3197/17: Positionen: Vom Zuviel an Multimedia – Gegen die Gagaisierung des Abendlands

Nr. 5 lebt! Rettet die Telefonbücher!

Nr. 5 lebt! Rettet die Telefonbücher!

Nr. 5 lebt. Ein schöner Film. Telefonbücher lesen, um seine Neugier zu befriedigen. Gibt es überhaupt noch gedruckte Telefonbücher? Und wozu? Und Emails? Tolle Erfindung. SMS? Cool.

Die Mischung macht’s. Und die Kommunikation verändert sich jetzt stark. Die Kritischen weisen WhatsApp zurück und sagen, das liest der Geheimdienst mit.

Ich behaupte: Er kommt gar nicht dazu, all den bullshit vernünftig auszuwerten, den wir digital und inkompetent betreiben. Mindestens zwei Jahre habe ich auf eine Anschlusslösung zum so genannten Unified Messaging hingewartet. Vergeblich. Die Firma Tobit Software hat anders als andere begriffen, dass messaging, also Kommunikation gelungen funktioniert, wenn man die Nachrichtenarten zu einer einzigen Plattform zusammenfasst. Das war mal der Mehrwert dieser Firma, die im westfälischen Ahaus sitzt.

Dass wir die Tobit Software früher eingesetzt haben, war modern. Inzwischen haben wir sie wieder abgeschafft. Zuviel advanced Proprietät: proprietäres Design, hochspeziell, auf hochspeziell geschulte Softwarehändler, Authorized Reseller mit Hochspezialwissen, das keine Sau administrieren kann, verteilt und damit (leider) eine barrierevolle Auftragsbremse. Wer will schon für Selbstverständlichkeiten jeweils hochbezahlten Fachrat hinzubuchen, weil nur ….der Mercedesstern von Mercedes an der Kühlerhaube als Original güldet. Vielleicht kann man es die Arroganz des Unersetzlichen nennen? Pah.

Die Mainstreamsoftware Outlook von Microsoft kann das Tobit-Produkt nicht ersetzen, zu wenige Features: Oder anders gesagt, sehr sehr viele Features, die keine Sau braucht und nicht die richtigen, um Unified Messaging zu betreiben. Inzwischen schafft sich auch Email langsam ab und nervt einfach nur noch. Der Überblick ist dahin.

Die lang gesuchte Ersatzlösung von Tobit Software ist inzwischen einigermaßen zuverlässig WhatsApp, als Hilfskrücke. Der hart arbeitende Mensch setzt WhatsApp am Desktop PC ein, indem er sich eine Zusatzapp kostenlos herunterlädt, sich auf WhatsApp einloggt und so in Echtzeit mit Smartphoneusern (umsonst und draußen) kommunizieren kann. Natürlich ruft jeder Zweite dann auf WhatsApp-Geräten zurück und schon hat man wieder ein zweites Einfallstor für unerfolgreiche bullshit-Kommunikation.

Auch die unverabredete Abänderung ganzer Kommunikationsstrukturen kann passieren. Hier ein Leertext (Lehrtext), der deutlich macht, was dann passiert. Abgesandt wurde diese „Rechtsmittelbelehrung“ an den besten Hausmeisterdienst von allen. Er ist selbsterklärend.

Hallo Herr Maier-Lüdenscheid!

Machen Sie bitte nicht den Fehler, die zwischen uns übliche und notwendige Kommunikation der Einfachheit halber komplett auf mobile Endgeräte zu verlegen und damit die Kommunikationsstruktur einseitig komplett zu verändern. Der Normalfall bleibt wenn erforderlich bis auf Widerruf der Emailkontakt.

Einschub: Hier gebe ich übrigens sehr gern zu, dass mich Emails inzwischen wirklich nerven, weil rund 90% der downloadbaren Emailnachrichten überflüssig sind und 10% mit guten kurzen Texten die Bearbeitung und auch die Schnelligkeit nicht schlechter, sondern besser machen würden. Wahrscheinlich werden Emails auch bald abgeschafft. Oder hinsichtlich ihrer Funktionen auf automatisierbare Vorgänge reduziert. Für Rechnungsversand, Newsletter und standardisierte Langweiligkeiten wie diese. Wer mit vielen Menschen langfristig zusammenarbeitet, braucht heute eher ein CRM, ein Customer Relation Management, das in der Lage ist, projektorientierte Neunachrichten in eine Art Messageboard zu erstellen, Aktenzeichen und Verschlagwortungen automatisch zu erkennen und ein rasche Abarbeitung nach vernünftigen Prioritäten zu erlauben. Der Kunde liest letztlich mit, was aus seinem Kontakt wird, bis der Vorgang abgeschlossen ist. Das ist es, was wir brauchen, nicht Emails, die gern versanden, weil zu viele geschickt werden. Ganz klar erkennt man diesen Trend auch bei ganz vielen Dienstleistern auf weiter Flur. Email ist tot!

Aber weiter im Fließgewässer der Problemstellung.

Ich selbst nutze WhatsApp nur für wirklich wichtige, eilige und unaufschiebbare Dinge. Edit: Sonst habe ich im Ergebnis nun zwei Outlooks, zwei Emailkanäle und jede Menge Fotostoff, gegen den ich mich auch nicht wehren könnte, auf einem parallel betriebenen Smartphone. Es ist wichtig, dass wir bewusst und mit hoher Qualität kommunizieren. Das gilt auch für Fotos: Häufig sind sie toll, wenn sie Sachverhalte nachvollziehbar machen. Wird aber das Foto zur Regel, weil es so schön einfach ist, bedeutet es auch (bitte mal hochrechnen), dass sich der Content um das bis zu Hundertfache vergrößert (Speicherplatz). Und noch was für Vielarbeiter: Man kann Fotos nicht auf Sachverhalte durchsuchen. Es braucht also zuerst ein gutes „Wording“ (Schwachstellen benennen und verschlagworten). Das Foto ist immer nur eine (manchmal notwendige) Ergänzung. Es ersetzt den Sachverhalt nicht.

gez. Proff. Gotthal, Fachdozent für digitale Nachrichtenkommunikation
Organisator der Kommunikation gegen die Gagaisierung des Abendlands

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