Stalking, Teil 2: Die Mieterin Lohsemann und Wut auf Briefkästen

Auszüge aus Erinnerungsprotokollen eines Hausbewohners: Alle Namen wurden wegen der Gefahr von konkreten Rückschlussmöglichkeiten verändert:

 …die Mieterin Frau Lohsemann (*) terrorisiert mich, seitdem ich eingezogen bin. Ich selber rede kein Wort mit ihr. Sie beschimpft und beleidigt mich, sobald sie mich sieht, läuft mir teilweise auf der Straße hinterher. In einem Fall habe ich sogar die Polizei rufen müssen, als sie nicht aufhörte, mir auf der Straße nachzulaufen. In sehr späten Nachtstunden (3.00 bis 5.30 Uhr) spielt sie häufig so laute Musik, dass ich immer wieder geweckt werde. Da die Ruhestörungen oft intensiv, aber nur kurzfristig sind, trifft die Polizei meist nicht rechtzeitig ein.

Die Stimmung ist merklich im Keller….

Der Keller des Schreckens

Der Keller des Schreckens

Die Geschichte ist wie folgt: Das Haus wurde 1959/60 im sozialen Wohnungsbau errichtet und wurde seit dem von Werksangehörigen einer Baufirma (Werkwohnungen) bewohnt. 1988 scherte das den Umwandler einen ‚feuchten Kehricht‘ und er plante die Umwandlung in Wohnungseigentum mit Vermessern, Ingenieuren und Notaren. Die Kellerverschläge, darüber entwarf man einen Kellerplan, in dem alle Holzverschläge artig und äußerst ordentlich eingezeichnet sind. Jedem Tierchen sein Pläsirchen und jedem werdenden Wohnungseigentümer seinen Kellerverschlag. Anders als sonst oft üblich ordnet der beurkundende Notar die Kellerverschläge jeweils dem Sondereigentum einer Wohnung direkt zu. Das hat auch Vorteile: Die Verwaltung muss in diesem Fall nicht initiativ werden, sondern jeder Eigentümer muss seinen Anspruch selbst geltend machen. Die Praxis hatte aber bei den Umwandlungsbemühungen nicht ‚mitgewürgt‘ und deshalb scherten sich nun wiederum seit Anfang der 60iger dort wohnende Hausbewohner ebenfalls einen ‚feuchten Kehricht‘ um die notariellen Liebesdienste. Was der Notar streng nach Kellerplan regelte, lief an den Mietern der Wohnanlage gänzlich vorbei. Und kümmerte nun auch niemanden.

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