Die ‚Internationale‘ – kein kommunistisches Manifest!

Horch, was kommt von draußen rein, holla hi, holla ho? Kann doch nicht der Jäger sein, holla hi ja ho! Nein, es waren bis vor kurzem vor allem ‚die Dänen‘. Die kamen über Berlin und kauften Eigentumswohnungen, überall kauften sie Eigentumswohnungen. Und die Potenteren unter ihnen, die kauften ganze Häuser auf. Ganz so wie im Spiel Monopoly. Und es hieß dann: ‚Die zahlen das aus der Portokasse!‘ Ungläubiges Staunen. Große Investoren kauften ganze Straßenzüge auf. Sie gründeten neue Hausverwaltungen mit dänisch klingenden Namen, die sich am trendigen Paul-Lincke-Ufer niederließen und dort ganze Büroetagen mit Blick aufs Wasser anmieteten. Anmieteten? Oder kauften? Das haben wir nicht näher untersucht. Ja, so war nun mal der Trend. Doch dieser Trend ist futsch, wird jetzt von einigen in der Szene bemerkt. Jetzt haben die so viel gekauft, dass sie Liquiditätsprobleme bekommen. Die Häuser sind schon wieder auf dem Markt und werden weiter verscherbelt. Bei den Eigentumswohnungen sieht man diese Entwicklung (noch) nicht.

Politik schafft Rahmenbedingungen. So wie die Billigflüge erst einmal heuschreckenartig über uns hereinbrachen, fängt man an umzudenken. Möglicherweise taugen viele billige Flüge fürs Weltklima nichts? Die Nebengebühren der Flüge, und nicht nur die Kerosin-Zuschläge, nehmen sich inzwischen happig aus. Fliegen wird wieder teurer. Dafür soll aber ‚zusammenwachsen, was zusammen gehört‘ (Zitat Willy Brandt, zur deutschen Wiedervereinigung), aber nicht nur in Deutschland. Auch Europa soll (endlich) zusammenwachsen.

Finden jetzt verstärkt die Briten! Die Briten kommen. Momentan die kommenden Eliten der britischen Gesellschaft, die Studenten und die Studierenden, die Lehrenden, alle brechen auf Richtung Berlin. Übrigens per Flugzeug. Sie kaufen Eigentumswohnungen. Wofür? Wissen die denn nicht, das Eigentum verpflichtet? Doch, sagen die, ‚wissen wir‘ ! Heute habe ich mit einer Frau gesprochen, vom King´s College in England. Ich frage ganz gezielt nach, weil ich nun mal ein furchtbar neugieriger Mensch bin. Die Erklärung ist gar nicht mal so schwer: Die britische Regierung habe diese Art von Studentenaustausch auf europäischer Ebene mit einem Regierungsprogramm stark verbessert und viel attraktiver gemacht. Inzwischen gibt es sogar laufende Zuschüsse für derartige Studienvorhaben. Das finden wir Berliner nun wiederum sehr gut. Doch offenbar ist auch das ein Beweis dafür, dass sich die Berliner Immobilienpreise als ‚viel zu billig‘ ausnehmen im Vergleich mit anderen Weltmetropolen. Wenn ausländische Studenten für kleines Geld Wohnungen in Berlin kaufen können, und auch deren Finanzierung mit einer Bank nicht mal ein Problem ist, dann liegt das ganz offensichtlich auch an einem aus den Fugen geratenen Verhältnis zwischen ortsüblichen Mietpreisen und Kaufpreisen. Es ist billiger zu kaufen als zu mieten! Wenn jetzt alle von der über uns hereinbrechenden Rezension sprechen, dann werden gerade in solchen Zeiten die Karten heftig neu durchmischt. Es werden also erheblich mehr Eigentümerwechsel stattfinden.

Makler munkeln, dass die Verkäufe einbrechen werden, wie in der Autobranche. Dafür gibt es derzeit aber noch wenig Anhaltspunkt, findet der Bloggwart. Vermuten wir mal so: die deutschen Erwerber werden immer schwieriger an Immobilienfinanzierungen herankommen, während die ausländischen Erwerber zu ganzen Immobilienportfolios kommen. Auch die sind teils fremdfinanziert (anders als bei den meisten Dänen!), aber von Banken, die eine ausländische Sicht auf den fremden Immobilienmarkt Berlin haben. Denn der gilt dort als ’spottbillig‘.

Die Eigentumsquote lag in Berlin Anfang bis Mitte der 80iger-Jahre bei gerade mal 9%. Wir müssen also weiter beobachten, wie sich das entwickelt. Werden wir am Ende gar 50:50 haben? Na, das kann noch dauern. Der Markt ist im Moment ziemlich in Wallung und äußerst schwierig einzuschätzen. Der heutige Beitrag stellt daher nur eine Momentaufnahme dar und den Versuch einer Prognose. Abwarten und Tee trinken. ‚Die Enten sind am Ende fett!‘ (Bauernweisheit, sinngemäß: Hinterher ist man schlauer!)

Verbleibt uns am Ende nur ‚ein Quantum Trost‘: Solange uns die Ausländer die Eigentumswohnungen zu erträglichen Kaufpreisen abkaufen (können), spüren wenigstens diejenigen dabei eine gewisse Erleichterung, die zu früheren Zeiten zu weitaus höheren Preisen Wohnungen kauften, die sie schon seit Jahren erfolglos zum Abverkauf anboten. Wir konstatieren eine spürbare Belebung der Verkäufe und verabschieden uns von langjährigen Geschäftsfreunden, die erleichtert den gelungenen Verkauf berichten. Ein Quantum Trost, nicht einen ganzen Sack davon.

Ein Quantum Trost - Potsdamer Platz (November 08)

Ein Quantum Trost - Potsdamer Platz (November 08)