Berlin hat ganz hartes….

Wasser (Quelle: BWB)

Wasser (Quelle: BWB)

Herkunft und Bedeutung der Härte im Trinkwasser – Als Härte des Trinkwassers wird seine Konzentration an Erdalkalien, im Wesentlichen Calcium und Magnesium, bezeichnet. Diese Härtebildner gelangen durch Löseprozesse von Mineralien (vor allem Calcit und Dolomit) in das Wasser, wobei das Lösevermögen des Wassers durch dessen Säuregehalt beeinflusst wird. Als hauptsächlich relevante Säuren sind hier die im natürlichen System vorhandene Kohlensäure (Eintrag überwiegend aus der Bodenluft) sowie Mineralsäuren anthropogenen Ursprungs (aus Verbrennungsprozessen oder als Folge der Düngung von landwirtschaftlich genutzten Flächen) zu nennen. Daneben spielt auch das Lösen von Gips eine Rolle.‘ (Projektkreis Zentrale Enthärtung im DVGW)

***

Der Zustand unseres Wassers wird wie folgt beschrieben: In Berlin sei Wasser kein Industrieprodukt, sondern Natur. Viele Menschen, darunter auch Eltern von Kindern, machen sich Gedanken um die Qualität des Wassers. Das sei recht gut, sagen die Berliner Wasserbetriebe und brauche daher auch bundesweit keinen Vergleich zu scheuen. Für den Bereich der vorsorglichen Instandhaltungsüberlegungen spielen auch weitere Dinge eine Rolle. Calcium und Magnesium im Trinkwasser sind gesund. Doch neben dem ‚ordentlichen Schluck aus der Pulle‘ als Trinkwasser spielt Wasser im Wasserkreislauf von Haushaltungen noch ganz andere, vielfältigere Rollen…

***

Ein hoher Kalkgehalt im Berliner Wasser zieht zwangsläufig erhöhte Instandhaltungsaufwendungen nach sich. Überall lagern sich schnell Inkrustierungen ab. Wasserfilter sind dazu da, Schwebteilchen im Wasser auszufiltern, nicht aber homogen aufgenommene, aufgelöste Bestandteile aus- bzw. abzusondern. Für Berliner ist die Website der Berliner Wasserbetriebe interessant, die auch ein Serviceangebot zu Fragen der Wasserhärte und Wasserqualität aufweist. Über die Eingabe einer Postleitzahl lassen sich bereits bekannte Messwerte aus einer Datenbank auslesen. Wer noch genauere Informationen haben will, kann sich auch telefonisch dorthin wenden. Auskunft erteilt die Homepage.

Wenn uns der Kalkanteil im Wasser aus vorsorglichen Gründen der pfleglichen Behandlung viel zu groß erscheint, stellt sich jedoch die Frage, auf der Basis welches technischen Systems eine Wasserenthärtung angeraten wird? Wasserfilteranlagen werden mit Salzen betrieben, hohe Betriebskosten, hoher Wartungsaufwand sind die Folge. Dann sind andere Systeme offenbar im Betrieb, die die Enthärtung von Wasser auch ohne jeglichen Gebrauch von Chemikalien erlauben, sie nennen sich beispielsweise Aqua Correct (nomen est omen?) und kommen aus Dänemark. Interessant ist, dass die Berliner Wasserbetriebe auf Nachfrage zur Wasserhärte und zu Gegenstrategien aus einer Mehrfamilienhaus-Verwaltungssicht eher von sich weg verweisen und z.B. die Kontaktdaten des  Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in Berlin herausgeben. Den anzurufen zeitigt aber die Erkenntnis, es handelt sich um einen Bundesverband, dem Wasser- und Energieunternehmen angeschlossen sind, und eine Beauskunftung der interessierten Öffentlichkeit habe man sich nicht als satzungsmäßige Aufgabe auf die Fahnen geschrieben. Man verweist wieder weiter, und findet dort, dass der  Deutsche Verband für das Gas- und Wasserfach (DVGW) mit Sitz in Bonn zuständig sei.

