1678-14 – Positionen: Im Büroalltag sind Textbausteine nicht immer ein probates Mittel zur Aufgabenerledigung. Manche sind Sprachmüll.

Positionen

Green.Man.Walking

Kürzestmöglich heißt es, wir kennen die Redewendung:

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

In der Praxis bereitet dem „Textscanner in uns allen“ das vorgebrachte Fragment des Briefeschreibers Mühe. Wir müssen lesen. Wir sind „Absatzreiniger“, Textbereiniger, irgendwie. Nicht Tatortreiniger: Als der Text verfasst wurde, hat man uns nicht gefragt.

Man war nicht höflich, hat nicht zurückgefragt, ob auch verständlich ist, was aufgeschrieben da steht. Jemand schreibt etwas mit (zu vielen, unpräzisen) Worten. Also müssen wir den Kern dessen freilegen, ihn vom überflüssig Gesagten befreien. Die Botschaft des Absenders muss uns erreichen. Er hatte vielleicht einen schlechten Tag. Jeder hat mal…. – Wir verfügen über eine gute, aber zuweilen getrübte Auffassungsgabe.

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1677-14 – Positionen: Politische Diskurse im sozialen Netzwerk, Klassenclown und Troll-Prollerei 2.0

Reissack-Theorie wackelt!

Positionen

Post vom Papst, via Facebook
Post vom Papst, via Facebook

Ist das Trollen in sozialen Netzwerken sogar sinnvoll und erfüllt eine Art Wächterfunktion? Antwort gibt es auf diese Frage von hieraus mit Sicherheit nicht. Allerdings sagenhafte Neuigkeiten aus China. Wir berichten.

Zuweilen geht in mir „ein Narr“ verloren, wenn ich in sozialen Netzwerken rumtümmle. Schon früher wurde ich als „Klassenclown“ bezeichnet. Gestern Abend nach vielen Jahren einmal mehr. Dabei habe ich die Schule längst verlassen und einen ganzen Sack Leben genossen, Genossen.

Gestern, später Abend: Ein deutsch-italienischer Sängertenor hat zum Thema „Wer hat was gesagt“ auf facebook etwas gepostet. Larissa, die österreichisch-australische Dschungelkönigin, hat Johann Wolfgang von Goethe falsch zitiert. Goethe habe nicht gesagt, was Larissa zitiert, lautet der Vorwurf. Tausende Likes hat das bekommen. Der Sänger mokiert sich, er echauffiert sich. „Ein Beispiel für die Verdummblödung des Internets.“

Das mag zutreffen. Sänger gelten zuweilen als textsicher. Er selbst hat den Text, um den es bei Larissa geht, in seinem Textrepertoire. Der sei von einem Theologen und der Sänger Konstantin Wecker habe ihn aufgeführt. Er weiß es daher besser.

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1676-14 – Know How: Wie die Müllentsorger so sagen zum Müllplatz

Red keinen Müll, wirf ihn hier rein!
Red keinen Müll, wirf ihn hier rein!

Wollen Sie sich bitte mal die Anfallstellen-Nummer notieren? (Frage der Mitarbeiterin bei Berlin Recycling Service)

Und ich: „Abfallstelle?“ – Sie: „Anfallstellen-Nummer“. Aha.

Wir stellen Mülltonnen im Wedding in den Innenhof. Nun plaudert der Müllplatzphilosoph. Doof. „Abfall hier hin“ und weg damit. „Sagen Sie mir die Anfallstellennummer?“ Die Anfallstellennummer bezeichnet die zugeteilte Nummer desjenigen, berlinweit organisierten Abfallgefäß-Abstellplatzes, der angefahren werden muss zum Zwecke der Abfallbeseitigung. Amtsdeutscher geht´s nicht.

Ja, nee, iss klar. Abfall fällt an. Fällt zu viel Abfall an, bekommen Menschen vor Ort einen Anfall. Vor Wut. Weil alles herum liegt und die Ratten…na ja, anderes Thema. Im Internet bezeichnet die IP-Nummer der Website die Domain, unter der ein Blogger Müll redet. Siehste. Man kann abfallwirtschaftliches know how auch auf andere Lebensbereiche übertragen. Wo sie den Müll um Längen überragen.

