Ping Pong: Nachbarstreit an Giebelfassade

‚Du hast mir meine Schaufel weggenommen, ätsch, dafür hab ich Dein Eimerchen!‘ So oder ähnlich könnte man die konkurrierende Haltung zweier Nachbarn beschreiben, die gegeneinander anschreiben. Sie schreiben und also existieren sie. Die eine, das ist die Dame aus Köln, der gehört das Haus (Familienbesitz), der andere, das ist ein WEG-Verwalter aus Berlin, also ein ganz armes Würstchen, buckelnder Diener einer furiosen Eigentümergemeinschaft. Beide eint das Interesse an der optimalen Verwaltung des von Ihnen betreuten Grundbesitzes: sie, es ist ihr Eigentum, und er, es ist sein(e) Beruf(ung).

Sie hat ein Miethaus (nicht Miezhaus) am Wickel und er die WEG. Als wäre das nicht schon Strafe genug: Der Ort des Gefechts ist Berlin-Schöneberg. Beide haben gemeinsame Grenzlinien, sie hat ein Gartenhaus mit einer unverputzten Brandwand, die rohen Klinker zeigen zum hinteren zweiten Gartengrundstück der WEG. Seit jeher ist dieser hässliche Giebel verwaist, denn wer hat schon Interesse an der Schönheit seines unsichtbaren hinteren Giebels. Und deshalb rankt seit jeher wilder Wein (und früher auch Knöterich, der inzwischen weg ist) und verdeckt die öde Tristesse wenigstens rudimentär.

 

Nun schreibt sie, die WEG habe jetzt Erdreich angehäuft, und das sei einen Meter zu hoch. Dadurch würde ihr (alter) Giebel Feuchteschäden nehmen. Der WEG-Verwalter rennt da hin, macht Fotos. Nichts zu sehen, nichts! Das ist ein Gerücht. Das alles muss ein Irrtum sein, eine solche Erdanhäufung gibt es nicht. Die Sache wechselt in dem Moment von hoher zunächst auf gefühlte mittlere und dann rasch auf unterste Priorität. An der Sache ist nichts dran. Nun kommt die Dame aus Köln auf den Plan und erinnert noch einmal bissig. Droht nun an, nicht nur den Erdhaufen zu belangen, sondern auch den wilden Wein weggeschnitten haben zu wollen. Allumfassende Waffen, die Messer sind -es scheint unverhältnismäßig- gewetzt.

Der WEG-Verwalter verwaltet nicht das eigene Haus, sondern die Wohnungseigentümer und deren Interessen. Er weiß, denen liegt der wilde Wein sehr am Herzen. Gedroht wurde ja schon häufiger, auch bei kleinster Kleinigkeit. Der wilde Wein als Waffe, als drohendes Damoklesschwert und als Faustpfand. Und willst Du nicht mein Freund mehr sein, dann hau ich Dir mittenmang den Wein. So das Credo. – Der WEG-Verwalter antwortet kurz: ‚Erdanhäufungen dieser Art gibt es nicht, es wurden auch Fotos gemacht. Im Übrigen sei es nicht ungewöhnlich, dass im Verlaufe von fünfzig bis achtzig Jahren ein Haus hinsichtlich seiner horizontalen Sperrabdichtung nachlasse, und dass sich dann Wasser ins Mauerwerk ziehe, man müsse eben dann geeignete Abdichtungsmaßnahmen in die Wege leiten. Ein Ortstermin, dagegen sei nichts einzuwenden, man müsse sich eben auf dem WEG-Grundstück treffen, die Sache besichtigen und dann -gutnachbarschaftlich- die Sachlage besprechen.

Wir haben nun das Kölnsche Temperament unterschätzt, denn nun braust es auf, und das alles spielt sich per Fax innerhalb von zwei Tagen ab. Sie habe nun genug, und die bereits bekannte Hinhaltetaktik, die würde sie jetzt aber durchkreuzen, und außerdem müsse der Wein weg, bis zum 31.21., sonst würde das alles nunmehr juristisch durchgesetzt werden. Die Faxe wechseln nun im stündlichen Takt. Das sei schließlich kein Problem, dieses sich juristisch beraten lassen, das solle sie doch in Anspruch nehmen, wenn sie es bräuchte, wir bräuchten das aber nicht, und außerdem solle man bedenken, dass die Forderung nach einem ’nackten‘, freigeschnittenen Giebel nun auch die Forderung nach einer weitgehenden Instandsetzung der abbröckelnden Giebelfassade nach sich ziehen könne. Man fühle sich unfair angegriffen, als ständiger Hinhaltetaktik ausübender WEG-Verwalter, das sei nun wirklich fehl am Platze. Auf weitere Aufforderung übersendet sie noch den Handwerkerbericht ihres Handwerkers, der irgendwas äußerst schwer Verständliches in seine Texte geschrieben hat, über angebliche Erdreiche. Es ist tatsächlich kaum zu verstehen. Der WEG-Verwalter bastelt noch schnell eine detaillierte Ausschnittkopie der amtlichen Rasterkarte und faxt sie nach Köln: ‚Bitte malen Sie genau den Ort ein, den Sie meinen! Um jegliche Verwechslung auszuschließen!‘ Antwortzeit nun drei Minuten, Antwort da. Alles dem Verwaltungsbeirat zur Kenntnis und die Kommentierung: Wir wissen gar nicht, was die Dame von uns will? – Es ist eine vornehme Kür, sie wenigstens nochmals eingeladen zu haben, einen gemeinsamen Ortstermin zu veranstalten. Sie kündigt ihre Rechtsanwältin an, das ist uns vollkommen egal, seit wann können Rechtsanwälte technische Fragen wie diese überhaupt umfassend beurteilen? Sind sie nicht für den rechtlichen Quark zuständig, also wer schuldet wem was? Unglaublich viel Energie ist abgeflossen, Unterstellungen, Reizworte, das Gegenteil von freundlicher Nachbarschaft. Auch das gehört zum Beruf des Häuserverwaltens: sich bei Bedarf richtig anlegen. Spaß macht das nicht. Ehrlich nicht. Es geht um die bestmögliche Vertretung unserer Mandanteninteressen. Ping Pong hat selten die erforderliche Qualität. Eventuell schafft es aber (neues) Vertrauen in die Redlichkeit unseres Handelns. Nun reagieren wir scharf und unverzüglich im Minutentakt. Das ist jetzt die wichtigste Sache der Welt. ‚Die fünf Minuten nehme ich mir!‘ Wir wissen, wir müssen noch Jahre lang gut auskommen, also müssen wir uns für eine gute Partnerschaft mit ihr stark machen, ob wir das gut finden oder nicht. Nicht zu ändern. Weiter arbeiten…morgen sieht vielleicht alles anders aus?

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