Nachdenken über Vertragsgestaltungen… Beispiel TELEKOM

Telekom

Telekom

Wer heute einen Telefonanschluss oder eine Internetanbindung bestellt, tritt auf ein großes Feld von Landminen. Zwar sind Kampagnen bekannt, wie die von Paul McCartney (ex-Beatles), wo es heißt ’no more landmines‘, doch haben diese nicht dazu geführt, dass telekommunikationstechnische Riesen sich daran halten. Ein Auftragsbestätigungsschreiben der TELEKOM kann sich beispielsweise so lesen, dass eine ganze Reihe von Widersprüchen klar ziehen lassen. In diesem Moment gibt es eine ‚Magie des Augenblicks‘: Der Kunde muss ganz, ganz aufmerksam lesen, um das verschachtelte Vertragschinesisch für sich transparent zu machen. Und schon wenige Wochen, nachdem die TELEKOM den Anschluss scharf schaltete, macht ein quengeliger Kunde von seinem Recht Gebrauch, seine eigene Zukunft aktiv mit zu gestalten. Merke eins: Je grösser der ‚weiße‘ oder auch der ‚magentafarbene‘ Riese, desto mehr musst Du tun. Auszüge aus einem Schriftverkehr dazu.

(ein ganz normaler Brief an die TELEKOM, Thema: ein neuer Anschluss)

Sehr geehrte Damen und Herren,

auf Ihr Schreiben vom Xy. November 2008 folgende vertragsrelevanten Fakten:

● Vertragsbeginn ist der Xy.11.08 (Tag der Aufschaltung)

● die Mindestvertragslaufzeit beträgt 24 Monate (Tarif Call & Surf), demzufolge kündigen wir schon heute diesen Vertrag mit Wirkung zum Xy.11.2010, diese Kündigung erfolgt allein aus den weiteren Gründen Ihres Auftragsbestätigungsschreibens, wonach

● bei Nichtkündigung sich der Vertrag jeweils um 12 Monate verlängert. Hiermit sind wir nicht einverstanden. Nach Ablauf der ersten Vertragslaufzeit sind wir mit einer Verlängerung wie folgt einverstanden:

● Vertragsverhältnisse ohne Mindestlaufzeit sind für beide Vertragspartner zum Schluss eines jeden Werktags kündbar. Die Kündigung muss der zuständigen Niederlassung von T-Com oder dem Kunden mindestens sechs Werktage vor dem Tag, an dem sie wirksam sein soll, schriftlich zugehen. Der Samstag gilt nicht als Werktag.

● Ferner behalten wir uns die Kündigung aus wichtigem Grund vor, insofern wir dort ein Mietverhältnis besitzen. Sollten wir aus zivilrechtlichen Gründen das Mietverhältnis dort nicht fortsetzen können, werden wir von einem außerordentlichen Kündigungsrecht (wg. Aufgabe des Geschäftsbetriebs und Wegfall der Nutzungsmöglichkeit) Gebrauch machen. Dieses Recht lassen wir uns durch anderslautende AGB nicht entziehen. … (Anmerkung Autor: gekürzt, da hier nicht relevant)

● Wir widersprechen ausdrücklich, dass wir eine T-Online-Emailadresse besitzen und ein dazugehöriges Passwort. Ein Irrtum ist unsererseits diesbezüglich ausgeschlossen. Jegliche Korrespondenz an diese Adresse wird von uns nachweislich niemals abgefragt und daher auch nicht zur Kenntnis genommen werden. Bitte beachten Sie, dass die Vorhaltung dieser Emailadresse offenbar im Streit liegt und Anlass zu jahrelanger Doppel bzw. Zusatzabrechnung von Gebühren uns gegenüber geführt hat. Hierüber ist Schriftverkehr anhängig, siehe hierzu weiter unten.

● Wir geben Ihnen auch keine Emailadresse unsererseits an die Hand, da wir unsere Rechnungen in Papierform benötigen. Anderslautende Vereinbarungen sind unwirksam.

● Mit einer Aufnahme der Anschlussnummer in jegl. Auskunftsverzeichnis sind wir nicht einverstanden, ebenso dürfen unsere Daten niemandem weiter gegeben werden, auch nicht in kommerzieller Verwertung der Anschlussinhaberdaten. Wir widersprechen!

● Alle diesem wesentlichen Schreiben zuwiderlaufenden Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Telekom sind daher nachrangig. Dieses Schreiben geht ihnen vor.

  • (redigiert, weggelassen, tut hier nichts zur Sache)

● Sofern Sie gegen dieses Schreiben Einwendungen haben, bitten wir Sie, im Interesse der beiderseitigen Klarheit bis zum 31.12.08 (Ausschlussfrist) zu widersprechen.

(Ende eines ganz normalen Briefs an TELEKOM)

Fazit dieses Briefs:
Wer heute nicht über die Konsequenzen eines einfachen Telefonanschlusses nachdenkt, kommt morgen aus der Bredouille nicht mehr heraus. Bemerkenswert ist vor allem folgendes: Dieses ganze Gerüst rechtlicher Fallstricke ist das Ergebnis eines Anrufs und der Bestellung eines Anschlusses. Wer dann aber nicht sofort die magentafarbene Welt zurechtrückt und ins richtige Lot zieht, der hat möglicherweise eine rosa Brille auf. Abzuwarten bleibt allerdings, wie nun der künftige Vertragspartner reagiert? Wir dürfen gespannt bleiben.

4 Gedanken zu „Nachdenken über Vertragsgestaltungen… Beispiel TELEKOM

  1. @larued: Die Frage ist so nicht richtig gestellt. Um Kunden gut zu betreuen, war Tante T neulich sexy und gab sich alle erdenkliche Mühe. Und das ändert sich auch nicht. Etwas anderes ist allerdings das Problem der outgesourcten Verwaltung, die größtenteils über die eingekaufte Dienstleistung von Subunternehmern abgewickelt wird. Callcenter bearbeiten Beschwerden und Kunden haben kaum noch direkten Kontakt in der Bestandsverwaltung. Es kann sein, das ein Callcenter sich sexy benimmt, auch wenn es um die Bestandspflege einer Kundenverbindung geht. Bei Tante T. funktioniert der Telefonanschluss, bei anderen nicht mal der….

  2. @Thomas Gotthal: Das ist nämlich der springende Punkt! Ist der Anschluss erst einmal hergestellt, funktioniert er tadellos.
    Alles andere drum herum ist eine einzige Katastrophe. Meine Erfahrungen sind ähnlich und total nervend.

  3. Pingback: 1145/11: Kleines Verwalter-Latinum: Jetzt schnell die Unterschriften und zack, ist der Vertrag rechtsunwirksam

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.