Oder ausdrucken. Z.B. aus Wikipedia….

 

1675-14 – Positionen: Kann mir das jemand mal übersetzen? Wer kann Latein? Mit meinem bin ich am Ende…

Entenmutter (Netzfundstück)

Positionen

Entenmutter (Netzfundstück)
Entenmutter (Netzfundstück)

Teile und herrsche, teile bloß nicht und beherrsch Dich: An manchen Tagen stört mich die Pluralität der vorhandenen Meinungen zu etwas, das ich selbst miterlebt habe. Und sei es irgendein Fernsehfilm. Ich fand ihn gut gemacht. Oder eine CD eines Künstlers: Ich teile es in einem sozialen Netzwerk wie diesem (*) und dann geht sofort das große Geseihere (das „soziale Exkrement“) der Kommentatoren an. Wie auf Knopfdruck. Man kann nichts dagegen machen, außer über alles Stillschweigen zu bewahren. Um nicht im sozialen Netzwerk auf all zu große Asozialität zu treffen. #Morgengedanken

Divide et impere, teile und herrsche: Das Volk in Gruppen und Untergruppen aufzuteilen, um es (besser) zu beherrschen. Seit dem wir Zugriff auf das Internet haben, könnte eine gewinnbringende Strategie sein, es zu unterlassen. Ich bin mit meinem Latein da am Ende, bin über den Status eines gepflegten Asterix-Lesers nicht hinaus gekommen. Wer übersetzt mir das ins neue, größte Latinum: Teile bloß nicht und beherrsche Dich. Halt den Mund und „denk dir deinen Teil“, damit du überlebst, wenn alle anderen was zu seihern haben. Eine große Aufgabe: Nicht nur die Übersetzung. Ein Latinum-Sachverständiger darf mir den neu erwählten, ersonnenen Spruch gern als Kommentar zuposten oder via twitter mitteilen. Teile bloß nicht (alles) und beherrsche dich.

(* z.B. facebook)

1674-14 – Alltag: Fahndungsersuchen, ungeklärte Zahlungseingänge, durchlaufende Posten und Verwaltungsbeiräte, die durchblicken

Fahndung_banner

In Berlin-Wilmersdorf, Kudamm-Seitenstraße, ergeht ein Fahndungsersuchen an die Mitglieder des Verwaltungsbeirats der Wohnanlage: Gesucht wird Christiane Schmidt. Sie hat sich verdächtig gemacht. Die Hausverwaltung möchte wissen, wer sie ist. Sie zahlt Wohngeld auf das Konto der Gemeinschaft. Die Bankverbindung deutet darauf hin: Aus Hamburg. Fakt ist: Die Verwaltung kennt Frau Schmidt nicht. Alle anderslautenden Bemühungen zu verstehen, wer sie ist, wo sie wohnt und warum sie überhaupt zahlt, scheiterten. Nun soll im Haus nach dem rechten geschaut werden. Steht da irgendwo Schmidt am Klingelschild?

Bis dahin erfolgt die Verbuchung des geleisteten Wohngelds nicht auf Müller, Maier oder Hoppenstedt, sondern unter „Durchlfd. Posten“. Ein Merkposten nach dem Motto: Das wird nochmal was werden. Die Buchführung muss stimmen.

1673-14 – Zitatfilter: Alfredo Hitchhike über Kaltmamselln und das älter werden

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Alfredo_Chris.Kurbjuhn

In dieser Woche den nächsten Schritt auf dem Weg zur Vergreisung getan. Die werte Frau Kaltmamsell hat ein Plakat, dass ich als Student noch in der Münchner U-Bahn hab hängen sehen, als “archäologisch” bezeichnet. Und beim Betrachten des Musikvideos einer Band, die laut Spex der nächste hot shit ist, hab ich “Aber das ist doch nur Krach…” gedacht, bevor ich es verhindern konnte. Das Endspiel hat begonnen.

sagt Chris Kurbjuhn, Splitterbrötchen-Verehrer (das Splitterbrötchen = engl.: splinter bin), Friedenauer Schreibstil, Schöneberg (für Amis: beauty mountain) hier lesenswert…

1672-14 – Video: Ganz Berlin träumt von der Liebe #Lied des Tages

_icon Tageslied/Lied des Tages

Historie: Hurra! Wir leben noch.


