Präsident Barack Ho-Chi-Minh in Köln auf der Möbelmesse

Heute morgen sanftes Licht wie ein Heiligenschein über allem. Gestern wurde der neue Präsident der USA vereidigt. Der SPIEGEL schreibt:  ‘Die Vereinigten Staaten vibrieren wieder. Der neue Präsident hat seine Landsleute wachgeküsst.’ Heute Morgen gibt es erste Emails an mich, mit Fragen wie dieser: Wer hat (auch) Angst vor einem Attentat auf diesen Hoffnungsträger der ganzen Welt? Ich weiß seit gestern: Sein (neues) Automobil heißt ‘the beast’ und ist unvergleichlich gut geschützt. Wir haben gestern erinnert, was Inauguration‘ heißt.

Währenddessen ruft heute Vormittag Roger N.* (*Name geändert) direkt von der Autobahn vor Köln an. Neben ihm sitzt seine ‘beste Ehefrau von allen’ (so hat Ephraim Kishon, Schriftsteller, seine stets genannt). Wer ein besseres Auto hat, hat Freisprecheinrichtung eingebaut. Man ist gerade unterwegs zur Möbelmesse in Köln. Nun gut. ‘Danke, dass Sie sich gemeldet hatten’, sagt Roger N. zu mir. ‘Ja, kein Problem, Sie waren mir abhanden gekommen’, erwidere ich trocken. Wie mir das denn gelungen sei, seine neuen Daten rauszubekommen, um ihn anzurufen? ‘Ach, das war ganz einfach‘, sage ich und sage ihm kurz, was passiert ist, als ich meine Email an ihn zurück bekam als ‘unzustellbar’. Das mit dem ‘ganz einfach’, das war eine glatte Lüge, das Gegenteil ist richtig.

Der digitale Detektiv

Der digitale Detektiv

Seine alte Emailadresse thomas@schiete.de (geändert) ist unzustellbar. Damit fing es an. Diese Frau damals, das war seine Sekretärin Frau Thomas* (* Name geändert). Und dieses @schiete.de* (* Name Domain geändert), das gibt es nicht mehr. ‘Richtig, Schiete ist mittlerweile insolvent!’, weiß ich beizutragen. Diese Möbelfirma ist den Bach runtergegangen. Habe ich im Netz gefunden. Habe ich erinnerungshalber eine Email nach Ho-Chi-Minh-Stadt (früher: Saigon) geschickt, an Peter Blumenthal* (* Name geändert). Der war früher mal Verwalter unserer Wohnanlage in Wedding, die wir verwalten, und hat immer noch ‘gute Drähte’ zu den ‘Alt-Eigentümern’ aus West-Deutschland. Das ganze Haus war seinerzeit von Menschen aus dem Umfeld des Bertelsmann-Konzerns filetiert und als Bauherrengemeinschaft Rehberge und später als WEG defibrilliert worden. Ho-Chi-Minh, Ho, Ho, Ho-Chi-Minh reagierte binnen weniger Stunden und schickt weiterführendes schon am nächsten Morgen. Erkenntnisse darüber, wie man einen erfolgreichen Möbelmanager jetzt erreichen kann. Am Abend zuvor hatte ich zwar die Email schon

Restaurantschild in einem Berliner S-Bahnhof

Restaurantschild in einem Berliner S-Bahnhof

losgeschickt nach Asien, aber das ließ mir keine Ruhe. Der Google-Hupf geht um, ich recherchetechnisch im ‘weh-weh-weh’, stundenlang. Die Wartung & die Pflege von Adressdaten, mit der Folge, dass sie funktionieren, ist immens wichtig für unsere Tätigkeit.

Ich erfahre:

* Die Möbelfirma ist bankrott.

* Roger N. ist jetzt Unternehmensberater in Schnepfendingen* (* Ort geändert). Partner in einer solchen Firma.

Lupe

Lupe

Dort rufe ich an abends um 19.10 Uhr, einer von mehreren Chefs dort geht persönlich ans Telefon. Hier sei jetzt keiner mehr, ächzt der ‘workaholic’, nicht unfreundlich, aber der Roger N. sei nicht mehr Partner der Beratungsfirma, und empfiehlt, morgen eins von ‘unseren Mädchen’ anzurufen, die könnten mir weiterhelfen, funktionierende Kontaktdaten, no problem. Der Mann hat Schneid.

Dann am folgenden Morgen eine Replik aus Ho-Chi-Minh-Stadt und mein Anruf bei ‘den Mädchen’, die sind auskunftsbereit und geben mir ’mannigfaltiges’ an die Hand - aus beiden Informationen rühre ich einen funktionierenden Brei namens ‘Rechercheergebnis’ an und mische alles gekonnt in meinen elektronischen Archiven zusammen. Wenn das so weiter geht, werde ich bestimmt mal ein berühmter Fernsehkoch, die Küche ‘bits & bytes’. Nun spreche ich noch eine Nachricht auf einen privaten Anrufbeantworter von Roger N. in seiner Heimatstadt Kotzebue* (*Ort geändert). Sollte ich als Fernsehkoch versagen, kann ich auch als Headhunter Bewerbungen absetzen. Ich jage Köpfe und alles, was dranhängt, wenn man es sucht. Zum Erfolg verpflichtet.

Hier und heute, auf der Autobahn nach Köln und auf dem Weg zur Möbelmesse ist Roger N. nun 14 Tage später am Telefon und spricht mit mir. Seine Frau hört alles mit und richtet auch beste Wünsche aus, alles ist höflich und nett gehalten. Wir werden uns mal treffen, wenn er wieder in Berlin sei, seine Wohnung, die stehe schon ganz, ganz lange leer, das müsse er jetzt mal einräumen, und ob er sie jetzt verkaufen will oder vermieten, stehe auf seiner privaten Agenda 2009 (to do or not to do) ganz oben, eventuell auch nicht. Eigentlich ist es auch kein Problem, wenn sich nichts ändert und die Wohnung weiter leersteht, das tut auch nicht so weh. Ein erfolgreicher Möbelmogul muss eben Korrelationen erkennen und Wertigkeiten hoch- oder runter stufen, etwa in dem Punkt ‘Ist das jetzt teurer, nach Berlin zu fahren und zu palavern oder kann ich mehr Geld in meinem Tagesgeschäft verdienen?’ – Am Ende wünsche ich gesunde und erfolgreiche Weiterfahrt und bis bald.

Es ist richtig, so lautet die wesentliche Erkenntnis heute: Wie man eine interessante Überschrift zurecht schreibt, um gelesen zu werden, so titeln wir: ‘Präsident Barack Ho-Chi-Minh in Köln auf der Möbelmesse’ – und bilden damit auch ein Stück Wirklichkeit ab.

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