Der große Spieletest: gesichtspunkte.de hat´s getestet: STALKopoly ist saustark und macht Spaß

Monopoly - Quelle: wikipedia

Monopoly - Quelle: wikipedia

Schon als Kinder haben wir gern Monopoly gespielt: und damit Weichen gestellt. Ziehe eine Ereigniskarte, hopse zur Schloßallee und dann setze drei Runden aus. Kaufe Parkallee, ach, herrlich war´s. Stunden verbrachte die Familie mit diesem beliebten Gesellschaftsspiel. Getreu dem Motto: Haste nüscht, biste nüscht besteht das Ziel darin, andere (Mitspieler) in die Insolvenz zu treiben, ganz so wie im richtigen Leben. Ja, damals wurde bereits der Grundstein fürs berufliche Leben gelegt. Das Spiel hat unbestreitbar eine ganz unglaubliche Nähe zum Alltag im Beruf des Haus- und Grundstücksverwalters, da gibt es kein Vertun.

Vertrauensfrage (quelle: gotthal.de)

Vertrauensfrage (quelle: gotthal.de)

Umso überraschter war die Redaktion von gesichtspunkte.de, als sie als weltweit erste Online-Redaktion ein ganz neues, noch nicht erschienenes Spiel in die Hände bekam. Der Grund dafür liegt wohl darin, dass die Verleger wegen der großen Nähe des Spiels zu Monopoly ihr neu erfundenes Brettspiel STALKopoly noch patentrechtlich überprüfen lassen wollen, um Schadenersatzansprüche zu vermeiden. Unsere Onlineredaktion Spieletest (Chefredakteur: Heribert Harpenkötter) befasste sich ausgiebig mit dem Spiel und hat es kritisch rezensiert. Das uns überlassene Testexemplar mussten wir dem Herausgeber inzwischen wieder zurückgeben. Hier der ausführliche Spieletest.

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Heribert Harpenkötter, Spieletest-Chefredakteur

Heribert Harpenkötter, Spieletest-Chefredakteur

Spieletest-Bericht: STALKopoly – Von Heribert Harpenkötter

Zitat Monopoly (englisch für Monopol) ist ein bekanntes Brettspiel. Ziel des Spiels ist es, ein Grundstücksimperium aufzubauen und alle anderen Mitspieler in die Insolvenz zu treiben. Dazu erwirbt man möglichst viele Straßenfelder (während die Sonderfelder Gemeinschafts- und Ereignisfeld, Los, Frei Parken, Einkommens- und Zusatzsteuer sowie das Gefängnis nicht erworben werden können), um von den Mitspielern Mieten zu kassieren, wenn diese durch Würfeln auf einem solchen Feld landen.

Es ist weltweit eines der erfolgreichsten Brettspiele und wird in 37 Sprachen und über 103 Ländern verkauft (nach Angaben des Verlags) – Quelle: wikipedia.de

Auf den ersten Blick sieht das noch nicht erschienene, neue Brettspiel STALKopoly aus, wie ein ganz gewöhnliches deutsches Monopoly herkömmlicher Art. Allerdings sind die Spielregeln an den Zweck des Spiels angepasst worden und lassen sich mit dem Original nicht mehr vergleichen. Der ausführlichen Spielebeschreibung, die in 90 verschiedenen Sprachen der Welt bei Redaktionsschluss vorlag, entnehmen wir in gutem Deutsch (die Initiatoren kommen wohl daher), dass der große Erinnerungs- bzw. Gewöhnungseffekt jahrelangen Monopoly-Spielens daher nicht vergeblich war. Und das ist auch unbestreitbar unser Eindruck. Die Spieletestredaktion hat das Spiel zu Testzwecken ausgiebig gespielt und kaum Einspielschwierigkeiten gehabt.

Aber was ist nun anders an dem gemorphten Monopoly-Spiel namens STALKopoly?

Die Unterschiede sind im Wesentlichen folgende:

Unnützes Wissen: Leere Kühe melken (quelle: gotthal.de)

Unnützes Wissen: Leere Kühe melken (quelle: gotthal.de)

Anstatt 1.500,- EUR Spielgeld erhalten alle Spieler 2.000 Einheiten Vertrauensvorschuss. Dieser wird dann konsequent verspielt. Wie im Monopoly üblich, erhält jeder Teilnehmer eine Spieleperson, die sich zyklisch über das Spielebrett zu bewegen hat, um das spielerische Ziel zu erreichen. Wie in einer richtigen Stadt bewegt sich der Spieler und investiert vom vorhandenen Vertrauensvorschuss denjenigen Teil, den er für angemessen hält. In der elektrifizierten Fassung des Spiels ist ein jederzeitiges Online-Update mit der Website http://www.rottenneighbor.com  (derzeit, warum auch immer, under construction – Stand 05.10.09) möglich.  Die Update-Zuverlässigkeit konnte daher von der Testredaktion nicht näher überprüft werden. Jahres – Abos sollen günstiger sein, es drohen 15% Rabatt. So bekommen die Spieler zugleich verlässlichen Zugriff auf die sämtlichen Eigenarten wohnender Nachbarn. Dies kann insbesondere dann hilfreich sein, wenn man Bedenken hat, zu viel Vertrauensvorschuss in eine derartige Immobilie zu investieren. Diversifizierung raten Fachleute, das Streuen von Risiken, im Anlagehandel ohnehin ein Gesichtspunkt, sollte auch hier jedem Mitspieler gut zu Gesichte stehen. Aber auch Due Diligence (siehe Abbildung) hat noch keinem STALKopoly-Spieler geschadet. Wie beim Monopoly gibt es keinerlei negatives Kapital in Form von Misstrauen oder dergleichen. Identisch ist auch der weitere Spielablauf, Quelle Wikipedia:

Wissen ist Macht: Due Diligence (Quelle: gotthal.de)

Wissen ist Macht: Due Diligence (Quelle: gotthal.de)

  • je nach Art des erreichten Feldes bestimmte Aktionen ausführen:
  • Ausführen von Karten-Aktionen,
  • An- und Verkäufe von Grundstücken,
  • Miete an Mitspieler zahlen,
  • ein eigenes Grundstück durch Häuser oder Hotel aufwerten oder
  • Steuern bezahlen, Einnahmen erhalten und andere Sonderaktionen.

