – Erfreuliche Entwicklungen bei gesichtspunkte.de

Prognosen

Die Website gesichtspunkte.de wird von den Lesern weltweit gut angenommen und kann über erfreuliche Leserzahlen berichten. Die Auswertung von Besucherzahlen war zuletzt für den Monat März berichtet worden. Wir hatten angekündigt, von Zeit zu Zeit nochmals auf diese internen Dinge zurück zu kommen. Im Monat Juli (Urlaubsmonat, und daher überraschend) wurde gesichtspunkte.de von 34.399 so genannten Unique Visits (einmalige, nicht wiederkehrende Besucher) aufgesucht. Die Zahl der page impressions (angeklickte Seiten) lag bei 87.830.

Diese Verdoppelung der Besucherzahlen ist jedoch mit Vorsicht zu bewerten. Es muss sich herausstellen, ob die Website relevanter, bzw. bekannter geworden ist, weil es gelang, einen die Allgemeinheit interessierenden, kontinuierlichen Themenmix zu finden? Es liegt durchaus im Bereich des Möglichen, dass nur einzelne, besondere Themen, über die gesichtspunkte.de berichtete, die Allgemeinheit so interessiert haben. Das große Interesse der Leser führte zu Eigendynamik und zu noch mehr Berichterstattung über bestimmte Themen, während manche Themen wieder herausgenommen wurden, weil mit der Berichterstattung über sie Probleme hätten entstehen können. Wichtig war es uns, die Zielsetzung dieser Website nicht mit abweichenden Themen zu „verwässern“, für die im Grunde genommen andere Websites weit geeigneter wären. Ganz sicher gehören diejenigen Menschen, über die wir am genauesten hier berichtet haben, zu den eifrigsten Lesern der Website gesichtspunkte.de. Gerade das war aber eventuell eher unerwünscht. Denn die Berichterstattung von gesichtspunkte.de erfolgt oft aus einer kritischen Distanz und war um Aufklärung, Benennung, gezielte Beschreibung  bemüht. Augen öffnen.

Wir müssen daher im Rahmen unserer weiteren Arbeit herausfinden, ob wir den Nerv unserer Leser auf eine ansprechende Weise finden. Alles in allem bedanken wir uns bei den Lesern für das überaus große Interesse. Wenn du Themenvorschläge hast, die unser Berufsfeld treffen und über die wir ebenfalls berichten sollen, bitte gern. Nehmt einfach Kontakt mit uns auf. Wir freuen uns drauf.

Die Website gesichtspunkte.de existiert seit September 2007 und berichtet über Themen aus dem Arbeitsalltag eines Haus- und Grundstücksverwalters in Berlin. Hier bloggt der Verwalter. Die Berichterstattung bleibt kritisch. Versprochen.

Serie: Nachbarn, Nachbarn – Die Wasserwerferin

Nachbarn, Nachbarn - Geschichten aus dem Alltag

Luftbild Corso Italia - (Quelle) Screenshot live.vom
Luftbild Corso Italia – (Quelle) Screenshot live.vom

Zitat Das ist die perfekte Welle, der perfekte Tag, es gibt mehr als Du weißt, es gibt mehr, als Du sagst.“ (Band Juli, Die perfekte Welle)

Schon seit gefühlten hundert Jahren gibt es im Hause Clayallee 327 in 14169 Berlin(Zehlendorf) im Erdgeschoss Gastronomie. Aktuell ist dort das italienische Restaurant Corso Italia der Familie von Aurelio Torrisi mit gutem Erfolg ansässig. Das Restaurant gilt als gutes und es gibt eine große Stammkundschaft, darunter auch bekannte Schauspieler und eine bekannte New Yorker Sängerin, die unweit mit ihren zwei Kindern und Ehemann lebt. Aus Gründen der Diskretion sagen wir nicht ihren Namen.

