Blumenstrauß (DSC06101)

3117/16: Positionen: Mutter, der Mann mit dem Koks war da..

Schatten seiner selbst (DSC06030)

Schatten seiner selbst (DSC06030)

„Welch hässlich Wort ist Gluttermück, wie schön dagegen Mutterglück.“ (Robert Gernhardt) – Heute ist Muttertag. Ein paar Gedanken.

Mutter, der Mann mit dem Koks war da.

Ich war nur noch ein Schatten meiner selbst. Ich haderte mit der Drogenbestellung. Sollte ich was ordern? Oder sollte ich mich besser auf Deine Werte besinnen? Es waren Deine Werte. Du hast sie uns vorgelebt. Drogen? Das geht gar nicht, hast Du gesagt. Daraufhin habe ich abgelehnt: Keine Macht den Verführungen.

Die Drogen, das sind nicht nur Amphetamine, Speed, LSD, Haschisch, Heroin, Kokains (Koks), das sind auch Falco, der Amadeus gerockt hat. Deep Purple, Led Zeppelin, Iron Butterfly – In A Gadda da Vida – und Amy Winehouse, die gegangen ist so wie Brian Jones, der im Swimmingpool ertrank, Gerüchten zufolge wegen unbezahlt gebliebener Rechnungen seines Bauunternehmers. Jimi Hendrix ist tot. Jim Morrison ist tot. Prince ist tot. Alle sind tot. Alles Schöne mausetot

Mutter? Du bist auch schon tot, seit 10 Jahren. Wie schrecklich.

Kranichflug (DSC06019) im Brandenburgischen

Kranichflug (DSC06019) im Brandenburgischen

An meine Mutter
So gern hätt‘ ich ein schönes Lied gemacht
Von Deiner Liebe, deiner treuen Weise;
Die Gabe, die für andre immer wacht,
Hätt‘ ich so gern geweckt zu deinem Preise.

Doch wie ich auch gesonnen mehr und mehr,
Und wie ich auch die Reime mochte stellen,
Des Herzens Fluten wallten darüber her,
Zerstörten mir des Liedes zarte Wellen.

So nimm die einfach schlichte Gabe hin,
Von einfach ungeschmücktem Wort getragen,
Und meine ganze Seele nimm darin:
Wo man am meisten fühlt, weiß man nicht viel zu sagen.
Annette von Droste-Hülshoff

Du hast uns das Fliegen beigebracht.

Das Leben eine Lusthansa, Vogelfluglinie Berlin-Schöneberg, Flughafen, dann Tegel und Schönefeld. Seit Du weg bist, Mutter, schaffen sie es in Berlin nicht mal mehr, einen funktionierenden Großflughafen hinzustellen. Der Postillon, ein unabhängiges Nachrichtenmagazin, das Du nie gelesen hast, Mutter, hat sogar Einfluss auf die deutsche Sprache genommen. Der feste Vorsatz des Postillon, künftighin nur noch im Futur III vom Großberliner Nichtflughafen zu sprechen, endet in der tragikomischen Behauptung: „Ich werde nächstes Jahr im Sommer nach Mallorca in den Urlaub geflogen wären gewesen.“


Neue Zeitform Futur III für Gespräche über BER eingeführt [Postillon24]

Veröffentlicht am 03.01.2015: „Ich werde nächstes Jahr im Sommer nach Mallorca in den Urlaub geflogen wären gewesen“: Dieser zunächst ungewöhnlich klingende Satz wird schon bald grammatikalisch völlig korrekt sein, denn Sprachwissenschaftler planen die Einführung der neuen Zeitform Futur III. Sie soll ausschließlich dazu dienen, Gespräche über den geplanten Berliner Flughafen zu ermöglichen, dessen Fertigstellungstermin immer wieder verschoben wird. Die ganze Geschichte: hier

Mutter, im Futur III: Du wärest dieses Jahr immer Sommer zuhause nach 10 Jahren nun schon in Deinem Zuhause wunderbar leben gewesen.“ So war es aber nicht. Es hat nicht sollen sein.

Das Familienband verbindet und legt Leben von Menschen an Ketten, die sie im Grunde überwiegend als unauflöslich empfinden. Die Familie formt einen und Herkunft macht viel aus. So oder so.

Blumenstrauß (DSC06098)

Blumenstrauß (DSC06098)

Wir sind die Nachgewachsenen und nehmen uns entweder gar nicht viel vor, um zu leben und leben. Oder wir fertigen starre todo-Listen an, um Dinge im Interesse unseres Lebens zu ordnen. Ein solches ist der Vorsatz: Niemals so wie Mutter das macht, ich werde alles besser machen.

An die Mutter
O du, die mir die Liebste war,
du schläfst nun schon so manches Jahr.
So manches Jahr, da ich allein,
du gutes Herz, gedenk ich dein.

Gedenk ich dein, von Nacht umhüllt,
so tritt zu mir dein treues Bild.
Dein treues Bild, was ich auch tu,
es winkt mir ab,
es winkt mir zu.

Und scheint mein Wort dir gar zu kühn,
nicht gut mein Tun,
du hast mir einst so oft verziehn,
verzeih auch nun.
Wilhelm Busch

Um Jahre später festzustellen, dass sich die Unerbittlichkeit dieser recht jungen, stürmischen Sichtweise mit den Jahren verwächst. Irgendwann werden wir selbst altersmilder. Später heißt es oft, für viele: Ja, warum eigentlich nicht? So ist im Grunde genommen das ganze Leben. Von in ihrer Zeit liegenden Mutmaßungen und Prioritäten durchzogen, die zu einer späteren Zeit ihre Bedeutung weitgehend verlieren können.

Blumenstrauß (DSC06099)

Blumenstrauß (DSC06099)

Mutters Hände

Hast uns Stulln jeschnitten
un Kaffe jekocht
un de Töppe rübajeschohm –
un jewischt un jenäht
un jemacht un jedreht…
alles mit deine Hände.

Hast de Milch zujedeckt,
uns bobongs zujesteckt
un Zeitungen ausjetragen –
hast die Hemden jezählt
und Kartoffeln jeschält…
alles mit deine Hände.

Hast uns manches Mal
bei jroßem Schkandal
auch’n Katzenkopp jejeben.
Hast uns hochjebracht.
Wir wahn Sticker acht,
sechse sind noch am Leben…
Alles mit deine Hände.

Heiß warn se un kalt.
Nu sind se alt.
Nu bist du bald am Ende.
Da stehn wir nu hier,
und denn komm wir bei dir
und streicheln deine Hände.

Kurt Tucholsky

Was bleibt?

Eltern gehabt zu haben, ansprechbare, einem wohl gewogene Eltern, die einen schätzen und bedingungslos lieben, obwohl wir es zuweilen wirklich doll trieben. Mit einem gereiften Sachverstand in Muttermilch-Fragen wie diesen treibt einen die Erinnerung an eine gewesene Mutter auch Jahre nach ihrem Tod gern noch einmal zu der Feststellung:

Mutter, Du fehlst. Ich danke meinen Gedanken an Dich und dass ich Dich heute in dieser durchaus liebevollen, milderen Art und Weise in ehrendem Gedanken halte. Halten kann. Das hast Du Dir zeitlebens redlich verdient.

Mutter, der Mann mit dem Koks war da: Ich hab ihn zum Teufel gejagt. Danke für den Tipp.

Blumenstrauß (DSC06101)

Blumenstrauß (DSC06101)

In Liebe.

Schreibe einen Kommentar