Tulpen aus Amsterdam: Wenn der Blumenbote kommt…

Virtueller Blumenstrauss

Virtueller Blumenstrauss

Nachbarn, Nachbarn - Geschichten aus dem Alltag

Berlin-Zehlendorf – 15:30 Uhr: Es klingelt an der Tür.

Ein Blumenbote möchte Blumen für die Nachbarin abgeben, die über dem Berichterstatter wohnt. Das ist unter normalen Umständen kein Problem. Aber die Nachbarn verstehen sich nicht gut. Und deswegen will der, der diesen Bericht der Redaktion von gesichtspunkte.de erstattet hat, diesen Blumenstrauß auf gar keinen Fall entgegen nehmen. Das ist verständlich, weil sich die Nachbarn nicht gut verstehen. Unter normalen Umständen kein Problem.

Der Blumenbote klingelt an einer anderen Tür. Auch dort wird ihm selbiges beschieden. Ein Blumenstrauß ist doch nur ein Blumenstrauß. Wo ist das Problem?

Das Problem, sagt die weitere Mitbewohnerin an der Tür, ist, dass sie das nicht will. Wer weiß, was dahinter steckt? Hinter jeder Blume steckt nachweislich ein ganzer Strauß bunter Möglichkeiten. Es kann der verschmähte Liebhaber gewesen sein, der seiner Vergeblichen Blumen sendet, mit Spuren von Gift. Ein Allergieschock kann ausgelöst werden. Oder der nochmalige Liebesbeweis einer Freundin, die auf diese Weise um Vergebung buhlt. Oder der Strauß wird absichtlich bei Nachbarn abgegeben, die einem nicht lieb sind und das giftige Pulver (siehe oben) bringt den Hund der Nachbarin um. Er ist doch erst zwölf Wochen alt.

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Der Blumenbote macht einen elektronischen Eintrag, dass er hier gewesen ist. Alles ist säuberlich vermerkt. Er hat korrekt ausgeliefert. Abliefern konnte er nicht. Totale Annahmeverweigerung aller denkbaren Nachbarn. Die Beschenkte war nicht anwesend. Der Blumenstrauß wird unter Umständen verwelken. Denn die Nachbarin ist tagsüber nie da, wenn der Blumenbote weitere Zustellversuche unternimmt.

Der, der ansonsten in den letzten Wochen immer wieder unerbetener weise da ist, hat eine Auszeit genommen und verschwand kurz vorher. Er hätte wohl das Blumenpräsent entgegen genommen. Aber er ist jetzt weg, obwohl er sonst versucht, nie weg zu sein. Denn er soll dranbleiben, an seinem Auftrag. Kein Mensch kann rund um die Uhr an seinem Auftrag dranbleiben. Jeder braucht mal eine Auszeit.

Eine andere Nachbarin fragte  (einen weiteren) ihn gestern, warum er sein Auto jetzt immer vor ihr Haus abstellt. In dieser Gegend gibt es kein großes Parkplatzproblem. Er nimmt sie beiseite und sagte ihr: ‚Sie sind eine nette Frau. Ich werde ihnen mal eine Geschichte dazu erzählen. Ihrer Nachbarin (wieder einer anderen von schräg gegenüber) würde ich sie nicht erzählen, denn die ist nicht nett.‘ Sie grinst, sagt: ‚Ja, ich warte jeden Tag auf die Klage. Es geht um einen Busch. Unsere Anwälte haben sich beharkt, die Sache geht jetzt vor Gericht.‘ Er sagt: ‚Ich weiß, so ist sie, wegen Büschen, aber auch wegen Bauarbeiten der Nachbarn, einer Neonröhre über der gegenüberliegenden Garage. Sie sucht ständig Streit.‘ Aber er muss ihre Frage noch beantworten: ‚Das ist so, meine Familie wird seit mehr als einem Monat von einem gefilmt. Da zeichnet jemand unsere gesamten Bewegungen auf.‘ Sie erschrickt, fragt: ‚Wozu?‘ Er versucht, ihr einige Antworten zu geben. Er, der beobachtete Mann und sie, die nette Nachbarin, werden schnell handelseinig. Er parke dann eben mal hier, mal da. Der Klägerin mit dem Busch hätte er eine andere Antwort gegeben. Wie es in den Busch hinein schallt, so…(bitte ergänzen).

Merke: Sende nur dann einen Blumengruß, wenn du sicher sein kannst, dass mit den Nachbarn alles in Ordnung ist. Sonst verschenke lieber Pralinés und weiße Rumkugeln, die vergammeln nicht so schnell. Fest steht jetzt aber auch: Der Blumenstrauß ist nicht von ihm, als Danke schön fürs gefilmt werden.  Geschichten werden uns erzählt – wir berichten drüber. Es ist Alltag heute.

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