Jeder Berliner Gastronom kann ein Lied von den Schwierigkeiten singen, die wenigen Gutwetter-Monate des Jahres im Außenbereich gastronomisch erfolgreich zu gestalten. So genannte Schankveranden, Gastro-Terrassen bzw. Außenplätze zum Verzehr von ‚Luft und Liebe‘, Pizza oder auch Vitello Tonnato werden von den Gastronomen dringend benötigt, denn es gilt, die mageren Anfangsmonate des Jahres mit Schnee, Regen, Wind und Wetter durch umsatzstarke Außen-Essplatz-Monate auszugleichen. Wie man sich auch setzt, um an grünem Salat, Tomaten, Sellerie und Knoblauch zu knabbern, so kann ein solcher Verzehr kurzweilig sein. Die Gegend hat nach der Eröffnung der gegenüberliegenden Zehlendorfer Welle unserer Auffassung nach keine Aufwertung erfahren. Denn ursprünglich bestanden die Absicht und das Versprechen der Initiatoren, einen Ausgleich für das zuvor dort ansässige und abgerissene städtische Schwimmbad zu schaffen. An Stelle eines (neuen) Schwimmbads für „breite Schichten der Bevölkerung“ wurde nun aber im Ergebnis eine zehlendorf-innerstädtische Kommerzmeile des ungehemmten Shoppens gebaut. Der sich damit drastisch verändernde Verkehr mit Autos, Autos, Fußgängern, Fußgängern – alle in Richtung Zehlendorfer Welle zum Shopping, wird nur eine schlechte Auswirkung dessen sein. Sie haben zuvor eine „perfekte Welle“ gemacht und nun hat Zehlendorf anstatt bezahlbare, öffentliche Schwimmbadanlagen ein Sammelsurium gewerblicher Shops, Stores, Megastores und -wie in vielen anderen derartigen Malls eben die üblichen Grossisten, wie Saturn, Dm-Drogeriemarkt und dergleichen. Doch bleiben wir gerecht: Eine echte Ausnahme bei dieser Ansammlung von überörtlichen Multis ist die sich wohl gut entwickelnde berufliche Karriere von Claudia Tiefenbach. Und die Familie Tiefenbach ist tatsächlich eine schon sehr lange hier im Zehlendorfer Urschleim ansässige Unternehmerfamilie (Vater war Spediteur, Tochter Claudia macht schon lange „in Mode“ und fiel schon als Zwölfjährige durch besonders sorgsam ausgewählte Kleidung auf). Wer schon in den Siebzigern in Zehlendorf (Süd) lebte, kannte auch den frühen Teenager Claudia Tiefenbach.

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(Neue) Serie: Nachbarn, Nachbarn – Geschichten aus dem Alltag

Nachbarn, Nachbarn - Geschichten aus dem Alltag

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Eine enge Straße ist die Elmshorner Str. in Berlin-Zehlendorf. Dort holen wir die Tochter ab. Sie hat bei ihrer Freundin übernachtet. Es war toll, die Sonne scheint. Das Fahrrad laden wir hinten in das Auto, denn wir wollen noch anderswo hin. Der Vater der Freundin ist Hobbyimker. Die Gegend ist von Ein- bis Zweifamilienhäusern  durchsetzt, Grundstück reiht sich an Grundstück. Hobbyimker? Richtig: Die Bienen fliegen fleißig ein und aus, es wimmelt. Ob man denn da nicht Ärger mit Nachbarn bekomme? Immer dieses Gewimmel. Setz dich mal mit einem Stück Kirschtorte in den Garten. Kein Problem, sagt die Tochter, die Viecher haben eine andere Ausflugschneise, ihre Flugrichtung geht nicht gen hinter dem Haus gelegenen Garten, sondern zur Straße hin. Dort lang ist ein gedachter „highway to hell“, wobei Bienen nichts tun, sie gelten als friedliebende Insekten, die ihren Stachel für die notwendige, letzte lebensrettende Abwehraktion aufsparen. Die Nachbarn, sagt sie, haben kein Problem, es sind alles nette. Gibt es auch, so was.

Wir fahren los in Fahrrichtung. Die Elmshorner Str. ist eine Sackgasse, an ihrem Ende ist ein Wendekreis. Der ist weiter hinten. So weit wollen wir nicht fahren, um zu wenden. Wir suchen uns eine Auffahrt zu einem Grundstück aus, dort schlagen wir nach links ein, um eine Dreipunktwendung zu machen. Alles ist ziemlich eng. Vor dem Haus steht eine alte Frau, sicher über siebzig, mit Kittelschürze und irgendwelchem Gartengerät, langstielig. Sie schaut grimmig, als sie uns sieht. Ich schlage ein und suche den ersten von drei Wendemarken. Die alte Frau bewegt sich -immer wo anders hinschauend- demonstrativ Richtung ihrer Auffahrt. Sie will sich offenbar in den Weg stellen, verhindern, dass wir Punkt eins von dreien ansteuern können. Es gelingt ihr nur schwer, ich bin inzwischen sehr nahe an ihr dran, nun schaut sie hoch und bläkt: ‚Da hinten ist der Wendekreis.‘ Sie meint wohl, wir haben kein Recht, auf die Grundstücksauffahrt, die über den Bürgersteig angeordnet ist, zu fahren. Ist es ihr alleiniges Wegerecht? Ich setze mit dem großen Auto zurück, Richtung Punkt zwei. Sie schimpft und brubbelt irgendwas Ungehöriges. Wir lassen diese bemerkenswerte „grande dame“ zurück mit ihrem Frust und fahren davon.

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