3251/18: Positionen: Was dem einen sein Pflichtgefühl, ist dem anderen sein Freitag um Eins

„Gurken, so hörte ich nämlich, gebe es in der DDR urst selten, und sie seien auch urst teuer. […] Keiner konnte mich je über die Herkunft dieses Bekräftigungsterminus aufklären, der, je nach Landstrich, uhst, urst oder uast ausgesprochen wird.“

Frau Dreier (* Name geändert) aus Berlin-Wilmersdorf sagt, der Handwerker hat zu ihr gesagt: „Freitag um eins macht jeder seins“.

Das sei DDR-Handwerkersprech. Ich hab es nicht überprüft. Ob es stimmt, weiß ich nicht.

Aber es ist grandios und mit Weisheit durchtränkt. Wenn es auf viele auch wirklich so nicht zutrifft.

DDR-Handwerker müsste man sein. Auch wenn in Moment urst viel kaputt ist und daher die Baubranche boomt. Urst.

Ganz ehrlich. Ehrlich wehrt am längsten. Am längsten ist von lang die Steigerung, sozusagen das urste Lang. Lang Lang.

Schluss. Ich war wieder alberich.

3027/15: Positionen: Wo sind wir? – Grüne + rosa Elefanten, Weiße Ritter, exOssis + exWessis, und die Verkommenkeit der Begriffe

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Bundesrepublik.Deutschland

Manchmal ist sie ungeheuerlich interessant, meine Arbeit. Und nun zeigt sie mir auch noch ein wenig auf, wohin dieses Land gerade abdriften könnte. Eine Band diskutiert die Gefahr einer eventuellen Indizierung eines Titels wegen zweier Textzeilen von mir. Das Thema Zweifassungstext kommt auf (einmal als Produktion, einmal als Livefassung) und eine sachte Überlegung in Richtung „grüner Elefant“ kam gar bei mir auf. (Andreas Hähle auf facebook, 03.03.15)

In der Bunten Republik Deutschland, im Speckgürtel Berlins, werden Gedanken wach an Begrifflichkeiten. Der exOssi findet den Begriff an sich schon blöd. Der exWessi (ich) denkt darüber nach. Für „Nicht-Bewohner“ der DDR erklärt Andreas Hähle, Songtexter, Autor und Kundiger in Sachen deutscher Sprache das System des „grünen Elefanten“. Der Begriff ist fest geregelt und verankert im ostdeutschen Sprach- und Wertesystem,  hier gibt es eine plausible Erläuterung.

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2078/14: Historie: Zum Mauerfall 09.11.89, dem Gedenktag 09.11.14, Wolf Biermann und West-Erinnerungen von Marcus Kluge #Linktipp

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Graffito Büro Gotthal - 20 Jahre Mauerfall

Graffito Büro Gotthal – 20 Jahre Mauerfall

Der Bloggwart findet den Auftritt von Wolf Biermann im Deutschen Bundestag insgesamt nicht unangemessen oder gar unanständig. Was Westdeutsche sich vornehmen könnten von den Ostdeutschen interessiert zu lernen: Zu verstehen, warum dieser Auftritt Gefühle -vor allem im Ex-Ostdeutschland- verletzt haben könnte. Mir persönlich ist nicht klar, warum? – Sein Vortrag ist historisch ja nicht verkehrt einzuordnen. Mit einer gewissen Befriedigung festzuhalten, es sei nun möglich, diese Moritat vor einem deutschen demokratischen Parlament zu singen, ist doch in der Tat ein Fortschritt, in geschichtlichen Dimensionen gedacht.

Als vor fünf Jahren dieses Pixeltrickserei angefertigt wurde, war Bildpersonalisierung gerade stark im Kommen. Inzwischen gang und gäbe und  nichts Ungewöhnliches mehr, befand sich diese Technologie damals noch in den Kinderschuhen.

Jetzt liefen klasse Filme teils erstmals (Bornholmer Str.) und als Wiederholung (Das Leben der Anderen). Wolf Biermann hat dem Deutschen Demokratischen Bundestag, der nach seinen Worten einen gewissen Fortschritt gegenüber der Vergangenheit darstellt, ein Ständchen gesungen. Bundestagspräsident Lammert hat ihn gelehrt, wäre er als Volksvertreter gewählt, so hätte er hier ein Rederecht. Und trotzdem hat er sich eins genommen, hat sich als Drachentöter bezeichnet und den Linken eine Ohrfeige gegeben. So ist er nun mal, der Wolf Biermann, der unbeugsame.

