3082/15: Positionen: Redensarten im Wandel der Zeit – Das HB-Männchen, Paris, Stockhiebe und Seichtgeschwätz

Positionen

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Eagles of Death Metal ziehen sich zurück -18.11.2015 18:13 Uhr

Nach dem Angriff bei ihrem Auftritt in der Pariser Konzerthalle Bataclan will die US-Rockband Eagles of Death Metal bis auf Weiteres keine Konzerte mehr spielen. In ihrer ersten Stellungnahme zu den Anschlägen erklärt die Band, sie sei „entsetzt“ und versuche „noch immer, das Geschehene zu verarbeiten“. Angesichts des Terrorismus riefen sie zu „Liebe und Mitgefühl“ auf.

Werbung muss zünden. Auch dieser Spruch geht gar nicht mehr, denn es sind nun andere Zeiten.

Es sind die vielleicht inzwischen ratlosesten aller Zeiten. Rastlos sowieso. Aktionismus.

In Paris werden rund 130 Menschen von Terroristen ermordet. Als die Täter eingekesselt werden, verschanzen sie sich mit Geiseln im Obergeschoss des Bataclan-Musikclubs, die schwere Tür, die Polizei und Attentäter trennt, kann noch eine Weile Widerstand leisten gegen den Zugriff.

Dann macht die Polizei die Tür auf und bildet eine römische Schildkröte und versucht, die zwei Terroristen abzudrängen, um die Geiseln zu retten. Die beiden Terroristen erkennen die Ausweglosigkeit und ziehen die Reißleine. Tage später weiterer Sondereinsatz: Ein blonde Frau, die zu den Terroristen gehört, sprengt sich vor dem Wohnungsfenster in die Luft.

Und wir Europäer? Wir schauen vollkommen fassungslos auf die Geschehnisse und lassen kaum einen Newsticker aus. Die Nachrichten widersprechen sich jede halbe Stunde.

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Was waren das früher für andere, ja bessere Zeiten. Tabakwerbung musste noch keine lebensbedrohlich wirkenden Textzusätze und schwarze Trauerränder tragen. Berühmt war das oft schlechtgelaunte HB-Männchen, dessen einziger Ausweg es war, mal halblang zu machen, Dampf abzulassen und sich eine anzustecken. Der Kernspruch „Wer wird denn gleich in die Luft gehen“ ist heute schlicht nicht mehr verwendbar.

Der Spruch ist verbrannt. Er hat ausgedient.

Er ist nicht mehr lustig.

Auf facebook postet eine junge, namentlich nicht genannte Berlinerin heute eine Statusmeldung.

Ich möchte das nicht. Man darf Krieg nicht mit noch mehr Krieg bekämpfen. (Facebook-Nutzerin) zu einer Pressemeldung:

Konflikte  

33 Tote bei Luftangriffen auf syrische IS-Hochburg Al-Rakka

18.11.2015, 13:40 Uhr

Ein namentlich nicht genannter Kommentator schreibt dazu:

Was wir jetzt wirklich tun sollen? Noch nie waren noch mehr Menschen angesichts ihrer Realität noch ratloser als heute. Dass Du das nicht möchtest, ehrt Dich. Niemand wünscht sich das. Und doch wird es geschehen. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Aber vor allem bidirektional, immer in Wellenform und wenn wir nicht aufpassen, bald wie ein Tsunami, der über die ganze Welt hereinbricht. Ratlosigkeit. Absolute Ratlosigkeit.

Sie hofft, er hat nicht recht.

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Beim Gipfel im türkischen Badeort haben sich Putin und Obama zusammengesetzt und über die weitere Vorgehensweise diskutiert. Inzwischen sucht Putin den Schulterschluss mit den Franzosen und leistet vorsichtig Amtshilfe. Wenn nicht auch noch zusätzlich der syrische Machthaber Assad im Weg stünde. Was tun? – Nein, das ist kein Pulverfass light mehr, diese verfahrene Situation.

Das hofft er auch.

Aber ändern wird das nichts. Es ist zwecklos.

Das ist das Wesentliche: Es herrscht dieser Tage eine tiefe Ratlosigkeit über die angemessene, menschlich vertretbare, ethische Vorgehensweise.

Was die muslimische Welt selbst nicht hin bekommt, das bekommen erst recht nicht die Abgesandten der westlichen Lebensweisheiten hin. Warum nicht die Saudi-Arabier und Katar die Probleme lösen, ist unerfindlich, unverständlich. Gehen doch viele der proklamierten Ziele auf sie zurück – Vorbilder oder Abziehbilder? Nur kurz anlecken und Briefmarke drauf: Es wird schon.  Wer was anderes schreibt, bekommt Stockhiebe.

Wer wird denn gleich in die Luft gehen? – Ja, letztlich werden es wohl viele sein. Aber es hat eine viel schwerwiegende Bedeutung als all dies Seichtgeschwätze.

Traurig. Aber wahr.

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