Clemens Maria Haas & sein WELT SWING ORCHESTER.

Eine Liebeserklärung an das befreite Berlin der Nachkriegstage und an den Frühling im Frieden. Regie: Claudia Mielke, Kamera: Klaus Janschewsky

Dieses Video wurde u.E. noch zu wenig abgespielt. Große Klasse.

1671-14 – Zitatfilter: ♪♫♪ Yelp, I need nobody, yelp, not just anybody, yelp, you know I need no one, yelp ♪♫♪♫

American Dreams: Qype goes Yelp

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American Dreams: Qype goes Yelp
American Dreams: Qype goes Yelp

Schon längst habe ich wahrgenommen, dass meine Aktivität auf yelp das berühmte „Eulen nach Athen tragen“ in moderner Form ist. Heutzutage Katzen, besser Katzenbilder. Auf dem Portal herrscht der amerikanische Irrglaube vor: Man glaubt, man könne die  schriftliche Sprache von Menschen durch Software algorithmisieren und in gute, mündige und unkundige, ja sogar bestellte Kritik einteilen. Yelp verkennt, dass die beste „Droge ein  klarer Kopf“ (Udo Lindenberg) ist und das weder Software noch andere Formen von Fremdbestimmung den besten aller Filter aller Zeiten ersetzen können: den eigenen Kopf.

Hat es Udo Lindenberg geschafft, mit dieser Maxime klar zu kommen? Da sieht man mal, wie schwierig es ist, bei sich selbst zu bleiben. Ich kenne kaum jemanden, der besser wäre.

1670-14 – Zitatfilter: Was Umberto Eco zum Fotografieren bemerkte

Fotografierter Fotograf

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Fotografierter Fotograf
Fotografierter Fotograf

Unser Auge hat seine Funktion verloren, die Wirklichkeit aufzunehmen. Nicht nur in der Kunst. Man versichert sich über einen Bildschirm der Wirklichkeit dessen, was man sieht. Ich fotografiere deshalb nicht mehr. Eines Tages bin ich von einer Besichtigungstour zurückgekommen, auf der ich eine Menge Fotos gemacht hatte. Als ich zurückkam, hatte ich lauter schlechte Fotos und wusste nicht mehr, was ich eigentlich gesehen hatte. Ich hab den Apparat weggeschmissen und beschlossen, nie wieder Fotos zu machen – das ist der einzige Weg, um die Dinge zu sehen und mich daran zu erinnern. Wenn ich eine materielle Spur bewahren möchte, kaufe ich eine Postkarte.

Umberto Eco (Jahrgang 1932) im Philosophie Magazin, Februar/März 2013

 

1669-14 – Positionen: Von Gesichtspunkten ernsthafter Erörterung und den Folgen entglittener Gesichtszüge

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gesichtspunkt.Erstaunen.Sokrates

Wenn man eine zur Ernsthaftigkeit neigende Erörterung an einem fest zu umreißenden Aspekt fest macht, so nennt man dieses „einen Gesichtspunkt“. Ist der Diskurs schon absolut entglitten und bar jeder vernünftigen Form und lassen wir im Ergebnis die „Gesichtszüge“ entgleiten und der Mund steht vor Verwunderung offen, bzw. vor Sprachlosigkeit, dann nennen wir dies nicht „einen Gesichtspunkt“. Sondern „ein Gesichtskomma“. (Ich selbst, heute)

Wenn mich schon niemand zitiert: mache ich das eben selbst. Und im Ernst. Manche Dinge muss man wegschreiben, um sie festzuhalten. Sie sind so unglaublich, dass sie einem sonst nie wieder einfallen würden.

Jetzt was ganz anderes machen….nur da nicht länger drüber nachdenken. Es ist aufgeschrieben. Das reicht.