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1923/14: Positionen: Vom Versuch, fern zu sehen und gleichzeitig nah! #Dokumentationen

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Zwei Stühle eine Meinung

Zwei Stühle eine Meinung

Jeder Versuch, das Leben vollständig zu beschreiben, geht fehl. Es bleibt immer etwas offen. Das gilt auch fürs Fernsehen, das nie Nahsicht ist, sondern Gleitsicht, vermutlich noch eher aber Gleitpflug. Als Werte getarnt, lässt mancher einen Fluch fahren, und mancher einen ruchbaren. #Abendrosa

Es ging inhaltlich um die Frage, ob ein DDR-technisches Dokumentationsfeuer im ZDF inhaltlich tief ging oder gar oberflächlich blieb. Die Antwort ist doch einfach. Oder?

Zum Mauerfall: Thomas Gotthal’s Beitrag direkt auf Dominostein vor Brandenburger Tor…

Dominostein Facebook-Mr. Wong

Dominostein Facebook-Mr. Wong

Zitat Es wäre so wichtig, etwas zu sagen, wenn ich nur wüsste was?“ (Th. Gotthal, 1. Reaktion auf die Benachrichtigung)

Mr. Wong und facebook hatten ein gemeinsames Vorhaben  und das klang vielversprechend.  Zum Mauerfall-Jubiläum hatten beide Beiträge für die Domino-Galerie angekündigt. Die “Domino-Galerie” in Berlin, die vom Potsdamer Platz bis hin zum Reichstag entlang der vormals „letzten deutschen, noch funktionierenden Stadtmauer“ (Eigenzitat – grrr…) verläuft, wird bereits am 7. und 8. November geöffnet sein. Fallen werden die Dominosteine dann am 9. November ab 20:00 Uhr zum “Fest der Freiheit”, das bereits um 19:00 mit einem Open-Air-Konzert beginnt. Mehr Infos zum Fest sowie dem kompletten Programm gibt es hier. Dem Chefredaktör is nichts zu schwör. Dies auch insbesondere nicht peinlich. Der Wunsch ist Vater des Gedankens und heilig, ihm zu huldigen, werden wir Mahnwachen am Brandenburger Tor positionieren. Sensationell.

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Günter Schabowski wohnt jetzt in Wilmersdorf

Fressen, Saufen und noch mehr, ach, wie ist das Leben schwer.“ (‚Domspatzen‘, Bericht vom 16.12.08 auf ARTE, Einsinglied der Regensburger Domspatzen)

Die Miete mit rund 1.000,- EUR für seine Wohnung in Berlin-Mitte sei ihm schlicht zu teuer geworden, hat Günter Schabowski auf Nachfrage erklärt. Wie die Volksstimme meldet, hat das ehemalige Politbüromitglied, das 1989 die Öffnung der Mauer erklärte, in Kudamm-Nähe Quartier bezogen und ist daher jetzt Wessi. Weitere Nachfragen beantwortete Schabowski so, er kaufe nicht in den Läden am Kudamm ein, sondern er bevorzuge Billigdiscounter.

Der Spiegel berichtet (Ausgabe 52/08) vom Fall der Elektrotechnikerin Amene Bahrami, 31, der der verliebte Student Maschid Mowahedi, 27, vor vier Jahren immer wieder nachgestellt habe und schließlich eine deutliche Abfuhr erhielt. Daraufhin lauert er ihr auf und schüttet ihr Schwefelsäure ins Gesicht. Der islamischen Rechtsordnung zufolge ist ‚Kisas‘ -Vergeltung- in bestimmten Fällen zulässig. Und das Teheraner Gericht wird angerufen und spricht Bahrami das Recht zu. Die durch den Schwefelsäure-Angriff gänzlich entstellte und erblindete dürfe demnach dem Täter das Augenlicht mit fünf Tropfen Säure für jedes Auge nehmen.

Nicht auszudenken, wenn selbiges für Vermieter gälte, die Mängel an der Mietsache nicht beheben und fortan in Nissenhütten ihr künftiges Dasein fristen müssen oder für Mieter, die als Nomaden von Wohnung zu Wohnung ziehen und nun ihr gesamtes Leben über keine einzige neue Wohnung mehr anmieten dürften. Auge um Auge, Mangel um Mangel, Iglu für Iglu.

2009 wird ein interessantes Jahr.

Sommer, Sonne, Nackedeis – wie man Kunden wirbt…

Ausriss Melodie & Rhythums - FKK in der DDR

80% der DDR-Familien hatten FKK-Erfahrungen, sagen die Statistiker. Das stellt der Verlag Melodie & Rhythmus fest und gibt einen reich bebilderten Foto-Text-Band heraus. Es ist die Art, wie der Verlag um Käufer buhlt, die bemerkenswert erscheint und hervorzuheben ist. Das Werbekonzept assimilieren wir sofort für künftige, denkbare (Neu-)Kunden unserer Hausverwaltung und setzen nun in sehr ähnlicher Weise zum Kundenfang an. Die PR-Abteilung unseres Hauses läuft heute Morgen heiß und zu Hochleistungen an und wir werden dieses Werbekonzept erfolgreich in eine vollkommen andere Branche hinüberretten. Eine Marketingoffensive ungekannten Ausmaßes steht unmittelbar ins Haus.

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