Wenn ein Spieler im Gefängnis sitzt, darf er seine Figur nicht bewegen, kann aber weiterhin Wohnungen besitzen, Garagenteileigentume kaufen oder verkaufen und sogar Wohngeld schuldig bleiben.

Stalkopoly, Auswahl von Ereigniskarten

Stalkopoly, Auswahl von Ereigniskarten

Das Besondere an STALKopoly sind die Karten-Aktionen, basierend auf so genannten Ereigniskarten. Diese haben es in sich.   Klick auch auf obige Auswahl von 11 weiteren Ereigniskarten-Beispielen:

– Filme deine Nachbarn mit einer Videokamera und speicher die Daten darüber auf einem mobilen Speicher.

– Schreibe deinen weiteren Mitspielern denunziatorische Briefe (nur) über Spieler B (Beispiel).

– Ziehe in das Dachgeschossbüro ein und feiere zwei ausgiebige Dachterrassenpartys.

– Schreibe kurz hintereinander zwei absurde Briefe an Spieler C (Beispiel), die diesen unter Druck setzen und eine abwegige Forderung enthalten.

– Beauftrage einen weiteren Mitspieler, Spieler D (Beispiel) ganztägig zu beschatten und sein Familienleben zu zerstören. Lass Dich vorher noch in die Liste bedeutender Künstler aufnehmen.

Die Auswahl der zur Verfügung stehenden Ereignisse -hier jetzt trendgemäß Events genannt- ist groß, der Spaßfaktor auch. Die Spieletest-Redaktion hat das Spiel ausgiebig gespielt, und der Vergnügungsfaktor war beträchtlich.

Parallelen zur Mutter aller kapitalistischen Großmogulspiele sind nicht von der Bettkante zu stoßen: „Die Ereigniskarten können neben dem Würfeln als Zufallselement angenehme und unangenehme Überraschungen bieten. Eine Karte ist zu ziehen, wenn man auf ein Ereigniskartenfeld gelangt. Von Zahlung eines geringen Geldbetrages (z. B. auf Grund „zu schnellen Fahrens“) über Geldgeschenke bis zur Renovierungspflicht für alle Häuser (die schnell zum Ruin des reichsten Spielers führen kann) ist ein breites Spektrum an Ereignissen vorhanden.“ (Quelle: wikipedia) Hier setzen die Spieleerfinder von STALKopoly an und kupfern ganz ungeniert beim Ideengeber ab. Zu den unangenehmen Ereignissen gehören beispielsweise solche originellen Strafmaßnahmen wie (beispielsweise):

Stalkopoly, deutsche Grundversion (Vorabversion)

Stalkopoly, deutsche Grundversion (Vorabversion)

– Lass den Verwalter in die Wohnung, damit er dich ausfrieren kann (Heizung und Warmwasser abstellen)

– Gehe für 10 Tage ins Gefängnis, um eine Ordnungsstrafe abzusitzen.

– In drastischeren Fällen: 30, 60, 90 Tage, je nach Bestrafungsstufe (spannend: es gibt wunderbare Eskalationsstrategien hierfür! Köstlich!)

– Du wurdest erfolgreich wegen Nichtzahlung von Wohngeld verklagt, der Gerichtsvollzieher erscheint und pfändet.

Interessant auch die im Originalspiel Monopoly nicht vorhandenen Rachekarten, die STALKopoly zusätzlich zu den Ereigniskarten anbietet:

– Gucke heimlich aus dem Küchenfenster und wackle mit dem Kopf, wenn du den Nachbarn siehst.

– Verreise auf Anordnung deines großen Bruders, um beim Stalking nicht zu stören.

– Gieße heißes Wasser auf die Grillgäste deines Nachbarn.

– Schneide ein paar Kabel zur Sat-Anlage deines Nachbarn durch.

– Ziehe vorübergehend aus dem Büro aus, um Platz für einen Stalker zu machen. Melde Dich jedoch nicht ab.

– Verbreite schlechte Informationen über deine Nachbarn.

– Beschaffe eine Zeitschaltuhr, um den Eindruck permanenter Anwesenheit zu erzeugen.

Die Aufzählung ist keineswegs vollständig, vermittelt aber unserem Leser einen guten Überblick über die unendlichen Möglichkeiten gegenseitigen Mobbens und Stalkens, ganz nach individueller Herzenslust.

Kurzum: ein kurzweiliges, sehr gut durchdachtes, neues Spiel. gesichtspunkte.de ist sehr gespannt, ob dieses Mashup sich in den Herzen der deutschen Brettspieler einen bedeutsamen Rang erspielen kann? Das Spiel wendet sich erkennbar an die interessierte Öffentlichkeit. Wer stalkingerfahren ist, besitzt bei diesem äußerst amüsanten Brettspiel eindeutige Vorteile, während stalkingunerfahrene Spieler sehr schnell nachhaltig und erfolgreich in die private Gesamtinsolvenz treiben werden. Kompliment. Wir wünschen recht herzlich: Gut Pleitegeier.

2 Gedanken zu „Der große Spieletest: gesichtspunkte.de hat´s getestet: STALKopoly ist saustark und macht Spaß

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