Wenn der Postmann zweimal klingelt….

 

Schild Deutsche Post

Schild Deutsche Post

Nein, es ist noch immer nicht so, dass die Deutschen ihre Post grundsätzlich elektronisch erhalten. Das wäre grundsätzlich keinerlei Beweis dafür, dass die inhaltliche Qualität der Korrespondenz steigt. Dem Gedruckten wird eine gründlichere Qualität angedichtet, dass das nicht stimmen muss, steht auf einem anderen Blatt. ‚Wenn der Postmann zweimal klingelt‘ ist die Verfilmung eines Romanstoffs von James M. Cain aus dem Jahre 1981. Uns beschäftigt auch nicht die wilde Theorie, wonach wenn der Briefträger kommt, die Zahl der Deutschen besonders hoch ansteige, und die Zahl von sogenannten Kuckuckskindern auch. Alles nur wilde Gerüchte….

Was uns interessiert, ist der Aspekt der Sicherheit im Haus. Vor kurzem schrieb uns irgendein uns unbekannter Mann an und verlangte als Mitarbeiter der Deutschen Post Ersatzschlüssel für das Haus Xystr., denn seine Botenschlüssel (die nur die Haustür schließen, aber keine anderen Türen) seien nun mal verloren gegangen. Wir sprechen dem Mann auf die von ihm hinterlassene Telefonnummer auf den Anrufbeantworter: ‚Gern‘, dennoch hätten wir zunächst einmal gern einen Beweis dafür, dass er tatsächlich bei der Deutschen Post beschäftigt sei. Daraufhin übrigens wochenlang keine Reaktion.

 

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Erst Wochen später meldet sich der Mann telefonisch, er sei in Urlaub gewesen, na prima. Wir finden es höchst ungewöhnlich und können jedenfalls bislang als Erfahrung nicht verbuchen, dass die Deutsche Post als Arbeitgeber ihre Zusteller veranlasst, die Hausverwaltungen auf eigenem Briefbogen anzuschreiben, ein irgendwie offiziöses Stück Papier sei nicht das Schlechteste. Das findet er auch. Er sagt es zu, und nun sind schon wieder zwei Monate ins Land gegangen. Nichts passiert. Wir ärgern uns.

Und dann ein anderer Fall. Diesmal ruft die Dame von der Deutschen Post, Abteilung Briefzustellung, an und sagt, da sei der Botenschlüssel weg. Man brauche einen neuen. Wieder verabreden wir einen „offiziösen Brief“ der großen, gelben Tante Post. Sie faxt es auch gleich zu. Wir lesen u.a. folgende, bemerkenswerte Sätze: ‚Unser Briefzusteller hat für das genannte Wohnhaus keinen Haustürschlüssel (Ja, warum denn nicht? Anmerkung Autor – AA) und kann die Postzustellung nur erschwert durchführen (‚Ach was‘, AA, frei nach Loriot). Wenn kein Mieter die Haustür öffnen kann, ist er gezwungen, die Post an die Absender zurückzuschicken.‘

Diese Sätze sind in mehrerer Hinsicht bemerkenswert und verdienen Erwähnung. Vermutlich sind sie im betriebspsychologischen Departement der großen, gelben Tante als hilfreiche Textbausteine aufgesetzt worden und werden nun deutschlandweit in ähnlich nichtssagender Weise eingesetzt, als Waffen gegen sich verweigernde Hausbesitzer und Hausverwaltungen:

– Warum einer nach mehr als 100 Jahren (Altbau, Baujahr 1900) plötzlich keinen Schlüssel (mehr) hat, und daher die Briefzustellung bis vor kurzem noch reibungslos funktionierte, muss in einem derartigen Brief nicht geschrieben werden. Denn das ist zu teuer und erhöht den Aufwand für die vermeintlich notwendige briefliche Entschuldigung beträchtlich. Eine individuelle Begründung muss möglichst unterbleiben.

– Damit die Versagung unserer Hilfe auch drohende Konsequenzen zeitigt, ist das weltweit privatwirtschaftlich reorganisierte Unternehmen Tante Post mit Drohungen zur Hand, was dann passiert. Weil nun vermutlich der Briefzusteller seinen Schlüssel verloren hat, wird sämtliche Post an die Absender zurückgeschickt. Wolf Biermann sagte mal ‚Nun kommen wir vom Regen in die Jauche‘, und meinte damit nicht einmal die Tante.

Über den richtigen, angemessenen Umgang mit Hausbesitzern und Hausverwaltungen muss die Deutsche Post noch was lernen. Dass sie sich u.U. haftpflichtig macht und zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens (eines Schlüsselverlustes) herangezogen werden könnte, steht auf einem anderen Blatt. Dieses haben wir noch nicht abgepflückt vom Baum der Erkenntnis. Wir wenden aber auch ein, dass es ein berechtigtes Bewohnerinteresse sein kann, dem Postmann nach zweimaligen Klingeln nicht zu öffnen. Denn jedes Kind lernt schon früh, wenn der Postmann zweimal klingelt, lieber nicht aufzumachen. Es könnte sich auch um einen ganz üblichen, miesen Trick von Kleinganoven handeln. Empathie wäre gefragt, Du großes altes Schlachtross Deutsche Post.