Nach weiteren investigativen Recherchen fassen wir nun die Meinungen von Fachleuten aus dem bereits eingangs erwähnten ‚Projektkreis Zentrale Enthärtung‘ wie folgt zusammen, der sagt folgendes: 

Ein nicht unwesentlicher Anteil des Trinkwassers wird für Zwecke verwendet, bei denen sich seine Härte als Nachteil erweist. Insbesondere bei Erhitzung verursacht das enthaltene Calcium (Karbonathärte) z.B. in Warmwasserbereitern störende Kalkablagerungen. Aus trinkhygienischen Gründen (Stichwort Legionellenbildung) muss jedoch Wasser auf mindestens 60 Grad Celsius erhitzt werden. Der Deutsche Verband für das Gas- und Wasserfach sieht eine ‚zunehmende Technisierung von Haushalten‘ und bringt damit ‚den Wunsch der Verbraucher nach weicherem Wasser‘ in Verbindung. Diese Sicht eines technisch orientierten Verbandes überrascht. Die Technik als Feind des harten Wassers, das müsste doch nicht nur die Verbraucher weicheres Wasser wünschen lassen, sondern auch die Industrie? Egal.

Der Verband gibt uns danach folgende grundlegenden Entscheidungskriterien an die Hand und sagt:

Dialog vom iberischen Spanferkel -schweinische Unterhaltung

Dialog vom iberischen Spanferkel -schweinische Unterhaltung?

Generell sollte man die Frage einer zentralen Enthärtung dann prüfen, wenn die Wasserhärte 3,8 mmol/l 21 °dH) übersteigt. Bestandteil dieser Prüfung sollte die Bestimmung der Calcitabscheidekapazität bei Temperaturen über 60 °C experimentell oder durch rechnerische Ermittlung (nach DIN 38404-10) sein. Sofern ein Wasser ohnehin aufbereitet werden muss und qualifiziertes Betriebspersonal vorhanden ist, kann eine zentrale Enthärtung auch schon bei geringeren Wasserhärten sinnvoll sein.

Der technische Aufwand für eine zentrale Enthärtung ist im Allgemeinen nur gerechtfertigt, wenn die Calciumkonzentration dadurch deutlich, das heißt mindestens um etwa 1 mmol/l (5,6 °dH), verringert wird. Hierfür stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung, die zum Teil aber nicht nur die Calciumkonzentration erniedrigen („reine“ Enthärtung), sondern gleichzeitig auch die Hydrogencarbonatkonzentration in unterschiedlichem Ausmaß herabsetzen (Entcarbonisierung). Dies kann wiederum zu einer unterschiedlich ausgeprägten Änderung der chemischen Beschaffenheit (pHWert, Kohlendioxidkonzentration usw.) und damit der korrosiven Eigenschaften des Trinkwassers führen; ein Aspekt, der ebenfalls bei der Entscheidung für eine zentrale Enthärtung berücksichtigt werden muss.

In dem Zusammenhang ist insbesondere auf DIN 1988-7, DIN 50930-6 oder DIN EN 12502 hinzuweisen. So ist es beispielsweise günstig, wenn aus einem Enthärtungsprozess niedrige Kohlenstoffdioxidkonzentrationen resultieren, um den Übergang von unerwünschten Stoffen aus Rohrwerkstoffen (z. B. von Kupfer) in das Trinkwasser zu minimieren und dadurch stärkere
Abwasserbelastungen sowie eine Anreicherung dieser Stoffe in Klärschlämmen zu vermeiden. Andererseits sollte nach den vorliegenden Erfahrungen als untere Schwelle der Enthärtung eine Säurekapazität bis pH = 4,3 von 1,5 mmol/l und eine Calciumkonzentration von 0,5 mmol/l (20 mg/l) nicht unterschritten werden. Auf jeden Fall ist eine Einzelfallbewertung unter Berücksichtigung der korrosionschemischen Eigenschaften des enthärteten Trinkwassers zwingend erforderlich.

Weiterführende Hinweise

Aufsatz ‚Zentrale Enthärtung von Trinkwasser‚, Ausgabe energie wasser-praxis 6/2006

Dieser Artikel ist auch auf gotthal.de erschienen.

Schreibe einen Kommentar