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Wohnungseigentümerversammlung: Nicht bedachte Fragen!
Von Bloggwart | 28.November 2007
Ich habe auf unserer Website den perfekten Verwalter beschrieben (siehe unten, weiterführende Links). Zu den Fragen, die sich der perfekte Verwalter zu stellen hat, gehören diejenigen, auf die er sich nicht vorbereitet hat. Die auf einer Versammlung im Kontext der Gespräche plötzlich auftauchen und von denen vorher niemand etwas wusste. Während ich ein Protokoll von neulich Abend gerade fertigstelle, hänge ich Gedanken nach.
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Auf besagter Versammlung wurde ich u.a. gefragt:
- Jetzt, wo der Nachbar seinen Giebel mit einer Wärmedämmung versehen möchte, wofür er unser Grundstück überbaut, da soll er für Mauersegler Brutstätten auf dem später wärmegedämmten Giebel mit einplanen. Denn der reichlich rohe, unverputzte Mauerwerksgiebel sei schon seit ehedem ein Nistplatz für diese Vögel gewesen, in den Fugen der Mauersteinfugen. Deshalb sollen wir das jetzt fordern. Ich frage noch, ob auf einer glattgeputzten Wärmedämmfassade derartiges machbar sei? Ob man nicht lieber einen Holzdorn von 8 bis 9 m Höhe aufpflanzen möchte, auf dem zuoberst ein Vogelhäuschen sei? Und was dann mit Stadttauben?
- Ob ich wohl Erfahrungen vorweisen könne, hinsichtlich der Entsiegelung von betonierten Hofflächen mit dem Ziel, das von den Berliner Wasserbetrieben berechnete Niederschlagswasserentgelt zu senken, weil Versickerungswasser nun mal unentgeltlich versickert und in Kanäle eingeleitetes Wasser durch den Kanal muss, rechnerisch entstehen in einer Größenordnung von ca. 600,- EUR Kosten hierfür pro Wirtschaftsjahr?
- Was bedeute nun eigentlich die neue Energieeinspar VO (EnEV) für unsere WEG hier in Schöneberg?
Derartige Fragen berühren mich, zugegeben. Denn es steckt ein guter, redlicher und bemühter Kern in ihnen: Mag der Verwalter nun brachliegende Einsparmöglichkeiten aufzeigen, dem Vogelschutz frönen und Niederschlagswasserentgelte durch geziele Umbaumaßnahmen senken. Es muss ein Ruck durch dieses Deutschland gehen und wir haben es mit Vögeln, Regenwasser und Energieeinsparung. Globale und lokale Themen, Themenmix. “Ich muss durch den Monsun.”
Wir müssen vergegenwärtigen, dass uns diese Fragen so nicht vor der Versammlung gestellt wurden! Und dass wir darauf keine spontanen und ehrlichen Antworten haben. Die Antwort auf derartige Nebenbeifragen von so weitreichender Bedeutung lautet oft: “Das steht aber nicht auf der Tagesordnung.” - Das ist weder kundenfreundlich, noch kompetent.
Wohnungseigentümergemeinschaften sind auch “wabernde Massen” von zufällig oder nachhaltig auftauchenden Fragestellungen. Innovationen liegen auf der Hand:
- Kann die Brauchwassererwärmung auf Photovoltaik umgestellt werden?
- Ist die Energie-Gesamtbilanz des Hauses positiv?
- Lassen sich die Klos im Hause mit Hilfe von Regenwasser-Rückgewinnung spülen und sind damit die Entwässerungsentgelte maßgeblich zu senken?
Das alles sind zulässige, berechtigte Fragen. Der Verwalter versinkt im Erdboden, angesichts solcher Fragen. Ihn schmerzt die Erinnerung an in eigener Initiative beschaffte Baupläne der Wohnanlage xy-Strasse und die anschließende Kostendiskussion um 600,- EUR. Ihn schmerzt angesichts dessen die Einsicht, dass derartiges hochgradig sinnvoll zu überlegen erscheint, nur bitte nicht heute.  Derartiges kann man Feldforschung nennen, also das Suchen nach dem Sinn des Lebens. All diese Frage können und dürfen untersucht werden: nur ist der Weg das Ziel. Sich derartigen Sachverstand in einer anderweitigen Gesprächsrunde zu beschaffen, erscheint angesichts der abzuhandelnden Tagesordnung nicht machbar. Derartige Fragen richten sich an zutreffende Fachleute. Ein Verwalter ist ein guter Allrounder, kein Wirtschaftsweiser, wenn auch gewisser Sachverstand und vor allem langjährige Berufserfahrung von ihm erwartet werden darf.
Weiterführender Link:
Der perfekte Verwalter, eine Satire
Topics: Bauen, Betriebskosten, Prognosen, Psychowelt | Kein Kommentar »
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